DER SAUM SEINES GEWANDES

DER SAUM SEINES GEWANDES

Die Lebensgeschichte von VIRGINIA BRANDT BERG (1886-1968)

In den ‚Blue Ridge‘- Bergen Virginias

1-1

 Entlang den Pfaden der ‚Blue Ridge‘-Berge Virginias war ein Wan­der­prediger unterwegs um das Evange­lium zu verkünden. Von Ronsevert, in West Virginia, über Valley Forge und Roanoke weiter bis zur Ost­küste, bei Old Point Comfort, erzählte er die »alte Geschichte«. Er war jung und ehrgeizig und obwohl er die Hügel Virginias und das gast­freundliche Volk dieses Lan­des liebte, träumte er doch oft von einer großen Kirche, in der er zu den Mengen predigen und seine Vi­sionen erfüllt sehen könnte. Eines Tages würde er auch ein Autor sein, so hatte er es vor, um die Herzen der Menschen nicht nur durch die gesprochene, sondern auch die geschriebene Bot­schaft zu er­reichen. Sein Name war John und wie den geliebten Jünger Jesu ver­lang­te es auch ihn am aller­meisten, seinem Meister zu gefallen und sein Le­ben bis zum Äußersten in Seinem Dienst erfüllt zu sehen.

Aber der Teil der Geschichte, der mit diesem Buch zu tun hat, be­gann damals in jenen ‚Blue Ridge‘ Tagen, als im Haus des jun­gen, herum­reisenden Pre­digers ein winzig kleines Baby geboren wurde, und so winzig war es, dass es nur wenige Pfund wog. Dieses Baby war ich, geboren in Ronse­vert, West Virginia, und so wie ich damals solch ein winziges, kleines Wesen war, genauso klein fühle ich mich nach meiner eigenen Einschätzung auch heute, während ich über mein Leben schreibe. Ich würde jedoch diese Ge­schichte nie erzählen, wenn es tatsächlich nur über mein eigenes Leben wäre, aber es hat mit einem ande­ren Leben zu tun – das so schön, so wunderbar, so un­ver­gleich­lich ist, dass es mein ganzes Herz aufgeregt höher schlagen lässt, bei dieser Gelegenheit, euch über die wunderbaren Dinge zu er­zählen, die Er getan hat! Dieses andere Leben, von dem ich spreche, ist das gött­li­che Leben des un­ver­­gleichlichen Christus, der sagt: „Ich bin gekommen, um ihnen das Leben in ganzer Fülle zu schenken.“ (Johannes 10:10) Dieser Eine Wunderbare, der Christus der Herr­lich­keit, der so viele Male an der Straße nach Jerusalem anhielt, um die ärmsten und demü­tig­sten aller Men­schen zu trösten oder zu berühren, hielt eines Tages an meiner Türe an und ließ sich herab, meinen zer­brochenen Körper zu berühren.

Es ist das Allererstaunlichste, dass Er sich um die Geringsten kümmert! Wunder göttlichen Mitleidens, dass Er die Geringsten umsorgt und uns so sehr liebt! Und nie endendes Wunder, dass Christus für uns starb, wäh­rend wir noch Sünder waren. Er, der Hohe und Heilige, dieser liebens­werte Mann aus der himmlischen Herr­lichkeit, ließ sich eines Tages so weit her­ab, mein zerbrochenes, ruiniertes Leben und meinen leidenden, ster­benden Körper zu berühren und beide für immer durch ein Wunder der Gnade zu verwandeln.

Wie man einen mächtigen Retter in seiner Aufopferung und Tapfer­keit lobt, ehrt und liebt, während man die Geretteten nur mit einem flüchti­gen Gedanken streift, so sollst du, lieber Leser, an den mächtigen Retter und Seine wunderbare Liebe denken und dem Namen und dem Leben der Geretteten bitte nur einen flüchtigen Gedanken zukommen lassen. Alle Ehre gebührt Seinem Namen!

*ANMERKUNG: (Wiedergegeben aus »Wer ist wer in Amerika«, Ausgabe 1933)
BRANDT, JOHN LINCOLN:
Geistlicher, Lektor, ordinierter Geistlicher der Christen (Jünger)¬Kirche. Pastorate: Denver, Terre Haute, Toledo, Valpariso, St. Louis, Muskogee, Oklahoma, Cathe¬dral Church of Christ, Mel¬bourne, Australien. Gegen¬wärtig Pastor der Christen-Kirche in N. Vermont, Los Angeles, Dozent an Volkshochschulen; aus¬ge¬dehnte Reisen. Freimaurer. Autor: Das Abend¬mahl des Herrn, 1888; Wendepunkte im Leben, 1890: Ehe und Heim, 1892; Das Falsche und das Wahre, 1893; Seelen¬rettende Predigten, 1895; Die angel¬sächsische Vorherrschaft, 1913; Große Fragen der Bibel, 1926; Christus finden, 1939; Captain Jack, Artikel in Magazinen und religiösen Zeitschriften.

Der Weihnachtsmorgen

(24 Jahre später)

Es war der Morgen des Weihnachtstages. Das Kranken­haus war voller Besucher und die Luft war angespannt vor Auf­regung und Vorfreude. Einige gingen nach Hause, andere begrüßten voller Freude Freunde und Ver­wandte, die von weither gekommen waren, um die Feiertage mit den Leidenden zu verbrin­gen.

1-1Christmas

Auf meine Kissen gestützt bettelte ich den Arzt an, mich für die Weihnachts­tage nach Hause gehen zu lassen. „Ich möchte wirklich, dass Sie ein paar Tage warten, bis Sie nach Hause gehen, denn Sie sind immer noch sehr schwach“, sagte der Arzt, Sie haben eine an­strengende Zeit gehabt. Sie müssen gut auf sich achten, wegen dieses kleinen Lebens, das jetzt auf Sie angewiesen ist.“ „Aber es ist Weih­nach­ten und es wird im Kranken­haus nicht wie Weih­nach­­ten sein; ich werde sehr vorsichtig sein, ich verspreche es, wenn Sie mich heu­te Morgen gehen lassen.“ Und so gab der Arzt, nach langem Flehen und gegen sein besseres Wissen, An­weisungen, mich zur Entlassung bereit zu machen.

Mein Herz sprudelte einfach über bei dem Gedan­ken an Zu­hau­se, meinen Mann, Weihnachten! Ich war in das Tal des Schat­tens hin­ab ­gestiegen, in dem so viele Mütter gewesen sind, und die­ses kleine Leben erhaschend, war ich zurück gekommen mit einem Her­zen, das einfach vor Freude überfloss bei dem Ge­danken, dass Gott mir einen Sohn gegeben hatte; dieses liebe, kleine, warme Bün­del, das dort dicht neben mir ruhte, war mein eigenes, und ich konnte es mit nach Hause nehmen. Zuhause würde von jetzt an anders sein; es war sowieso solch ein wunderbarer Platz, denn mein Mann und ich waren sehr glücklich, aber jetzt mit einem Baby wür­de es wie eine richtige Familie sein. Und die Nachbarn hatten das Weihnachtsessen für uns vorbereitet; sie hatten gesagt, es wür­de zur Zeit meiner An­kunft fertig sein. Oh, es war alles zu schön, um wahr zu sein, und es war solch ein schönes Weihnachten. Als sie mich zur Kran­ken­haus­pforte hinaus­trugen, um mich in das Auto zu setzen, (denn ich war immer noch zu schwach, um zu gehen), schien es mir, dass ich nie eine schönere Weihnacht gesehen hatte. Da lag ein dichter Mantel von Schnee auf der Erde, und ich gab bei der Betrach­tung der Bäume meiner Be­wun­derung Aus­druck, wie ihre schnee­be­la­de­nen Zweige sich weiß funkelnd im Sonnen­schein aus­streckten. Die Luft draußen war so frisch und kühl, dass ich mich sofort stärker fühlte. Ich schaute mit neuer Hoffnung und Freu­de in die Welt. Es war wunderbar, einfach am Leben zu sein, aber die zu­sätzliche Freude meines neuen Schatzes, war bei­na­he mehr als ich an Glücks­gefühl fassen konnte. Und Weihnach­ten! Ich hatte Weihnachten schon immer mehr geliebt als irgend­einen anderen Tag. Und zu Hause! Wir waren jetzt beinahe dort – be­reits in Sicht­weite des Hauses – wie gut es aus­sah!

Doch – wie seltsam Gott wirkt! Seine Wege sind nicht unsere We­ge, und Seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken. (Jesaja 55:8)

„Gott wirkt auf geheimnisvolle Weise,
Seine Wunder zu vollbringen;
Er geht seinen Weg in Sturm und Gewitter,
und die Wolken sind der Staub unter seinen Füssen.“ (nach Nahum 1:3)

„soviel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ (Jesaja 55:9)

Wie geschwind und unerwartet kann eine Tragödie auf dem Pfad des Lebens daherkommen; einen Moment noch scheint hell die Sonne – im nächsten ver­steckt sie sich hinter einer Sturm­wolke und die ganze Welt wird plötzlich düster und dunkel.

Auf die wun­der­bare Freude in meinem Herzen und die Schönheit die­ser funkelnden Weihnachtsstimmung fiel plötzlich ein Schatten, so tief und so lang, dass er viele kommende Jahre überschattete und betrübte.

9-2Denn gerade vor dem kleinen Haus – fast zu Hause – geschah ein Unfall. Mein Mann, der mich vom Auto zum Haus tragen wollte, rutschte auf der vereisten Straße aus und stürzte. Ich wurde aus seinen Armen geschleudert und schlug so hart und unglücklicherweise auf dem Bordstein auf, dass, wie es sich später herausstellte, mein Rücken an zwei ver­schie­denen Stel­len gebrochen wurde. Für einen Moment sprachlos und er­schro­cken, tru­gen sie mich hinein und legten mich aufs Bett. Es gab viel Erregung auf Seiten von Freunden, die eilig hereinkamen, die tiefe Besorg­nis eines liebenden Ehemannes, beschwichti­gende Stim­men; und dann nach Stunden der Befund des Arz­tes – er kam in einem ziemlich berufsmäßigen Ton, aber mit einer Spur von Trau­rig­keit, der mich in der Tiefe meines Herzens erstarren ließ und jedes Wort in mei­nem Gedächtnis mit eisiger Genauigkeit ein­zu­frieren schien: „Sie ist von der Hüfte an abwärts gelähmt; ich kann dort über­haupt keine Reflexe feststellen. Nach dieser oberflächlichen Unter­suchung würde ich sa­gen, dass der Rücken gebrochen ist, aber nur eine Röntgenaufnahme kann präzise zeigen, um welche Verletzung es sich handelt. Ich fühle tief mit Ihnen und werde alles in meiner Kraft stehende tun, um zu helfen, aber ich fürchte, es gibt sehr wenig, was getan werden kann. Die Chance ist eins zu tausend und diese Chance ist äußerst ge­fährlich, aber ich kann Ihnen erst mehr darüber nach der Röntgenaufnahme sagen. Auf Wie­der­­sehen!“

9-3

Die­ Tür ging zu. Ich wurde allein in dem kleinen Zimmer zurück­gelassen – allein mit einem gebrochenen Kör­per, zer­stör­ter­ Hoffnung, und einem gebroche­nen Herzen. Ich konnte schwach das Flüstern der Freunde hören, die im Ess­zimmer be­küm­mert darüber redeten; ein weißgesichtiger Ehemann war mit schwe­rem Herzen gegangen, einige Besorgungen zu machen. Eine freundliche Kranken­schwester beugte sich über mich. „Das Baby weint; soll ich es bringen?“ Ich nickte nur, denn ich fühlte, dass, wenn ich nur meine Lippen öffnen würde, um ein Wort zu sagen, der Schwall meines Leids meinen schmer­zenden Körper in Stücke zer­reißen würde. Sie brachte es herein und legte es neben mich – das gleiche, warme, kuschelige, kleine Bündel; aber die Freude war jetzt von meinem Herzen gewichen.

Still, weiß und kalt wie der Schnee, der mich an diesem wun­­der­ba­ren Weihnachtsmorgen begrüßt hat­te, lag ich da und starrte an die Decke; be­nommen hörte ich immer noch den Be­fund des Arztes. Das Bündel rührte sich, dann ein schwa­ches Wei­nen, das in meinem Herzen Widerhall fand, und dann kam die ge­seg­nete Erleichterung der Tränen – ein Strom von Trä­nen, der wäh­rend der nächsten fünf Jahre weiterfloss –Jahre voll schrecklichen Todeskampfes, Leidens und einem ge­bro­chenen Herzen – Jahre unerträg­licher Schmerzen, Iso­lation und Einsamkeit – Jahre, die endlos schienen, voller Hoff­nungs­lo­sig­keit und Ver­zweif­­lung.

AN DEN LESER: Für das Verständnis der Fortsetzung dieser Ge­schich­te ist es wichtig, die nachfolgende An­mer­kung Von Virginia Brandts Ehemann Hjalmer E. Berg  zu lesen:

„Ich möchte hiermit folgende Tatsachen betreffend Frau Bergs Zustand und Operation bezeugen: Die Röntgenaufnahmen hatten gezeigt, dass der Rücken an zwei verschie­de­nen Stellen gebrochen war und ein zerbrochener, verschobener Rücken­wirbel drückte auf das Rücken­mark. Ich war im Operationssaal, während die Ärzte den gebrochenen Rücken operierten; es waren neun Ärzte und Chirurgen gleichzeitig im Saal anwesend. Der 9-4operierende Arzt war Dr. Oliver Fay, ein bekannter und erfahrener Spezialist; andere assistierten und einige schauten zu, da es eine sehr ungewöhnliche Operation war. Sie schnitten den Rücken 30 cm weit auf und hackten vom Knochen, der das Rückenmark umhüllt, mit einem chirurgischen Hammer und Meißel etwa 20 cm weg und entfernten auf diese Weise die obere beschädigte Bedeckung und legten das Rückenmark für diese Länge frei. Die folgenden Mo­nate hin­durch musste sie völlig still liegen, bis Knorpelgewebe über das Rücken­mark gewachsen war. (Bis heute hat Frau Berg keinen Knochen über diesem Teil des Marks – 20 cm – es ist einfach nur mit Knorpel­gewebe be­deckt.)

Die wunderbaren Fähigkeiten der Chirurgen und die hervorragende medi­zi­nische Für­sor­ge brachten, als Ergebnis der Operationen, eine teilweise Wieder­her­stellung der Funktionen für den unteren Teil von Frau Bergs Körper, der gelähmt gewesen war, aber die Operation war derart schwierig, dass sie, wegen ihres geschwächten Zustands, einen völli­gen Zu­sam­menbruch erlitt und sich monatelang nicht von den Folgen der Operation erholte. Darauf folgten 5 Jahre der Invalidität, durch die hindurch ich sie mit Hilfe anderer pflegte. Sie bekam akute Angina pectoris, die von den Ärzten als unheilbar angesehen wird und beim Patienten äußerst starke Schmerzen verursacht. Sie hatte bereits aortische und mitro­li­sche Stenosis (ein Herzklappenfehler). Viele Male saß ich neben ihr, mit meinen Fingern auf ihrem Puls und es waren von fünf Herz­schlägen oft nur zwei oder drei fühlbar und als sie zum Ende hin so schwach wurde, kam es unzählige Male vor, dass ich viele Sekunden lang ihren Puls überhaupt nicht fühlen konnte. Ihr Magen war völlig verschleimt; der Darm war teilweise gelähmt.

Während geraumer Zeit wurde sie über einen Schlauch ernährt, da sie nicht in der Lage war zu schlucken; ein ernster Lungenschaden hatte sich entwickelt und der rechte Lungen­flügel war beinahe völlig auf­gelöst. Am Hinterkopf, an der Basis des Kleinhirns, war ein dicker Klumpen – eine Schwel­lung, die sich sehr störend auswirkte, wenn sie ihren Kopf drehte und sie manchmal bewusstlos werden ließ. Als sie schwächer wurde, wuchs auch diese Beschwerde­, bis sie am Ende ihren Kopf überhaupt  nicht mehr drehen konnte. Akute Pyorrhöe befiel ihr Zahn­fleisch, das entzündet und geschwollen war und beinahe jeder Zahn war locker. Sie war, von sehr seltenen Ausnahmen abgesehen, unfähig, irgend­welche feste Nahrung zu sich zu nehmen und wurde nur mit verdünnter, flüssiger Nahrung durch einen Schlauch ernährt.

Während des letzten Jahres ihrer Invalidität war sie auf der linken Seite schwer gelähmt und lag völlig hilflos auf Gummikissen, während sie rasch er­blin­dete und nur durch stimu­lie­rende Mittel am Leben gehalten wurde. Mehr als 5 Jahre lang war sie ein hilfloser, hoff­nungs­­loser Invalide, lag auf Gummi­kissen und wog nur noch 38 Kilo, ihr Körper war ausgezehrt und ihr Gesicht mager; zum Ende hin die meiste Zeit bewusstlos, stark leidend – ein hoffnungsloser Fall, von den Ärzten ganz aufgegeben. Sie konnte nicht einmal im Laken auf die Seite gedreht werden, um ihren Rücken zu entlasten, denn wenn sie auch nur für einen oder zwei Augenblicke auf die Seite gedreht wurde, fing ihr Herz an auszusetzen, lang­samer zu schlagen – und einmal hörte es tatsächlich auf zu schlagen, als wir ein zu großes Risiko ein­gingen.

9-5Im Laufe dieser Jahre transportierte ich sie auf einer Bahre ins Battle Creek Sanatorium; auf gleiche Weise nach St. Louis, Missouri, zu einem Herzspezialisten; dann bis nach Corpus Christi, Texas, immer noch auf einer Bahre, und weiter nach San Francisco, Kalifornien. Dort entschlossen wir uns, als es ihr ständig schlechter ging, sie für ihre letzten Tage an einen ruhigen Ort zu bringen. Die Ärzteschaft war sich völlig einig, dass ganz gleich wohin wir sie bringen würden, es weder irgendeine Hoffnung gäbe noch etwas, das sie noch für sie tun könnten.

9-17Im Pfarrhaus der Ersten Christlichen Kirche zu Ukiah, Kali­fornien, bei der ich Pastor war, warteten wir das Ende ab. Anfangs, als wir­ in Ukiah an­kamen, besserte sich Frau Bergs Zustand so ­sehr, dass wir uns Hoffnungen mach­ten, sie würde ihre Gesundheit wieder­er­langen können, aber dann gab es einen plötzlichen Rückfall, und ihr Zustand war danach schlimmer als je zuvor. Die Ärzte be­haupteten, dass es nicht mehr lange dauern würde und stimmten überein, dass es schon fast an ein Wunder grenzte, dass sie so lange am Leben geblieben sei. Sie hatte über die Jahre hinweg die allerbeste medizinische Fürsorge erhalten und die Ärzte zögerten keinen Augenblick, mir zu sagen, dass Frau Bergs Fall völlig über die Möglich­keiten medi­zinischer Hilfe hinausging; keine MENSCH­LICHE Fertigkeit konnte ihr helfen. Wir danken jenen tüchtigen Männern; sie waren sehr hilfreich und taten alles, was sie konnten, aber als sie aufgaben und uns sagten, es gäbe keine MENSCHLICHE Hilfe, brachten wir den Fall vor eine höhere Macht und fan­den, dass „bei Gott nichts unmöglich ist“ und „des Menschen Ausweglosigkeit ist Gottes Gelegenheit.“ (Markus 10:27)

Diese Tatsachen möchte ich hiermit bezeugen: Dass ich ein Augenzeuge der Operation gewesen bin und die Jahre der Invalidität hindurch ein dauernder Beobachter des Falles war und wahrhaftig, ohne den geringsten Zweifel zu haben, sagen kann, dass das, was mit Frau Berg geschehen ist (und sie in ihrer Ge­schich­te erzählt), wirklich ein Wunder darstellt.

Möge Gott alle reich segnen, die dies lesen, ihren Glauben stärken und ihre Liebe für Ihn vertiefen! „Über Nacht vom Sterbe­bett auf die Kanzel“ war eine kleine Sache für Gottes Macht! Er kann noch größere Dinge tun und sagt in Jeremia 33:3: „Rufe mich an, dann werde ich dir antworten und werde dir große und gewaltige Dinge mitteilen, die du nicht weißt.“ „Nach deinem Glauben geschehe dir.“ (Matthäus 9:29)

Hjalmer E. Berg (Virginia Brandts Ehemann)

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Erinnerungen

In den langen, ermüdenden Monaten, die sich mühsam dahin­schleppten, lebte ich mit Erinnerungen. Wie wenig einige von uns sich bewusst sind, dass der Tag kommen mag, an dem die Dinge, die wir vom Regal unserer Erinnerungen nehmen werden, unsere einzigen Gefährten und unsere einzige Quelle des Trostes werden. Oftmals wurde ich stundenlang allein ge­las­sen, mit kei­nem anderen Gefährten als meinen Gedanken. Am Ende reichte meine Sehkraft nicht mehr zum Lesen aus, ich war zu schwach, um zu reden und lebte so nahe an der Schwelle zum To­d, dass ich sehr wenig mit den Le­ben­den gemeinsam hatte; buchstäblich eingeschlossen mit meinen Gedan­ken.

Während meiner Jugendzeit hatte mein Vater darauf bestan­den, dass wir jede Woche etwas aus der Bibel auswendig lernten. Er glaubte von ganzem Herzen an ein „gut gespei­chertes“ Gedächtnis und tat alles, was er konnte, um unseren jungen Verstand zu  einer wahren Vor­ratskam­mer zu machen. Einige Leute haben die Vorstellung, dass etwas nicht länger existiert, weil es in der Vergangenheit liegt – es ist nur eine Erinne­rung. Aber ich fand in jenen Tagen heraus, dass Erinnerungen lebendig sind und dass ich mit ihnen jahrelang, Tag für Tag zu leben hatte. Wie anders wäre mein Leben ge­wesen, wenn ich es nur gewusst hätte – nur innegehal­ten hätte, um darüber nachzudenken, dass ich eines Tages mit ihnen als Weggenossen würde leben müssen!

Durch diese Beharrlichkeit meiner Eltern hatte ich eine große Anzahl an Schriftstellen in meinem Gedächtnis gespeichert – welche ein wunderbarer Se­gen sein sollten, ein Wen­depunkt in meinem späteren Leben – aber zu diesem Zeitpunkt bedeutete es mir nichts, wegen des Unglaubens, der wie ein Schat­ten mein Leben verdun­kelt hatte: Was für eine Tra­gö­die, dass ich in jenen furchtsamen Tagen nicht den Trost von Gottes Wort, den Glauben an Seine Verheißungen und die Erkennt­nis Seiner Gegenwart hatte, die ich später haben sollte. Wie anders wären jene Tage gewesen, wenn ich es gekannt und mir bereits angeeignet hätte, worauf ich erst viel später kam! Aber mein Leben war ein bodenloser Ab­grund von schmer­zlichem Nichts; meine Seele eine leere Schale, mit nichts als unersättlichem Verlangen ge­füllt, denn ich hatte nicht nur einen gebrochenen Körper, sondern auch einen gebrochenen Glauben – keine Hoffnung, keinen Gott.

Komm mit mir mit durch einige dieser Erinnerungen und du wirst besser verstehen, warum Gott mit mir so gehandelt hat, wie Er es tat. Ich glaube wahr­haftig sagen zu können, dass die einzige Religion, die ich hatte, „ererbte Religion“ war; ich hatte sie geerbt, genau wie ich einige der Charak­ter­eigen­schaften meiner Eltern ge­erbt hatte,  die ich bis zu diesem Tage habe; genau wie jemand ein Familienerbstück erben könnte und während er es be­wahrt und schätzt, es doch nie zu irgendeinem praktischen Zweck benutzt.

Ich war im Schoß der Kirche geboren worden. Ich war die Toch­­ter eines Predigers; ich kannte nichts anderes als die Kirche – ihre Gottes­dienste, ihre Leute, ihre Lehren. Als ich ungefähr 6 Jahre alt war, fragte mich jemand, wo ich geboren wurde, und ich antwortete prompt: „In der Kirche natürlich!“ Warum sollte ich das nicht ant­worten? Ich wurde während einer Erwe­ckungs­­bewegung geboren und hatte mein junges Leben damit verbracht, in der Kirche ein und aus zu gehen. Mein Vater, von Beruf Prediger, und meine liebenswerte Mutter hatten immer Familienandachten. Von meinen frühesten Erinnerungen an war eine Bibel im Haus so alltäglich wie ein Stuhl.

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Als ich dann 9 Jahre alt war, ging ich selbst­ver­ständlich den Mittelgang der Kirche hinunter, als die Einladung an alle aus­gesprochen wurde, die den Wunsch hatten, Jesus Chri­stus als ihren Retter an­zunehmen. Und als ich meine Hand in die meines Vaters leg­te, antwortete ich auf die Fragen, die mir ge­stellt wurden und wurde ein Mitglied der Kirche.

Von dem Tag an arbeitete ich in Kirchenkreisen – Sonntags­schule „Christian Endeavor“, einer Mission am Ufer des Mississippi-Flusses. Als ich ein junges Mädchen wurde und dann eine junge Frau, betete ich, bezeugte und zeigte ich auf sonstige Weise, dass ich ein gläubiger Christ war – ein akti­ves Mitglied der Kirche – in der Tat eine ganz reli­giöse Person.

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Ich war religiös – aber ebenso sind es einige der Heiden der Welt; ich war ein aktives Kirchen­­mit­glied – aber ebenso sind es einige der gottlosesten Leute, die ich je­mals gekannt habe, und sicher betete ich – ich hatte immer gebetet, so wie ich damals Gebet verstand – aber ich erwartete nie Antworten auf Gebet und hatte keine persönliche Be­ziehung mit Jesus Chri­stus. Ich wusste VON Ihm, aber ich KANNTE IHN nicht; ich hatte kei­nen persön­lichen Umgang mit Ihm; Er war ein weit entferntes Wesen – stumm, eher streng und gänzlich gleichgültig, außer wenn ich etwas Falsches tat, aber dann war Er sehr ärgerlich (was, meinem Empfinden nach, die meiste Zeit der Fall war). In der Tat, wenn ich es genau so ausdrücken soll, wie ich es empfand, so war Er ein großer Richter, ärgerlich auf mich wegen meiner Sünden, und darum hatte Er Sein Gesicht ab­gewandt und wollte nicht mehr viel mit mir zu tun haben.

Diese Schlussfolgerung hatte nichts mit den Lehren meines Vaters oder der Erziehung meiner Mut­ter zu tun, denn ich war sehr eigensinnig und unab­hängig, und ich wollte nur meinen eigenen Weg und nicht Gottes oder den von irgendjemand anderem gehen. Ganz sicher war ich nicht wiedergeboren und war da­rum nicht, wie die Schrift sagt: „Eine neue Schöpfung in Chri­stus Jesus“, noch war „das Alte vergangen“. (2.Korinther 5:17) Als ich der Kirche bei­trat, war es nicht in meinem Bewusstsein, mein Leben mit Jesus Christus zu ver­einen – ich hatte mich einfach mit einer konfessio­nellen Organi­sa­tion vereint. Ich hatte nie eine Ver­änderung des Herzens erlebt; als ich bei der Taufe ins Wasser tauchte, ging ich als trockener Sünder hin­unter und kam als nasser wieder herauf! Die Schrift sagt: „Sie haben den Schein eines gottesfürchtigen Wesens, aber seine Kraft verleug­nen sie;“ (2.Ti­mo­theus 3:5)

Als ich älter wurde, war meine Religion in ihrer äuße­ren Form vollkom­men, doch ohne jegliche Kraft. Jesus sagte zu den Phari­sä­ern: „… Ihr Heuchler! Sorgfältig achtet ihr darauf, dass eure Tassen und Teller nach außen sauber sind, doch innerlich seid ihr durch und durch verdorben – voller Missgunst und Maßlosigkeit! (Mat­thä­us 23:25) Äußer­lich gesehen – das heißt, Kirchgang, Teilnahme an Gebets­tref­fen, öffentliches Zeugnisgeben, Singen und Spenden geben – war mein religiöses Leben beispielhaft; innerlich, wie die Schüsseln, von denen Jesus sprach, war es unverändert. Selbst als Kind beobachtete ich die Leute sehr genau und die Vorstellung, die ich von eini­gen Kirchen­mit­gliedern über ein christliches Leben bekam, war alles andere als hilf­reich. Die Situation, in der ich mich befand, brachte mich in engen Kon­takt mit einigen Christen, die es nur dem Namen nach waren, so dass ich un­glück­li­cherweise  ei­ne nur zu gute Chance hatte, nicht nur Dr. Jekyll, sondern auch Mr. Hyde zu beobachten. (Eine Novelle von R.L. Stevenson über einen Mann der ein Doppelleben führt.) Tat­sächlich war es nach einem geschäft­li­chen Treffen von „Christian Endeavor“­ im Hause eines Mitarbei­ters, wo ich ohne Wissen meiner Eltern erstmals Tanzen lernte; (Anmerkung: in dieser Kirche galt Tanzen als etwas Verwerfliches, Sündhaftes, genauso wie Kartenspielen) es war auch eine be­kennende Christin (und eine, deren Beruf gut bekannt war), die zu­erst einen Stapel Spielkarten in meine Hand legte und mir dann ihre Namen beibrachte.

Ich könnte mehr Begebenheiten dieser Art er­wähnen, aber es reicht zu sagen, dass ich zu viel von denen sah, die „Namens-Christen“ genannt werden. Websters Wörterbuch sagt, „Namens-„ bedeutet, „nur dem Namen nach.“  Gottes Wort sagt: „Ich weiß alles, was du tust (kenne deine Werke) und dass du den Ruf hast, lebendig zu sein – aber du bist tot.“ (Of­fen­barung 3:1) Kein Wunder, dass ich eines Tages meiner Mutter sagte, ich sei zu der Schlussfolgerung gekommen, dass sie nicht Recht habe, wenn sie sagte, es gäbe einige Dinge, die Christen nicht tun sollten, denn ich hätte eine Reihe der am meisten von mir bewunderten Kirchenmitglieder genau diese Dinge tun sehen. Aber un­glück­li­cher­weise kannte ich nicht den Unterschied zwi­schen Christen­tum und „Kirchen­tum“; zwischen einem „Namens-Chri­sten“ und einem wirklichen; zwi­schen einem „Bezeugenden“ und einem „Be­sit­zenden“ also zwischen einem, bei dem Christus nur auf dem Klingelschild steht und einem, bei dem Jesus wohnt; zwischen dem historischen Christus und einem leben­di­gen, persön­li­chen Erretter. Und auf diese Weise ist die Kirche heute gespalten – jene, die VON Ihm wissen, und je­ne, die IHN wirklich KENNEN! Kein Wunder, dass Jesus sagte: „Ich weiß alles, was du tust (kenne deine Werke) und dass du weder heiß noch kalt bist. Ich wünschte, du wärest entweder das eine oder das andere! Aber da du wie lauwarmes Wasser (lau, weder kalt noch heiß) bist, werde ich dich aus meinem Mund ausspucken!“ (Of­fenbarung 3:15,16)

9-8 Ist es dann ein Wunder, dass Bitterkeit in meine Seele kam, als meine Mutter starb, und zeitweise hasste ich Gott darum beinahe, weil Er sie weggenommen und unser Zu­hause auseinander gerissen hatte. Ich sprach nie mit irgendjemand über diese Dinge, sondern hielt sie ver­steckt in meinem Her­zen und dort nagten sie umso tiefer, weil ich nicht darüber redete.

Ein fernes Land und Schoten

Kurz nach dem Tod meiner Mutter verließ ich mein Zuhause, reiste umher und machte Besuche im Süden des Landes. Wäh­rend ich einen welt­li­chen Freund in San Antonio, Texas, besuchte, warf ich mich in einen Strudel von Weltlichkeit und ver­suchte mein 9-10leeres Herz mit dem zu füllen, was die Allgemeinheit „Spaß haben“ nennt. Auch wenn nichts direkt Unmorali­sches an dem war, was wir taten, war es trotzdem „Schwelgerei“; es war wie bei dem ver­lo­renen Sohn, der in ein „fernes Land“ gegangen war, und es endete wie sein Erlebnis mit Schoten. (Lukas 15:16) Tatsäch­lich kam ich am Ende an dem Punkt an, an dem mich solch ein Leben nicht länger interessierte. Ich war über­sättigt.

Ich konnte wahrhaftig mit den Worten von Ella Wheeler Wilcox’s kleinem Gedicht sagen:
„Den Weg zum Glück hab ich verloren –
Oh bitte, weißt du jemand, der ihn kennt?
Ich ließ mich nieder, wo der Morgen viel versprechend war,
Doch irgendwie hab ich mich vom Weg entfernt.
Seltene Schätze sah ich an Orten des Vergnügens
Ich eilte, um dem Ganzen nachzugehen, doch schau:
Über den Weg zum Glück hab ich nicht mehr verfügt,
Und wo ich hinging, wusste ich nicht mehr genau.“

Tanzen langweilte mich; Theater ermüdete mich; mir wurde es leid, mit einer Menge von Leuten Karten zu spielen, die über Nichtigkeiten schwatz­ten. Und so, mit Bitterkeit gegen 9-11Gott im Herzen und unzufrieden mit dem Leben, das ich führte, sehnte­ ich mich nach einer Veränderung – irgendwas, wenn es nur Befriedigung bringt. Ich konnte nicht ewig mit Schoten überleben. Oh, wenn ich nur damals erkannt hätte, dass nur Gott jemals die Seele des Menschen befriedigen kann; dass – während der Kör­per, der von dieser Erde gemacht ist, von der Erde genährt wer­den kann – die Seele, die geradewegs vom Atem Gottes kam, nur Gott selbst befrie­digen kann.

Dieses Gefühl der Abscheu vor meinem Leben gip­felte eines Abends in eine erstaunliche Ent­scheidung. Es würde ein ganzes Buch füllen, von dem Anlass und den Umständen zu erzäh­len, die zu dieser endgültigen Entscheidung führten. Tatsache aber ist, dass jenes Ereignis mich dazu brachte, dass ich endgültig beschloss, mein Leben wegzugeben, anstatt es wegzuwerfen wie ich es getan hatte. Ich war es leid, solch eine langweilige, sinn­­lose Existenz zu führen; seine ganze Eintönigkeit langweilte mich; die schreck­li­che Leere ekelte mich an. Bevor ich also jemals den Christus kannte, den ganz und gar befriedigen­den Retter, wurde ich eines leeren Lebens – der Schoten – müde.

Anstatt also mein Leben wegzuwerfen, ent­schloss ich mich, dass ich es für einen wohl­tätigen Zweck einsetzen würde, einem philanthropischen Werk. Ich hatte viel von Sozialarbeit gehört und es sprach mich an. (Ich entschloss mich, sofort nachzuforschen und herauszufinden, wo und wie genau ich mich am besten für einen solchen Dienst anwerben konnte.)

Meine Zeit im College

Ich schrieb mich an einem bekannten College ein und ging mit Ent­schlos­senheit an die Arbeit. Ich musste nicht erst überredet werden, mich auf die Sache zu konzentrieren, sondern vergrub mich buch­stäblich mit jedem Gedanken und jedem freien Moment in meine Studien. Anders als mein Vater war ich nicht von Natur aus sehr intelligent oder intellektuell, aber ich liebte Bücher, und es war für mich einfach zu studie­ren.

Eines, glaube ich sagen zu können, war zu meinem Vorteil: ich hatte sehr hohe Ideale – das Ergebnis strengen Trainings in frühen Jahren und eines wunderbaren elter­lichen Ein­flusses. Ich hatte auch ein tiefes, selbstloses Verlangen, für andere von Nutzen zu sein. Ich wusste nicht wie oder wo, aber ich hatte fest vor, mein Leben für eine gute Sache zu geben; nicht unbedingt im Dienst für Christus oder zu Seiner Ehre, sondern einfach, um das Leiden anderer zu mildern. Für dieses Ziel arbei­tete ich, lernte ich, brachte ich Opfer und darauf breitete ich mich vor. Ich hatte viel, das mich ermutigte, damit anzufangen, denn ich hatte viele Vorteile – Vorteile des Heimunterrichts und Studierens zu­hause, denn mein Va­ter besaß eine enorme Bibliothek mit vielen Hun­der­ten von Büchern. Bevor ich fünfzehn Jahre alt war, hatte ich eine ziemlich gu­te Aus­bildung erhalten; – durch Bücherlesen aber auch durch die Vorzüge des Reisens – be­vor ich 18 war, hatte ich nicht nur diesen Konti­nent mehrere Male durchquert, sondern war durch ganz Europa gereist; – Vorteile durch Bekanntschaften – ich hatte nicht nur das Privileg gehabt, einige sehr große und noble Leute an Ur­laubs­­orten, in Über­see oder im Hause meines Vaters zu treffen, sondern sie sogar persönlich näher kennen zu lernen. Einige unter ihnen hatte ich in der Zeit getroffen, als ich mit meinem Vater für die Chautauqua-Arbeit* herum­gereist war.

Ich erwähne dies, weil diese Persönlich­keiten kennen gelernt zu haben viel damit zu tun hatte, die Ideale und Absichten in meinen späteren Jahre zu formen.

Die Tage auf dem College vergingen schnell. Ich studierte an zwei verschiedenen Universi­täten, aber meine Geschichte spielt sich nur in einer der beiden ab.

*Chautauqua war eine Bewegung der Erwachsenenbildung in den ländlichen Gebieten der USA vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Modernismus in Aktion (Vor mehr als 100 Jahren. Hat sich das seither wieder verändert?)

Auf dem College fing ich an, sehr viel Interesse an einem Stu­dienkurs eines Professors zu ent­wickeln, der ein Modernist war. Was ist Modernis­mus? Jemand hat geantwortet: „Es ist Un­glaube, aufge­putzt in neuer Klei­dung; es ist einfach Agnostizismus (Leugnung des Göttlichen) mit einer Rasur und einem Haarschnitt.“ Ich kann keine bessere De­finition, Be­schrei­bung oder Bloßstellung des Moder­nismus finden als jene, die in dem wun­der­baren kleinen Buch von Dr. A.P. Gou­they steht – „Jesus Christus: War Er Mensch oder ist Er Gott?“. Ich zitiere hier: „Modernis­mus verkleidet sich als das Ergebnis einer neuen Geistlich­keit, aber in Wahr­heit ist es nur ein Aufwärmen muf­fi­ger Argumente, die seit langem – seit den Ta­gen der Apostel bis zur Gegenwart – beant­wortet und besiegt wurden von Verteidigern des christlichen Glaubens. Es wird ›Höhere Kritik‹ genannt, ist aber in der endgültigen Analyse eine sehr NIEDRIGE ORDNUNG DER KRITIK, da sie größ­tenteils ohne jegliche Prämissen argu­men­­tiert, philoso­phi­sche Spekulation im Namen der Wissenschaft präsentiert, sich ohne einen erlösenden Christus zum Chri­sten­tum bekennt und vorgibt auf­zuzeigen, dass die Bibel überholt sei, ohne auch nur den kleinsten Beweis zu erbringen, der dem Test der Logik oder der Wissenschaft standhalten würde – und darüber hinaus das angesam­mel­te Beweis­material von nahezu zwei tausend Jahren christlicher Erfah­rung völlig außer Acht lässt.“

9-12.pngWie ihr seht, besuchte ich parallel zu meinen anderen Stu­dien Vorlesungen der theologischen Ab­teilung der Universität. Dieser Pro­fessor lehrte, wie man mir sagte, nur die Bibel; er war ausdrücklich ein Bibel­lehrer. Tag für Tag saß ich in seinem Unter­richt und bemerkte am An­fang nicht einmal, dass das kleine bisschen Glaube, das ich hatte, unter­graben wurde. Geschichten und Schrift­stellen, die man mir immer als absolute Wahrheiten beigebracht hatte, Begebenheiten, die tat­sächlich geschehen waren, wurden als bloße Gleichnisse gelehrt. Ein Kapitel nach dem anderen von Gottes Wort, die mir im­mer als Tatsachen gelehrt worden waren, wurden von diesem Pro­fes­sor als Mythen dargestellt; andere waren einfach Legen­den. Viele der heraus­ragenden Verheißungen waren angeblich nicht für heute, und er meinte, die Wunder, die Chri­stus wirkte, könnten von jedem Menschen vollbracht werden, der genügend fortgeschritten war in den Gesetzen­, nach denen sie funktionierten.

Langsam aber sicher entschlüpfte mir mein kleiner Glaube in die Wahr­haftigkeit der Schrift, die göttliche Inspiration der Schrei­ber und die Gött­lichkeit Christi und Seiner Wunder. Ich machte in der Klasse die Bekanntschaft eines Stu­denten, der in dieser Richtung des „modernen Denkens“ voll davon eingenommen war. Viele Male erklärte er mir diese neue Theologie – einfach was er glaubte. Er war unverhohlener als der Professor, der seinen Moder­nismus unter diesem Deck­mantel verhüllte: „Nun, meine Stu­den­ten, habe ich euch beide Seiten der Fragestellung gezeigt. DIES ist die alte Theologie und DIES ist die neue. Dies ist die alte Denk­weise und dies die moderne. Es ist am besten, sie euch beide im Seminar­raum darzulegen.“ Aber es war einfach heraus­zu­fin­den, was er glaubte, denn er war nicht ein­fach ein „höherer“ Kri­tiker; er war auf stille, heimtückische Wei­se ein zerstöre­rischer Kritiker.

Was ist diese neue Theologie – Modernismus, wie wir sie nennen?

⊗  Anstatt dass die Bibel eine Offenbarung Gottes ist, unfehl­bar ein­ge­geben, ist sie überhaupt keine Offenbarung; einfach nur eine An­samm­lung von Legenden, Mythen, menschlichen Lehren und Erfindungen.

⊗  Anstatt der geschichtlichen Interpretation über den Menschen – eine Kreatur zum Ebenbilde Gottes geschaf­fen, welche eine von Gott ein­gehauchte Seele in sich hat – ist er einfach nur ein unvollkommenes Tier.

⊗  Anstatt dass Jesus Christus göttlich ist und die biblische Auf­zeich­­nung der unbefleckten Empfängnis wahr ist, ist Er nur gött­lich in dem Sinn wie jeder Mann oder jede Frau göttlich ist, denn auch Er war unvollkommen. 

⊗  Auf die Fleischwerdung wird verzichtet, stattdessen legt die Theorie dar, Christus selbst würde seine Ansichten ändern, lebte Er heute.

⊗  Die biblischen Prophezeiungen wurden nicht von Menschen ge­schrieben, die vom Heiligen Geist inspi­riert waren, sondern sind nur apokalyptische Phantasien.

⊗  Sünde ist keine Rebellion, sondern einfach eine unbedeutende Sache – vielleicht sogar ein Erwachen.

⊗  Alles ist Vermutung; nichts ist sicher, denn die Wahrheit ist letzt­lich nicht mit Sicherheit feststellbar.

⊗  Darum sind wir als Tiere zurückgelassen, die in der Dunkelheit umher­tappen. Keine von Gott gegebene Abstammung, auf die man zurückschauen kann und keine sichere Hoffnung für die Zukunft; keine beruhigende Sicher­heit für die Gegenwart.

Dies ist eine sehr kurze Zusammenfassung der neuen Theo­lo­gie, dem Modernismus, wie sie mir präsentiert wurde.

Eine ausrangierte Bibel (wie schon erwähnt, das war vor 100 Jahren, doch denke ich hat sich seither wieder viel verändert)

Es gibt eine Geschichte von einem gesalbten, betagten Ge­mein­de­ältesten, der, als sein Pastor sein Amt abgab, ihm zur Ab­schiedsfeier ein hübsch verpacktes Päckchen gab und sagte: „Dies wird zweifellos ein wenig anders sein als die an­deren Abschieds­ge­schenke die Sie bekommen haben.“ Der Pastor war natürlich neu­gierig und ohne zu war­ten, öffnete er sofort das Paket, aber ent­deck­te nur den abgenutzten, verschlissenen Einband einer Bibel und der ganze Innenteil war herausgenommen. Ziemlich verdutzt forschte er nach: „Liegt hier ein Irrtum vor? Ist dies das Geschenk, oder habe ich vielleicht das verkehrte Päckchen?“ „Nein“, erwiderte der alte Mann, „das ist alles, was Sie mir von der Bibel übrig gelassen haben, und ich dach­te, dann können Sie auch genauso gut den Einband auch noch haben. Sehen Sie, wann immer Sie uns sagten, dass etwas nicht für heute sei, riss ich es sofort heraus und andere Passagen von denen Sie sagten, dass sie Mythen wären und Gleichnisse, Fehl­interpreta­tio­nen usw., habe ich auch entfernt, zusammen mit den Schrift­stel­len, die damit in Ver­bindung stehen. Dies ist das Ergebnis. Der Ein­­band war alles was ich übrig hatte; Sie haben alles übrige ge­nommen, also dachte ich mir, Sie könnten den genauso gut auch noch haben.“

Und genau so dachte ich über meine Bibel, als ich meine Aus­bildung an der Uni­versität beendet hatte. Ich kann mich an mein klei­nes Zimmer im Studentenheim erinnern, als wäre es ge­stern erst gewesen, wo meine Sachen zum Packen ausgebreitet lagen. Das Studieren war vorbei, und ich war bereit zu gehen. Ich hatte eine Reihe von Sachen aus­rangiert, die ich nicht mitnehmen konnte, und der Gedanke kam in mein Herz: „Du könntest dich genauso gut von dieser Bibel trennen, denn du hast ja gar keinen Glauben mehr daran, dass sie göttlich inspiriert ist; sie beinhaltet nicht mehr län­ger das ›Wort Gottes‹ für dich, denn wie bei jenem Gemeindeälte­sten ist der Einband alles, was du noch hast.“ Ich warf die Bibel nicht wirklich weg, aber in meinem Herzen hatte ich sie beiseitegelegt. Ich glaubte jedoch immer noch, dass es das beste System der Ethik war, das der Welt gegeben wurde und dass Jesus Christus der größte aller Lehrer war, den die Mensch­heit jemals gekannt hatte. Ich hatte die Lehren Platos, Aristoteles’, Sokrates’, Dioge­nes’, Buddhas und Konfuzius’ studiert, aber es gab keinen Zweifel, dass die Leh­ren von Jesus Christus diesen weit überlegen waren. Wäh­rend mir also jede Spur des Glaubens an die Unfehlbarkeit der Schrift ent­rissen worden war, studierte ich immer noch gewissen­haft ihre Sei­ten und strebte danach, gemäß ihren großen Prinzipien zu leben und be­nutz­te­ sie als meinen Moralkodex. Ich war nichts anderes als ein Ungläubiger. Religion war eine äußere Form und Ge­bet nur eine fromme Ehrfurchtshandlung, die einen unter­be­wussten Ein­fluss auf den Betenden ausübte.

Ich war dem Goldgräber sehr ähnlich, von dem ich gehört hatte, (und einige von euch haben die Geschichte wahrscheinlich schon ein­mal gehört), der eines Abends bei seinem Lagerfeuer in Alaska saß, als seine Begleiter ihn plötzlich fragten: »Jim, wenn du jemals auf eine Goldader treffen solltest, was würdest du als erstes tun, wenn du in die Zivilisation zurück­kehren würdest?“ „Lass mich über­legen“, sagte Jim. „Nun, ich glaube, ich würde mir erst einmal eine gute Mahlzeit aus frischen Lebensmitteln leisten – frisches Gemüse und frisches Fleisch. Ich habe die­se Bohnen und Sardinen aus der Dose so satt, dass ich kaum noch eine Bohne oder Sardine sehen kann.“

Nun, der Tag kam, da Jim auf eine Goldader stieß und mit seinen Taschen voller Geld in San Francisco ankam und sich auf den Weg zu einem wohl­bekannten Gasthaus machte. Der Kellner brachte ihm die Karte und lächelnd schaute Jim ihn an und sagte: „Ich hätte gern etwas von diesem Truthahn mit Preiselbeersoße, mit allem Drum und Dran.“ Der Kellner räusperte sich und ant­wor­tete: „Es tut mir leid, aber Truthahn mit Preiselbeersoße ist nicht mehr erhältlich. Es waren sehr viel mehr Leute hier, als wir er­wartet hatten. Könnte es vielleicht etwas anderes sein?“ Jim überflog die Karte und antwortete: „Nun, bringen Sie mir ein­fach von diesem Huhn mit Klößen; hört sich für mich nach Zuhause an. Damit wäre ich zufrieden.“ Wieder räus­perte sich der Kellner und ent­gegnete: „Es tut mir sehr leid, mein Herr, aber sehen Sie, es sind einige Delegationen auf dem Weg zur Fähre hereinge­kommen und sie haben all das Huhn mit den Klößen auf­gegessen. Vielleicht möchten Sie etwas anderes haben?“

Jim schaute plötzlich sehr ernst drein und mit einem Stirnrunzeln sagte er: „Sicher, ich ver­stehe. Nun, dann bringen Sie mir einfach ein gutes, safti­ges Steak mit viel Zwiebeln obendrauf. Das wäre auch noch gut.“ Diesmal ziemlich in Verlegenheit gebracht, sagte der Kellner: „Es ist zu bedauerlich, mein Freund, aber sehen Sie den großen, kor­pu­lenten Reisen­den dort drüben – nun, er hat gerade das letzte Steak geges­sen, das wir hatten. Es tut mir wirklich leid.“ „Also was kön­nen Sie mir denn dann anbieten?“ fragte Jim ziemlich sauer. „Oh, wir können ver­schieden­ste Dosen für Sie aufmachen“, antwortete der Kellner. „Nein, für MICH machen Sie keine Dosen auf!“ ant­wor­te­te der schnell davoneilende Jim, während er Stock und Hut ergriff und sich zur Tür aufmachte, um dahin zu gehen, wo sie etwas anderes als Essen aus der Dose hatten.

Ich stimme vollkommen mit Jim überein, und wie die ­Ges­chich­te von vielen Predigern benutzt wurde, entspricht sie so genau meiner eige­nen Erfahrung, dass  es fast aussieht, als wäre die Illu­stra­tion speziell für mich geschrieben worden. Die­ser Lehrer hatte meinem hungrigen Herzen erzählt, dass es keinen „Truthahn mit Preiselbeersoße“ mehr gab, soweit es die Neugeburt betraf. Ein wirkliches, ech­tes Erlebnis der Wiedergeburt? Nein, das wurde vor langer Zeit auf­ge­­gessen. Und die Taufe des Heiligen Geistes – eine wirkliche Be­gna­dung mit Kraft von oben? Das ist vor langer Zeit von den Jün­gern aufgegessen worden und es gab kein „Huhn mit Klößen“ mehr von dieser Art, um meine bedürftige Seele zu be­frie­digen. Und Christi Macht zu heilen? – Na ja, das war nur, um Christi Amt ein­zuleiten, das war ein saftiges Steak, von dem die frü­hen Jünger jedes klei­ne Überbleibsel aufge­ges­sen hatten, und es war nicht einmal etwas von der Bratensoße übrig geblieben. Und Chri­stus selbst? – Nun, es muss unmissverständlich verstanden werden, dass Er heute nicht derselbe ist, denn sie sagten, Er sei nicht mehr der wunderbare Christus und alles, was von dem großzügigen Festmahl übrig war, das Er in jenen Tagen gegeben hatte, ist ein­fach bloß ein wenig Dosennahrung – Kon­ser­ven, welche die Etiketten des Ratio­na­lis­mus, Formalismus, Moder­nis­­mus usw. tragen; aber die Regale von Gottes Speisekammern sind leer, was irgend­welche wirkliche Kraft und das Feuer des Heiligen Geistes anbe­trifft, irgendwelche wun­derbaren Manifestationen des wunder­vollen Christus, irgend­welche übernatür­lichen Erfahrungen, die das Leben völlig ver­wan­deln wür­den. Kein Wunder, dass einige von uns irgendwel­che Konserven nicht mehr sehen können. Es hat die Seelen so vergiftet und uns abgestoßen­, dass wir nichts mehr damit zu tun haben wollen; nur wirkliche Nahrung wird uns zufrieden stellen. Ganz egal, wie attraktiv das Etikett auf der Dose ist, uns graut davor: nur das Echte wird unsere Seele befrie­digen.

Eine Kirche, in die Jesus nie kam (Dank Gott für all die Erweckungen, die heutzutage überall vor sich gehen)

Es schien, als hätte sich in jener Zeit alles gegen mich gewendet, und die Lektionen, die ich zu lernen hatte, brachten mich an meine äußersten Grenzen. Ich besuchte eine Kirche im Seendistrikt, in der viele meiner Freunde seit Jahren Mitglieder waren. Zu sagen, dass sie kalt und förmlich war, würde nicht einmal ansatzweise die Atmos­phäre dieser großartigen Institu­tion beschreiben. Alles wurde in voll­kommener Sittsamkeit und Ordnung getan, aber man wusste dort von keiner Wärme oder Kraft Gottes; ihre Atmosphäre war geläutert, aber nicht geistig; belehrend, aber nicht inspirierend oder erbauend für die Seele. Der Prediger war ein gewaltiger Red­ner, be­redt und brillant, aber man fühlte sich wie die alte Dame, die nicht verstand, worüber der Prediger sprach, der sich in seinen intellek­tu­ellen Höhenflügen so weit über die Leute erhob, dass sie schließlich ausrief: „Bitte, Herr Prediger, können sie ihre Kekse auf das untere Regalfach legen!“ Ich hörte mir ständig diese intellek­tu­ellen Aus­führungen an, die nichts von wahrem, altherkömmlichem Glauben oder eines lebendi­gen Christus in sich hatten. Ich denke, die Kirche war ganz ähnlich der, in die Sam, der alte Schwarze,­ seit mehreren Monaten ver­suchte aufge­nommen zu werden, aber der Prediger, der seinen Beitritt nicht wollte, ihn aber auch nicht ver­letzen wollte, hatte ihn so oft vertröstet, dass Sam schließlich misstrauisch wur­de. Es dämmerte ihm, dass er nicht er­wünscht war. Der Pastor hatte ihm das letzte Mal, als er ihn sah, gesagt, dass er über die Angelegenheit beten sollte. So rief er eines Tages den Prediger an und sagte: „Ist schon in Ordnung, Herr Prediger, was den Bei­tritt zu Ihrer Kirche anbelangt. Sie brauchen sich nicht mehr darum zu sorgen.“ „Du hast also darüber gebetet, Sam?“ fragte der Prediger. „Ja, Prediger, ich habe darüber gebetet,“ sagte der alte Mann, „und der Herr Jesus hat mir gesagt: ‚Sam, mach dir nichts draus, dass sie dich nicht in ihre Kirche rein las­sen; Ich möchte selbst auch schon seit 20 Jahren dort hin­ein und habe es noch nie geschafft.‘“

Wir lächeln über diese Geschichte, wenn wir sie als einfache Illustration benutzen­, aber ach, was für eine herz­zerreißende Tra­gödie liegt in der Tat­sache, dass in einigen Kirchen jemand jahre­lang jeden Sonntag erscheinen kann und niemals wirk­lich Jesus Christus be­gegnet. Ist es dann ein Wunder, dass eine Frau mit einem hung­rigen Herzen diesen kleinen Vers der Heiligen Schrift auf dem Schreib­tisch eines „modernen“ Pastors liegen ließ: „Sie haben meinen Herrn weg­ge­nommen, und ich weiß nicht, wohin Sie Ihn gelegt haben?“ Dieser Pastor verteilte seine ‚Dosennahrung’ auf die denkbar eleganteste­­­ Art und Weise. Man fühlte sich so in­tel­lek­tuell erhoben, nachdem man eine jener mächtigen Aus­füh­rungen gehört hatte, aber das Herz war hungriger und leerer als vorher.

Unter diesem Einfluss wurde mein armes, verletztes Herz kälter als je zuvor – buchstäblich eingefroren in Formalismus, Rationalis­mus und Moder­nis­mus. Ich wür­de gerne eines Tages zurückkehren und sehen, wie der Grund­satz einer bestimmten alten Frau sich bei jener Kirche auswirken würde. Ihr Name war Martha, und sie mach­­te die allerbeste Eiscreme in der ganzen Gemeinde. Jedes Mal, wenn sie ein geselliges Beisammensein der Kirche, einen Basar oder sonst eine wichtige Angelegenheit hatten, musste Tante Martha ihre Eiscreme machen, denn niemand konnte sie so machen wie sie. Eines Nach­mittags wurde ihr altes Herz hocherfreut über den Besuch einiger der wirk­lichen Aristokraten der Nachbarschaft. Sie schau­kelte hin und her auf ihrer Veranda und unterhielt sich mit ihnen und lächel­te glücklich in ihrer Freude über ihren unerwar­te­ten Besuch, als sich ihre Freude plötzlich in Argwohn verwandelte. Sie entdeckte den wahren Grund für ihren Besuch – sie waren ganz und gar nicht ge­kommen, um sie zu sehen – sie wollten wissen, wie sie ihre Eiscreme machte. „Martha“, sagte die Spre­cherin der Grup­pe, „wir werden von der Kirche aus ein geselli­ges Beisammensein haben und wir wollten her­aus­finden, wie du bloß deine Eis­creme machst; denn es gibt niemanden in der Stadt, der sie so machen kann, wie du.“ „Nu“, antwortete die treue Seele, „isch werd euch sajen, wie jenau isch de Eis­krem machen tu’. Isch nähm de Eier un’n Sugger un’ Sahne un’ Va­nilje-Extrakt un’ denn tu’ isch de’ Deggel d’ruff uf de Kühl­box, un’ wenn et Abend wird, denn tu’ isch de Box uf mene Schulter un’ trajes rübber un’ ställ’s jejen eures Kirsch-Haus da, un’ wenn ich denn z’rückkomm annet annern Morjen, isses so schön jefroren, wie’s nur jeht“. Nun, in dieser Ge­schichte be­schrieb Tantchen genau die Re­aktion, die jene beson­de­re kalte, formale Kirche in meinem armen Herzen hervorrief. Wie wahr ist doch der Vers: „ …du hast den Ruf, dass du lebst, und bist tot.“ (Offenbarung 3:1)

Ja sicher, es gab Kirchen zu jener Zeit, welche die Wärme und Kraft hatten, das wahre Feuer des Heiligen Geistes; du wirst sie in jeder Kon­fession finden, in der Christus erhöht wird, die Her­zen der Menschen gesegnet sind und Leben verwandelt wer­den. Hätte ich solch eine Kirche zu jener Zeit gefunden, wäre diese Geschichte vielleicht nie geschrieben worden.

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Ich schäme mich hier zugeben zu müssen, dass ich in diesem Zustand meines Herzens und meiner Seele, meine Arbeit als Sekretärin für die nationale Arbeit einer der größten missionarischen Organisa­ti­o­nen begann, die damals von der Regie­rung der Vereinigten Staaten unter­stützt wurden. Ich reiste von einem Bundes­staat zum andern, organisierte Kommissionen, sprach auf Massen­kundgebungen und sprach fast jeden Sonn­tag in einer der Kirchen beim morgendlichen Gottes­dienst.* Zu solchen Gelegenheiten benutzte ich immer die Bibel, mein ethi­sches Lehrgebäude, aber ich glaubte nicht mehr an ihre grundsätz­lichen Wahrhei­ten als irgendein Ungläubiger heute an sie glaubt. Ich hatte weder teil an ihren Verheißungen, noch glaubte ich, dass sie wahr seien und man sie anwen­den könne, auch nicht mehr als irgendein Mo­dernist heute an sie glaubt. Ein Zweif­ler auf der Kanzel? Aber ist das heut­zutage wirklich so ungewöhnlich? Es gab eine Zeit, da standen Leute außerhalb der Kirche und zogen die Bibel in den Dreck; heute aber haben wir viele zerstö­re­rische Kritiker, die auf der Kanzel stehen und die heiligsten Lehren, die grund­sätz­li­chsten Aussagen des göttlichen Wortes in den Dreck ziehen. Sicher leben wir in jenen Tagen, von denen Gottes Wort spricht: „Denn es wird eine Zeit sein, in der sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern sich nach ihren eigenen Lüsten selbst Lehrer aussuchen werden, so wie ihnen die Ohren jucken.“ „Diese murren und klagen über ihr Geschick und leben dabei nach ihren Begierden; ihr Mund redet hochtrabende Worte, und sie bewundern Personen, wenn es ihnen Gewinn bringt.“ (2.Timo­theus 4:3; Judas 16)

* Virginia baute Häuser für „gefallene“ Mädchen auf; Mädchen die ledig schwanger und sitzengelassen wurden. Damals waren diese Mädchen solch eine Schande für eine Familie, dass sie aus dem Haus geworfen wurden.

Eine Romanze

9-13Während meiner Arbeit, von der ich sprach, war ich eine zeitlang in Reno, Nevada, und dort traf ich Hjalmer Ema­nuel Berg, meinen späteren Ehemann, der eine so große Rolle in dem wun­der­barsten Er­lebnis spielen sollte, das jemals in meinem Leben geschah. Als meine Arbeit in Reno beendet war, ging ich nach Ogden, Utah, um dort eine begonnene Arbeit zu beenden. Hjalmer beeilte sich, nach Ogden zu kommen, da ich bald weit weg Richtung­ Osten abreisen würde, und dort wurden wir in einer kleinen Methodistenkirche, am Schluss eines Mitt­wochabend Gottes­dienstes, getraut. Hjalmer war ein wunderbarer Sänger, und bald darauf lud uns mein Vater ein, mit ihm auf eine evangeli­stische Rundreise zu gehen, bei der Hjalmer für die Musik zuständig sein sollte. 9-14Angeregt durch die Predigten meines Vaters, meldete sich Hjalmer freiwillig zum Predigeramt, während dieser Zeit der Erweckung. Er hatte seit seiner Kindheit einen ernst­haften Glauben an das Wort Gottes gehabt und hatte, aus einer stark christlichen Um­­ge­bung kommend, einen festen Glauben an Jesus Christus als Erretter be­wahrt. Mein Ehe­mann kannte meine religiöse Überzeugung nicht, als er mich heiratete und ahnte nichts von dem Un­glau­ben, der in meinem Herzen war. Tatsächlich erzählte ich nie jemandem von den Zwei­feln, die geradezu ein Teil meiner Existenz geworden waren und meine gesamten Ansichten über das Leben verändert hatten.

Ich bin so froh, dass ich meinem Unglauben nicht Luft machte. Nicht ein Hauch davon verdarb jemals ein einziges Leben, und der Dank dafür gebührt meinem Vater, den ich oft in ungefähr diesem Wortlaut sagen hörte: „Wenn du Zweifel hast, behalte sie für dich selbst; werde kein Stolper­stein für je­mand anderen. Es ist schlimm genug, selbst in die Hölle der Zweifel zu fallen, ohne jemand anderem zum Stolpern zu bringen und mit hinunterzuziehen.“ Es war mir bewusst, dass ich im Leben etwas verloren hatte, so dass die ganze Welt anders aussah; eine zuverlässige Kraft und einen mäßigenden Einfluss, dessen Platz nichts jemals einnehmen konnte. Und obwohl ich es nie in Worten ausdrückte, war dieser Gedanke dort in meinem Herzen: „Ich werde nie irgendjemandem diesen Glauben wegnehmen, denn ich habe nichts, was ich ihm stattdessen geben könnte.“

Hjalmer entschloss sich, zur Darke-Uni­ver­sität in Des Moines, Iowa, zu gehen, um für das Pastorenamt zu studieren. Und dort, in einem glücklichen, kleinen Heim, erlebte ich wieder die Freuden des häuslichen Lebens. Ich hatte so sehr im Glanz des öffentlichen Lebens gestanden, dass ich genug davon hatte; es war so erholsam, an einem stillen Fleck­chen verborgen zu sein; nachmittags allein, um zu lesen und auszuruhen; stille Abende zu Hause im behag­li­chen Sessel neben der Lampe, zu nähen, zu lesen, mit meinem Gefährten zu reden und manchmal ein wenig Musik zu hören. Ich hoffte, es würde immer so weitergehen. Niemals wollte ich eine Büh­ne, eine Kanzel, das Rampenlicht, den Glanz, die Bekanntma­chungen oder den Werbe­rummel je wieder sehen. Das alles lag in der Vergangenheit. Ihr seht, die Arbeit, die ich im Dienste anderer getan hatte, hatte ich nicht im Geiste Christi oder zu Seiner Ehre getan, son­dern oft mit einem selbst­süch­tigen Motiv, um als guter Mensch dazustehen und anderen per­sön­lichen Beweggründen. Darum lag keine wirkliche Freude darin oder irgend­welche bleibende Be­frie­digung; so wurde der Geschmack dessen bitter in meinem Munde. Darum würde ich in Zukunft für mich selber leben, für den Rest meines Lebens allein (außer meiner Fa­milie natürlich), still und in der Verborgenheit. Aber Gott hatte es anders angeordnet; Er hatte Seine Hand auf meinem Leben. Mein ganzes Leben war auf den Dienst für Ihn hin ausgerichtet, vor­bereitet und dafür aus­gebildet worden; nicht nur in meinen frühen Tagen unter meinem ungewöhnlichen Vater, sondern auch durch meine Schul­bildung und dann durch die prak­tische Erfahrung in der missiona­rischen Arbeit, von der ich ge­sprochen habe. Und der Herr hatte nicht die Absicht, einen Solda­ten aus Seinen Reihen zu ver­lieren, sondern wollte das Material, das Er zur Hand hatte, nehmen und einen besseren Soldaten dar­aus 9-15machen. Die Bibel sagt: „Und der Topf, den er aus dem Ton machte, missriet ihm unter den Hän­den. Da machte er einen anderen Topf daraus, wie es ihm gefiel.“ (Jeremia 18:4)

So zerbrach Gott mein Leben, damit Er es wieder neu machen konnte. Genau wie den Urvater Jakob muss Gott einige zum Krüppel machen, um sie zu krönen; sie zer­mal­men, um sie von neuem zu erschaffen. (Sieh 1.Mose 32:24-30)

Ich ließ mir kaum an jenen stillen Abenden träu­men, als ich im Lichte der Lampe saß und nähte, dass Gott sicher, unaufhaltsam hinter den Kulissen wirkte und die Bühne meines Lebens für einen neuen Abschnitt und für Veränderungen vorbereitete, wie ich sie mir nicht hätte vorstellen können. Selbst­süchtig plante ich den kom­menden Tag und die kom­menden Jahre – was ich erwählte, was ich wollte; nicht was Gott wählte, nicht was Er wollte. Ich war völlig zufrieden – auf eine welt­liche Art glücklich, aber allezeit war tief unten in den Tiefen meines Daseins jene schmerzende Leere, der bodenlose Abgrund des unersättlichen Verlangens, das immer in einem Herzen ist, das nicht Christus hat, der es füllt. Aber für den Moment war jede Leere überdeckt mit einem neu gefundenen Glück, denn eine große Freude war in mein Leben gekommen; eine süße Erwartung. Bald würden kleine Füßchen im Hause umher rennen und kindliches Plappern würde mir durch die Zimmer fol­gen. Ich konnte kaum noch war­ten. Ich machte jedes einzelne der kleinen Kleidungsstücke mit meinen eigenen Händen; keine Maschine sollte damit in Berührung kommen. Das Baby­körb­chen stand in einer Ecke bei der Treppe; wie ein Thron sah es aus, wie es da oben auf einem Tisch stand, außer dass es ganz flau­schig und weiß und mit babyrosa Bändern durchwebt war. Schließ­­lich waren alle Vorbereitungen getroffen.

Anstatt an jenen letzten Aben­den beim Licht der Lampe zu nähen, las ich mit klop­fen­dem Her­zen, wie man für das neugeborene Leben sorgt und von den wunder­baren Gele­genheiten und der Verantwortung der Mutterschaft. Ich kann mich so gut erinnern, wie ich darum kämpfte, über jeden Gedanken zu wachen und versuchte, an das Edelste, Höchste und Reinste zu denken; damit ich in keiner Weise das kleine Leben verletzen würde, das uns bald gehören sollte. Alles war fertig; sogar das Haus war in Ordnung gebracht. So still, so friedlich waren jene Tage des Wartens! Ich ahnte nicht, dass mir eine schwe­re Tra­gö­die auf den Fersen war; dass gerade um die Ecke unsag­bares Leiden, Enttäuschung, Seelen­angst war – Tausend­fa­ch vermehrt. Wie selt­sam sind Gottes Wege, aber wie wun­der­bar!  Wie barm­herzig, dass wir den Vorhang nicht beiseite ziehen können, der die Zukunft verhüllt! Sein Wort sagt: Nun zu euch, die ihr sagt: „Heute oder morgen wollen wir in die und die Stadt ziehen. Wir werden ein Jahr dort bleiben, Geschäfte machen und Geld verdienen.“ Ihr wisst doch nicht einmal, was morgen sein wird. Was ist denn euer Leben? Es ist nur ein Dampf, der kurze Zeit sichtbar ist und dann verschwindet.“ (Jakobus 4:13,14)

(Das, was auf diese Tage der Erwartung folgte, habe ich euch schon in den ersten Kapiteln dieser Geschichte erzählt: von jenem wun­der­­schönen Weih­nachtsmorgen und dem Unfall, der dann ge­schah.)

Dunkelheit und Ver­zweif­lung

Dies waren also die Erinnerungen, die das Ge­dächtnis zurück­brach­te und vor mir abspielte, wäh­rend ich vor allem am Ende nur noch völlig hilflos und still lag (Anmerkung in den 5 Jahren ging es ihr nach der Operation eine Zeitlang so viel besser, dass sie in einem Rollstuhl sitzen konnte), die Tage sich mühsam dahin schleppten und sich der langen Prozession der vergangenen Tage anschlossen, die sich in Jahre ausdehnten – Jahre solcher Seelen­angst, dass Worte sie nicht beschreiben kön­nen. Schmer­zens­stiche, die den geschwächten Körper zerrissen und quälten wechselten manchmal mit dumpfem Dauer­schmerz, während die Nerven bebten und brannten wie Feuer­flam­men; dann wieder ein nach Atem ringen, erstickend, würgend, während eine große Hand das schon wunde, schwache Herz zu packen und zu zer­quetschen schien, bis jeder Schlag unvoll­ständig und zögernd kam; dann Krämpfe, während sich Arme und Glieder zusammenzogen und sich ver­krampften, bis der zerbrechliche Körper den Todes­kampf nicht länger ertragen konnte und das fie­bern­de Gehirn er­schöpft in will­kommene Bewusstlosigkeit sank; Bewusstlosigkeit, bis die zer­schlagenen Kräfte wieder ein wenig Stärke gesammelt hatten und sich zu neuen Schlachten des Todeskampfes schleppten. Injektions­na­deln waren stets da: Betäubungs- Schmerz- und Aufputsch­mit­tel – bis schließlich die winzige Flamme des Lebens so schwach brann­te, dass sie auf keines von ihnen mehr ansprach und es schien, dass ein bloßer Atemzug sie ausblasen könnte. Aber Gott wachte über diese winzige 9-16Flamme, beschirmte sie mit Seiner Hand – und bereitete Seine eigenen Ab­sichten vor, und es war nicht Sein Wille, dass ihr Flackern aufhören sollte. Ein Krankenhaus nach dem anderen; Sanatorien; lange Reisen auf Bahren, wäh­rend sich die Hoff­nung an einen neuen Strohhalm klammerte; ein Arzt nach dem andern, (wie freundlich sie waren, wie aufopferungsvoll, wie sehr sie ver­such­ten – Gott segne sie!), aber jeder gab die gleiche Ant­wort: „Dieser Fall geht über die Möglich­keiten menschlicher Hilfe hinaus“; „Es tut mir leid – es gibt nichts mehr, was ich tun kann, außer es ihr angenehm zu machen, bis das Ende kommt.“

„An­genehm?“, das war das Eine, das anscheinend niemand mir zu geben vermochte. Nun, selbst die Gum­mi­kissen, auf denen mein armer, zerbrochener Rücken ruhte, schienen zeitweise wie Felsen zu sein. Wie ermüdend die Tage waren – aber ach, wie lang die Nächte! Sicher war die Schriftstelle in meinem Fall wahr geworden: Am Morgen wirst du sagen: ‚Ach dass es Abend wäre!’, und am Abend wirst du sagen: ‚Ach dass es Morgen wäre!’, vor Furcht deines Herzens, die dich schrecken wird, und vor dem, was du mit deinen Augen sehen wirst. (5. Mose 28:67) Die langen Nächte hindurch konnte ich nur das sanfte Trip-Trab der Füße der Krankenschwester im Gang hören und während mich 9-18Einsamkeit und Verzweiflung befielen, senkte sich eine Dunkelheit auf mein Herz, schwär­zer als die Nacht, und mich verlangte zu sterben; aber kaum hatte ich diesen Gedanken ge­dacht, schrie ich: „Nein, nein; ich kann nicht  sterben – ich habe Angst zu sterben“, und eine schreck­liche Todes­furcht kam über mich, wie schon Hunderte Male zuvor. Angst zu sterben? Schreck­liche Angst – und dem Tode nahe! Ein Sprung ins Unge­wisse? Ja ­und das allein! Kann die menschliche Sprache die Tiefen menschlichen Leidens aus­drücken? Meine vermag es nicht. Kann jemand, der Tod, Hölle und gespensti­sche Angst geschmeckt hat, zurückkom­men und mit bloßen Worten ausdrücken, wo hindurch er ­ge­gan­gen ist? Ich kann es nicht, Gott allein weiß es; mögest du es NIE KENNEN!

Das Ende des Pfades

In einem althergebrachten Pfarrhaus in Nord-Kali­fornien kam ich zum Ende meines Pfades, zum Ende des Hilfesuchens, zum Ende der Hilfs­mittel, zum Ende jeglicher Hilfe. Während jener letzten paar Monaten war ich dem Tode näher als dem Leben, öfters bewusstlos als bei Bewusstsein – es war das Ende. Ich hatte die Grenze des Er­träg­­li­chen 9-19erreicht, als Hjalmer eines Tages eilig in mein Zim­mer trat und, an meinem Bett kniend, mit einer selt­samen, glücklichen Stimme sagte: „Ich habe gerade eine wun­der­bare Entdeckung ge­macht.“ „Ja?“ flü­ster­­te ich;  zu schwach, um sehr interessiert zu sein. „Ich habe entdeckt“, sagte er, „dass Jesus Christus derselbe ist – gestern, heute und in Ewigkeit!“ Es war nicht das was er sagte, das mich interes­sierte, sondern seine aufgeregte, ernst­hafte Art. Er schien tief bewegt zu sein und ich hörte mir neugierig an, was er mir sagte. „Erinnerst du dich an ein kleines Buch, das ich vor einiger Zeit der Kranken­schwester gab, damit sie es dir vorliest? Ein kleines Buch über Ant­worten auf Gebete? (Es war ein Buch von A.B. Simpson, einem Pres­byter-­Priester und es er­zählte davon, wie wunderbar Gott bei ihm ge­wirkt hatte, als er ernstlich krank war und wie er auf übernatürliche Weise geheilt wurde. Siehe An­mer­kung am Ende dieses Kapi­tels.) Erinnerst9-20 du dich, wie du der Kranken­schwe­ster nach den ersten Kapi­teln verboten hast, noch mehr davon zu lesen, denn du sagtest, es wäre ‚der äußerste Fanatismus und dass jeder ein Narr sei, der solches Zeug glau­be?‘ Nun, ich glaube es, jedes Wort davon – und ich habe all die Schrift­stellen nachgeschlagen, auf die er sich bezieht, die Ver­heißun­gen, die er in Anspruch nahm, als er seine wunderbaren Antworten auf Gebete erhielt und ich bin endgültig zu der Schlussfolgerung gekommen, dass jene Ver­heißun­gen für uns heute gelten; sie sind real, und Gott meint genau das, was Er sagte und wenn wir Ihm wirklich glauben, wird Er Sein Wort halten und uns unsere Herzenswünsche erfüllen. Ich habe ein paar Tage damit verbracht, die Ver­heißungen in meiner Bibel anzustreichen und alles darüber zu studieren, und ich kann nichts finden, wo irgendeine von ihnen wider­rufen worden ist; sie gelten für uns heute genauso wie für jene Menschen damals, in bibli­schen Zeiten – und noch besser: Christus hat sich nie geändert: Er ist genau der­selbe, wie Er damals war; die gleiche Liebe, das gleiche Erbarmen, die gleiche Kraft: ‚Jesus Christus, HEUTE und derselbe auch IN EWIGKEIT‘, sagt die Bi­bel. Oh, es ist wunderbar, und ich kann nicht verstehen, warum ich es nicht alles vorher gesehen habe.“

Ich staunte über seine Ernsthaftigkeit, denn er war tief bewegt. Sein Gesicht glühte, seine Augen leuchteten, und sein Benehmen war das eines Menschen, der außer sich vor Freude ist über eine wun­derbare Entdeckung.

9-21

Aber ich war kaum an dem in­teressiert, was er sagte. In der Tat schien es mir, als machte er viel Aufhebens um nichts. Gott hatte auf wunderbare Weise neues Licht in sein Herz gebracht, seinen Verstand geöffnet und ihm Sein Wort erhellt; aber bei mir war das nicht der Fall. In der Bibel wird es so beschrieben: „in ihrem Verstand ist es finster, weil sie vom Leben mit Gott ausgeschlossen sind. Das kommt von der Unwissenheit, in der sie befangen sind, und von ihrem verstockten Herzen.“ (Epheser 4:18) Diese Schriftstelle hät­te wahr­­­haftig für mich ge­schrieben sein können, denn ich hatte über­haupt keinen Glauben in das, was er sagte; tatsächlich fürchtete ich fast, dass er in eine Art Fanatis­mus hineinschlitterte. Aber Hjalmer war nicht so leicht zu entmutigen; es war solch ein lebendiger, kraft­vol­ler Glaube in sein Herz gekommen, dass er unbedingt meinerseits eine völlige Veränderung des Herzens und volle Genesung mei­nes geschundenen Körpers sehen wollte.

 

Ich kann wahrhaftig sagen, dass er Tag und Nacht betete – oft Stun­de um Stunde. Ich kann ihn jetzt noch sehen, wie er betend neben meinem Bett kniete und dann einige der alten Glau­benshym­nen sang. Er pflegte eine gewisse Zeit zu beten und sang dann eine Weile, dann zitierte er mir die Ver­heißungen der Schrift. Tag und Nacht bemühte er sich, meinem Herzen den gleichen Glau­ben, das glei­che Licht und die gleiche Gewissheit zu bringen; alles was in seines hinein­­­geflutet war.

Ich kann mich so gut daran erinnern, wie ich über seine Ernsthaftigkeit staunte – an die Intensi­tät, mit der er ausharrte und betete. Sicherlich war hier solch ein Fall, von welchem die Schrift spricht, nämlich von unerschütterlichen Menschen des Glaubens, die „das Himmelreich mit Gewalt an sich reißen.“ (Matthäus 11:12)

9-22

Wenn ich jetzt zurückschaue, kann ich nicht verstehen, wie sein Körper jemals die Anstrengung ertrug. Viele Male, wenn ich in den frühen Morgen­stunden erwachte als die ersten Sonnen­strah­len gerade über die Gipfel jener kali­fornischen Anhöhen krochen, sah ich ihn dort, immer noch auf seinen Knien, manchmal mit him­­mel­wärts gestreckten Händen, dann wieder mit dem Kopf aufs Bett gebeugt. Es tat meinem Herzen weh, denn es war alles so hoff­nungs­los für mich, und ich fürchtete die Ent­täuschung und Ent­mu­tigung, die, wie ich dachte, eines Tages für ihn kommen würde. Für mich waren die Himmel ehern und die Stunden des Kniens und die Nächte verlore­nen Schlafes schienen so nutzlos. Aber wie wahr ist jener wunderba­re Vers: „Das Gebet eines gerechten Menschen hat große Macht und kann viel bewirken (wenn es ernsthaft ist). (Jakobus 5:16) Und bald rührte sich dort in mei­nem Herzen eine win­zige Flamme der Hoffnung – so klein, dass es kaum der Rede wert war, aber ich hörte seinem Beten, Lesen und Überreden mit mehr Interesse und Offenheit meines Herzens zu. Er markierte in einer alten Bibel von mir die besten der Verheißungen und nannte sie „Trittsteine des Glaubens“. Diese brachte er mir geduldig bei; da ich nicht lesen konnte, las er sie mir immer wieder vor und bestand darauf, dass ich sie auswendig lernen müsse. Das gleiche war mit einigen der alten Glaubenshymnen; er selbst hatte sie auswendig gelernt, und er sang Vers um Vers aus­wendig, während er neben meinem Bett kniete. Ich sagte ihm einmal, dass ich dachte, er könne „Welch fester Grund“ rückwärts singen. Welch kostbare alther­ge­brachte Hymne! Sie ist mir heute so sehr ans Herz gewach­sen, wegen der damit ver­bun­denen Erinnerungen. Jedes Mal wenn ich sie höre, fällt mir jene Szene wieder ein.

Ihr Heiligen des Herrn, welch’ gar fester und stetiger Grund
Ist bereitet eurem Glauben durch treffliche Worte von Seinem Mund
Was kann Er noch sagen, als was Er sagte in vergangener Zeit
Euch, die ihr zum Schutze zu Jesus geflohen seid.
So Ich dir gebiete, durch tiefe Wasser musst du gehen,
Sollst du vor überflutenden Leidensströmen niemals stehen
Um die Pfade von dir zu segnen, werd’ stets Ich dich begleiten
Aus äußerster Not von dir werd’ Heil Ich dir bereiten.
Die Seele, die zu erholen sich an Jesus hat gelehnt,
Werd ich nicht, nein niemals seinen Feinden übergeben.
Diese Seele, obgleich die Hölle möchte nach ihrer Erschütterung streben,
Werd’ ich nicht, nein nimmer und niemals je aufgeben.

Genauso ist’s mit dem schönen Lied: „Ich stehe auf den Ver­heißungen Christi, meines Königs.“ In jenen Tagen, als der Kampf hart wurde für diesen kost­baren Mann Gottes, der diese Schlacht des Glaubens kämpfte, ging er umher und sang – und wie nur er es singen konnte!

Auf die Verheißungen Christi, meines Königs, stell’ ich mich
Lasst Lob und Preis für Ihn erklingen immer und ewiglich.
Herrlichkeit dem Höchsten, so jauchze und singe ich,
Ich stehe auf den Verheißungen von Gott.
(Refrain:)
Ich stehe, ich stehe, ich steh’ auf den Verheißungen von Gott, meinem Retter,
Ich stehe, ich stehe, ich steh’ auf den Verheißungen von Gott.

Als ich manchmal dieser Welt zu entgleiten schien und es aus­sah, als ob seine Gebete und Be­mühungen alle umsonst gewesen seien, trug er einen Kampf aus, so real wie irgendein Soldat ihn jemals auf dem Schlachtfeld gekämpft hatte, während er über mir stand und Verheißungen zitierte, und sie auf die gleiche Weise und mit der gleichen Ernst­haftigkeit benutzte, mit der ein Soldat ein Schwert schwingen würde, um den Feind zurückzuschlagen. Für meinen armen, dumpfen Verstand schien es manch­mal, dass er eine furcht­bare Schlacht gegen unsicht­bare Legionen focht. Und in der Tat, so war es, denn ich kann jetzt verstehen, dass die Mäch­te der Dun­kel­heit auch um mein Leben kämpften. Bevor ich in Bewusstlosigkeit versank, hörte ich ihn noch sagen: „Es ist Dein Wort, Herr, und es kann nicht versa­gen; dies sind Deine Verheißungen und ich halte mich an sie und ich erwarte, dass Du Dein Wort hältst.“ Die Heilige Schrift spricht von dem „Kampf des Glaubens“. Darin heißt es: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens“ (1.Timotheus 6:12), das kleine Schlaf­zimmer in jenem alten Pfarrhaus in Kalifornien war unbe­streit­bar ein wirk­­liches Schlachtfeld und der Mann, der den Kampf bestritt, hatte nicht die Absicht aufzugeben.

ANMERKUNG: Es folgen einige Zitate von A.B. Simpson, dessen Buch der Herr so sehr zu unserem Segen benutzt hat. Sein Glaubensleben ist Tausenden zur Inspi­ra­tion ge­worden.

„Der Mensch ist von zweiseitiger Natur. Er ist sowohl ein körperliches, als auch ein gei­stiges Wesen. Und beide Anteile sind gleichermaßen durch den Sün­den­fall beein­trächtigt worden: Sein Körper ist der Krankheit ausgesetzt, seine Seele ist verdorben durch Sünde. Wie segensreich ist es demnach, herauszu­fin­den, dass der vollständige Plan der Erlösung beide Anteile einschließt und sowohl die Wiederherstellung des geistigen, wie auch die Erneuerung des körper­lichen Lebens vorsieht! Der Erlöser erscheint unter den Menschen mit dar­gereichter, helfender Hand­, unser Elend und unsere Not zu lindern und bietet sowohl Er­ret­tung als auch Heilung.  Er bietet sich uns selbst an – als Retter bis zum Äußersten: Sein inne­woh­nen­der Geist das Leben für unseren Geist; Sein Auferstehungs­körper das Leben für unser sterbliches Fleisch. Er beginnt Seinen Dienst, indem Er alle heilt, die der Heilung bedürfen; Er vollendet ihn, indem Er am Kreuz eine völlige Wie­der­gutmachung unserer Sünden vollbringt und dann, auf der anderen Seite des offenen Grabes, geht Er in den Himmel ein und hinter­lässt uns den doppelten Auftrag für „die ganze Welt“) und „alle Tage bis an das Ende der Welt“: Geht in die ganze Welt und verkündet allen Menschen die gute Botschaft (Evangelium). Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden. Wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. Und diese Zeichen werden die begleiten, die glauben: Sie werden in meinem Namen Dämonen austreiben … Sie werden Kranken die Hände auflegen und sie heilen.“ (Markus 16:15-18) Dies war „der Glaube, der ein für alle Mal den Heiligen übergeben ist.“

Was ist daraus geworden? Warum wird er nicht mehr weltweit gelehrt und nicht mehr verwirklicht? Verschwand er mit der Zeit der Apostel? Wurde er auf­ge­hoben als Petrus, Paulus und Johannes weggenommen wurden? Auf keinen Fall! Er blieb in der Kirche über Jahr­hunderte hinweg und verschwand erst, als sie immer mehr in Welt­lich­keit, Korruption, Formalismus und Unglauben hineinwuchs.

Mit einem wiederbelebten Glauben, mit einem vertieften, geistigen Leben, mit einem genaueren und schriftgemäßeren Anerkennen des Heiligen Geistes und des lebenden Christus und mit dem Nahen der Wiederkunft des Meisters selbst, beginnt diese gesegnete, gute Botschaft der körperlichen Erlösung, wieder ihren angestammten Platz einzunehmen; die Kirche ist langsam dabei, zu lernen, wieder zu ge­winnen, was sie nie hätte verlieren sollen. Aber gleichzeitig sieht man auch solch einen Geist konservativen Unglau­bens und kalten, traditionellen, theologischen Rationa­lismus offenbart, dass wir notwendigerweise ernsthaft „für den Glauben kämpfen“ müssen, „der ein für alle Mal den Heiligen übergeben ist“.

Die Ursachen von Krankheit und Leiden können deutlich auf den Sündenfall und auf den sündigen Zustand des Menschen zurückverfolgt werden. Falls Krankheit Teil der natür­lichen Veranlagung der Dinge wäre, könnten wir ihr ganz entgegentre­ten und das mit natürlichen Mitteln. Aber wenn sie ein Teil des Fluches der Sünde ist, muss sie ihr wahres Heilmittel in der Erlösung haben. Dass Krankheit das Ergebnis des Sündenfalles und eine der Früchte der Sünde ist, kann niemand ernsthaft in Frage stellen. Der Tod, wird uns gesagt, ist zu allen gekommen, „denn alle haben gesündigt“ (Römer 3:23) und das Größere schließt das Ge­ringere mit ein.

Wenn Krankheit das Ergebnis geistigen Verursachens ist, ist es vollkommen klar, dass ihr mit einer höheren, geistigen Macht begegnet und widerstanden wer­den muss und nicht mit bloßer natürlicher Behandlung. Und wiederum – in der grundlegenden Annahme, dass Krankheit eine göttliche Erziehung und Züch­ti­gung ist –  ist es umso einleuchtender, dass ihre Beseitigung nicht durch mecha­ni­sche oder phy­sische Mittel, sondern durch geistige Kanäle kommen muss.“

[Anmerkung: Viele Ursachen von Krankheiten sind heutzutage eine schlechte Lebens- und Essgewohnheit und muss in solch einem Fall mit einer entsprechenden Umstellung in der Heilung (Beseitigung von Sünde) mit einbezogen werden.]

(Aus: „Das Evangelium von der Heilung.“ von Dr. A. B. Simpson, Gründer der „Christ­lichen und Missionarischen Allianz.“)

Das Licht bricht herein

9-23Als ich eines Abends allein gelassen wurde, denn Hjalmer war weg um einige Krankenbesuche zu machen und die Kranken­schwester hatte in der Küche zu tun, kam in mein Herz plötzlich ein tiefes Verlangen – ich fühlte mich getrieben, laut zu einer unsicht­baren Kraft um Hilfe zu rufen: ich konnte meine Stimme nicht über ein Flüstern hinaus erheben, also flehte ich in ernst­haf­tem Flüster­ton: „Wenn es MÖGLICH ist, dass es dort draußen irgend­wo einen Gott gibt, dann offenbare Dich mir selbst! Falls Du dort bist, dann hast Du gehört, was mein Mann sagt und wie er betet und Du kannst Dich mir selbst offen­baren.“ Ich schien von einer Macht außerhalb meiner Selbst getrieben zu sein, zu rufen und immer wieder zu rufen und so wieder­holte ich immer wie­der: „Wenn Du da bist, bitte, oh, bitte, um der Barmherzigkeit willen, offenbare Dich mir.“ Wie eine Antwort auf mein Flehen kam ein tiefes Schuld­­gefühl der Sünde über mein Herz: ich fühlte mich, als ob ich der schlimmste aller Sünder sei. Dies war ungewöhnlich, aus dem einfachen Grund, dass ich immer ziemlich selbstgerecht gewe­sen war; ich hatte ein sehr moralisches Leben ge­führt und war sehr stolz darauf – sehr selbst­zu­frie­den. Wann immer ich auf mein vergange­nes Leben zu­rück­schaute und mich an die Missionsarbeit erinnerte, die ich getan hatte, war ich mit mir selbst sehr zu­frieden, denn hatte ich nicht oft mein Leben in einer Art von rettendem Dienst riskiert? Sogar als ich bis dicht an die Tore des Todes ge­kommen war und eine große Angst über mein Herz kam, rief ich jene Jahre aufopferungs­vol­len Dienstes zurück und fand große Befriedigung in dem Ge­dan­ken daran: aber JETZT sahen sie für mich wie „schmut­zi­ge Kleider“ aus: „Wir alle sind von Unrecht befleckt, selbst unsere gerechten Taten sind besudelt wie ein schmutziges Gewand (wie ein von der Monatsregel beflecktes Kleid, was ja auch stinkt).“ (Jesaja 64:5)

Es war, als ob meine Augen plötz­lich geöffnet worden waren, und ich sah mich zum ersten Mal in meinem Leben in meinem wah­ren Zustand – meine ver­gan­genen Werke erschie­nen wie nichts. Mein Dienst war nicht für Ihn gewesen, noch war mein Motiv, dass Er darin verherrlicht würde. Die Last meiner Sünde und meines Selbst wuchs, bis sie größer schien, als ich es 99-24ertragen konnte und schließ­lich fing ich an zu weinen.

Ich wünschte, ich könnte genau erzählen, was damals in mei­nem Herzen vorging, aber es ist völlig unmöglich. Die Wiedergeburt ist ein ge­heimnisvolles, übernatürliches Werk, das vom Herrn selbst getan wird, und ich kann nie­man­dem erzäh­len, wie Er es tat, aber Er ver­änderte mein Herz völlig! An jenem Abend, als ich dort allein auf meinem Bett lag, wurde ich wieder­geboren, als End­er­gebnis treuen, gläubigen Gebetes. Es hört sich so einfach an, so banal, einfach zu sagen: „Ich wurde verändert. Ich wurde wiederge­boren“, doch ich würde das Wunder des Wirkens Gottes und die wun­der­­bare Ver­wand­lung, die an jenem Abend statt­fand, schmä­lern, wenn ich den Versuch unternehmen würde, es bis ins Kleinste zu beschrei­ben. Ich kann nur mit dem blinden Mann, den Jesus heilte sagen: „…eines weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann!“ (Johannes 9:25) Jesus sagte zu Niko­de­mus: „Der Wind weht, wo er will. Du hörst ihn zwar, aber du kannst nicht sagen, woher er kommt oder wohin er geht. So kannst du auch nicht erklären, wie die Menschen aus dem Geist geboren werden.“ (Johannes 3:8)

Ich war nicht länger allein, denn ich fühlte Seine Gegenwart in jenem Zimmer so wirklichkeitsnah, als ob ein Mitglied der Familie bei meinem Krankenbett gestanden hätte, und ich sprach zu Ihm so na­türlich, wie ein kleines Kind zu den Eltern spricht. Ich er­zählte Ihm alles und ich wusste, Er hörte und verstand, denn ein süßer, unaussprechlicher, über jedes Verstehen hinausgehender Friede und eine kühle Ruhe waren über meinen geplagten Geist gekommen. Ich hatte keine Vision gesehen, keine Stimme gehört und auch auf keine andere Wei­se irgendetwas mit den natürlichen Sinnen vernommen, sondern hatte eine „stille, sanfte Stimme“ (1.Könige 19:12) in meinem Herzen gehört und war in solch einen wirk­lichkeitsnahen, persön­li­chen Kontakt mit Ihm gekommen, dass ich wahrhaftig sagen konnte: „ich weiß ja, wem ich geglaubt habe, und ich bin überzeugt, dass er die Macht hat, das mir anvertraute Gut bis zum Tag seines Kommens sicher zu verwahren.“ (2.Timotheus 1:12)

come-pleading

All mein Unglaube war geflohen – Gott war tat­sächlich real, und ich war „eine neue Schöpfung in Christus Jesus“ (2.Korinther 5:17) – „Das Licht war hereingebrochen!“

Die Bank des Himmels

Gott sei Dank für einen Menschen, der gewillt war, im Gebet aus­zu­harren, bis Gott die Antwort schick­te! Aber selbst mit diesem wun­der­baren Sieg war mein Mann nicht zufrieden; er wollte nicht nur meine Seele gerettet sehen, sondern auch mein Leben. Ich brauchte ihm nicht von der Veränderung er­zählen, die eingetreten war, denn es war leicht für ihn, sie zu se­hen, aber nachdem wir darüber gere­det hat­ten, sagte er zuver­sicht­lich: „Jetzt wird der Herr auch deine Gesundheit wieder herstellen und dich von diesem Bett aufrich­ten.“ „Du meinst, Er wird mich heilen?“ fragte ich, denn obwohl Chri­stus für mich so real geworden war, ging die Idee, dass Er heute irgendwelche Wunder tun könnte, doch über meine Vor­stellungs­kraft hinaus; ich sah wirk­lich nicht, wie so etwas möglich sein konn­te. Sicherlich waren die Wunder von Christus nur gewe­sen, um die Dispensation des Evangeliums einzuführen – es war einfach unmöglich, dass solche Dinge heute geschehen könn­ten; es war für mich beinahe unbegreif­lich. Ich dachte zurück und ver­such­te, mich zu erinnern, ob ich jemals irgendje­manden getroffen hatte, der behauptet hatte, dass Gott mit Sicherheit so etwas für ihn getan hatte; doch soweit ich mich erinnerte, konnte ich mich an nichts Derartiges erinnern.

Natürlich hatte ich etwas über die neuen Heilungskulte erfahren­, aber einfach eine Verheißung von Gottes Wort zu nehmen und völlig darauf zu vertrauen, dass Er sie erfüllte, war etwas, das mir völlig fremd war. Ja, ich hatte durch die Gebete meines Mannes für mich eine echte Demon­stra­tion der Inan­spruchnahme von Gottes Verheißun­gen gesehen – und das in meinem eigenen Zimmer – deren Ergebnis die Ver­än­de­rung meines eigenen Herzens gewesen war. Sicher, er hatte die Verheißun­gen Gottes in Anspruch genommen und Gott hatte ge­hört und geantwortet, aber konnte es sein, dass jene Ver­heißungen in JEDEM Fall genauso wirklich und auf ALLE Dinge anwend­bar waren? Brauchte ich bloß meinen Namen unter eine Verheißung zu setzen und sie in der Bank des Himmels einzulösen? War es wirklich möglich, dass sogar die Gesund­heit wiederhergestellt werden konnte, indem man eine jener Verheißungen für sich in Anspruch nahm und auf sich anwandte? Es schien unmöglich, dass der Herr uns solch ein Privileg gegeben haben könnte, uns solche Macht anver­traut hatte.

Ich werde jenen Tag nie vergessen, als es in meinem Bewusstsein däm­merte, dass es Realität, eine TATSA­CHE ist, dass die Ver­hei­ßungen der Bibel anwendbar sind; dass sie tatsächlich für meine täglichen Bedürfnisse angewandt werden konnten. Dies war eine Offenbarung für mich. Ich verstand jetzt, was Hjalmer meinte und warum er an jenem Tage so glück­lich ausge­sehen hatte, als er in mein Zimmer kam und sagte: „Ich habe gerade eine große Entdeckung gemacht.“ Jetzt konnte ich es verstehen, denn ich hatte selbst jene Ent­de­ckung gemacht. Ich wusste jetzt, dass Gott genau das meinte, was Er in den zahl­reichen Verheißungen versprochen hatte, die in Seinem Wort wiedergegeben waren und dass Er jede einzelne von ihnen buchstäblich erfüllen würde, wenn die Hand des Glaubens sich danach ausstreckte und sie mit Bestimmtheit für sich in Anspruch nehmen würde. Gottes Wort sagt: „Und durch dieselbe mächtige Kraft hat er uns seine kostbaren und größten Zusagen geschenkt. Er hat versprochen, dass ihr Anteil an seiner göttlichen Natur haben werdet, denn ihr seid dem Verderben dieser verführerischen Welt entflohen.“ (2.Petrus 1:4)

Im Grunde ist es also eine sehr ernste Sache, die Verheißungen Gottes zu übersehen oder sie nicht wichtig zu nehmen, denn durch jene werden wir „der göttlichen Natur teilhaftig werden“. Ich hätte mich nie getraut, eine Verheißung zu nehmen und mich damit auf die Äste hin­aus­zu­­wa­gen, in der Erwartung, dass Gott mir wirklich entgegen­kom­men würde, denn in meiner begrenzten Glaubenserfahrung waren sie nur schöne Schriftsprache und niemals dafür vorgesehen, dass man sie ernst nahm oder sie in der Praxis anwandte. Ich fürchte, dass ich wie die Frau war, die man einst fragte: „Was denken sie, warum gab Gott all diese Verheißungen in Seinem Wort? Wofür sind sie?“ „Nun, nur um die Seiten auszufüllen, nehme ich an.“

Ich glaube aber, wenn ich in früheren Tagen über­haupt darüber nach­ge­dacht hätte, so wäre ich mir wohl mehr wie die sehr ungebil­dete, schottische Frau vorgekommen, welche die meiste Zeit ihres Lebens abgeschieden im Hochland Schottlands verbracht hatte, und die so arm war, dass sie ihre Miete nicht selbst bezahlen konn­te, so dass ihre Kirche dafür aufkommen musste. Eines Tages, als ihr Pastor, ein herzensguter Mensch, ihr die Miete brachte, sagte er: „Frau Mc Kintrick, sie werden mir verzei­hen, wenn ich sehr offen mit Ihnen über etwas rede, und ich bin sicher, Sie werden es ver­stehen. Ihre Freunde, die Ihnen mit der Miete aushelfen, kön­nen nicht verstehen, wie es kommt, dass Ihr Sohn Sie nicht unter­stützt. Meines Wissens hat er eine sehr gute Stellung in Australien und ist ein guter Junge, der sie sehr liebt. Ist dies nicht der Fall?“  „Oh ja“, sagte die Mutter, „und er vergisst mich nie, denn jede Wo­che schreibt er mir die allerherzlichsten Briefe. Oh, ich möchte gern, dass Sie einen seiner Briefe sehen.“

Neugierig, mehr über solch einen Sohn zu erfahren, der eine Mutter so lieben konnte und sie trotzdem ohne Unterstützung ließ, deutete der Pastor so­gleich an, dass er gerne einige der Briefe sehen würde. Bald kehrte die Frau mit zwei Päckchen zurück, eines davon gab sie dem Pastor in die Hand und sagte: „Dies sind seine Briefe.“ Der Pastor öffnete gera­de das Band, womit sie zusammenge­bunden waren, als sie sagte: „Mit jedem Brief schickt er mir immer ein hübsches Bild. Sie sind nicht sehr groß und passen gerade schön in den Brief, aber es zeigt, dass er  an mich denkt.“ Der Pastor, sofort interes­siert, blickte auf. „Ein Bild in jedem Brief?“ Er war neugieriger als je zuvor. „Darf ich die auch sehen?“ „Oh, sicherlich“, antwortete sie, „einige zeigen den Kopf eines Mannes, einige einen Mann, der auf einem Pferd sitzt, und eine Reihe von ihnen haben das Bild des Königs darauf. Sehen Sie, dieses hier zeigt den König von England – lang lebe der König!“ „Lang lebe Ihr Sohn!“ entgegnete der erstaunte Pastor, „Meine liebe Freundin, wissen  Sie, dass Sie eine reiche Frau sind? Das sind Banknoten; das ist Geld, Sie haben Reich­tum hier; und wenn man bedenkt, wie Sie gelitten haben und ohne es auskom­men mussten, während Sie eben hier in ihrem Haus die ganze Zeit Reichtum hatten und dachten, dass es einfach nur schöne Bilder seien.“

Das war auch meine Schwierigkeit in Bezug auf die Ver­hei­ßun­gen in Gottes Wort: Ich hielt sie nur für schöne Bilder, einfach nur schöne Sprache. Zum Beispiel der 23. Psalm: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser…“ Für mich war dies ein­fach Poesie, eine Bilderge­schichte. Nie ließ ich mir einen Moment lang träu­men, dass es dafür eine buchstäbliche Anwen­dung gab; dass Jesus für uns ein Hirte sein und in unse­ren Er­fah­rungen jeden Vers dieses Psalms erfüllen würde, wenn wir Ihm wirklich vertrau­ten. Wie scha­de, dass so viele Menschen heutzutage in gleicher Weise auf die hundert­fachen Verheißungen in Gottes Wort schau­en, wie ich es tat.

Aber jetzt war das alles anders. Es schien mir seltsam, dass ich Gottes Wort vorher nie buchstäb­lich genommen hatte. Und natürlich, Er meinte genau das, was Er sagte! Wie konnte ich jemals etwas anderes gedacht haben? Wie blind war ich gewesen! Wie blind waren wir alle gewesen! Hier hatte Gott uns unbe­grenzte Quel­len zur Ver­fü­gung gestellt, und wir nahmen nicht eine von ihnen in An­spruch, sondern handelten genauso, als ob diese Verheißungen einfach viele Worte ohne Bedeutung wären. Wie jemand gesagt hat: „Einfach schöne Bilder in schöner Sprache verfasst.“

Zu meiner Ge­ne­sung lag ein großes Hindernis im Weg und das war die Tatsache, dass ich zu jener Zeit kein wirk­liches Verlangen danach hatte zu leben. Seit meiner „Veränderung des Her­zens“ war alle Furcht vor dem Tod von mir genom­men worden und ich hatte buchstäblich Heim­weh nach dem Himmel. Ich hatte so viel gelitten, dass das Leben seine Attraktivität verloren hatte; während durch meine neue Erfahrung der Himmel anziehender ge­worden war. Ich, die ich früher einmal den Himmel als eine solch unwirkliche Fantasie an­gesehen hatte, glaubte jetzt, dass er so real war wie die Welt, in der ich mein Dasein hatte und mich verlangte brennend nach seiner Ruhe und seinen Seg­nungen. Der Herr selbst war mir so kostbar ge­worden und der bloße Gedanke, Ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen, war  so wunderbar, dass ich es kaum abwarten konnte. Was für wunderbare Veränderungen Gebet bewirken kann! – Einen Tag Todesangst, bis ich in kalten Schweiß ausbrach; am Nächsten war alle Furcht ge­wichen und an seiner Stelle ein Verlangen, die Todes­grenze zu überschreiten, hinüber zu einem besseren Land. Ich hatte Heim­weh nach dem Himmel, aber Hjalmer sagte zu mir: „Hast du nie daran gedacht, 9-25dass der Herr dein Leben viel­leicht be­nutzen möchte – dass du zu Seiner Ehre leben könntest? Wenn Er dich von diesem Sterbebett aufrichten würde, denke daran, wie der Glauben vieler Leute gestärkt werden würde! Möchtest du Ihn nicht ver­herr­li­chen?“ Dieser Gedanke war so wunder­bar, dass mein Herz bei dem Gedanken vor Freude klopfte – dem Gedanken, dass ich Seinen Namen auf irgendeine Weise ver­herr­lichen, in irgen­deiner Art Ihm dienen könnte. Wie glücklich würde ich sein, wenn ich auch nur das Kleinste für Ihn tun könnte! Er hatte so viel für mich getan und ich liebte Ihn so sehr, dass mein Herz bei dem Gedan­ken einfach in Entzückung ge­riet.

In jener Nacht, als mir eine Haushaltshelferin laut vorlas, (sie hatte die Bibel willkürlich geöff­net) las sie neben anderen Stellen die folgende: „Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Ver­herr­lichung Gottes, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht wird.“ (Johannes 11:4) Jener Vers traf mein Herz, als ob Gott selbst zu mir gesprochen hätte. Stundenlang klang es in meinem Herzen nach, bis ich schließlich betete: „O Herr, ich habe ge­sagt, dass ich gern für Dich sterben möchte, aber stattdessen würde ich gern für Dich leben wollen – gib mir jetzt den Glauben zum Leben – den Glau­ben, Deine Verheißungen in An­spruch zu nehmen und richte mich von diesem Sterbebett auf!“ Als Hjalmer in jener Nacht in das Zimmer kam, sagte ich zu ihm: „Ich werde für den Herrn leben, aber du wirst für mich beten müssen, dass Er mir den Glau­ben geben wird, denn es ist wirklich außerhalb meines Vorstel­lungs­­vermögens, wie Er je­manden aufrichten kann, in einem Zustand wie dem meinen; jemand der so unwert ist und dessen Glaube so klein ist.“ Sicher, Jesus war real und so kostbar für mich, aber daran zu den­ken, dass Er solch ein Wunder wie dieses heutzutage tun würde, war wie ein Sprung in ein Becken im Glauben, dass auch Wasser darin ist, etwas das mehr war, als ich fassen konnte.

Aber schließlich wurde das Datum für das Gebet festgesetzt; der Tag, an dem wir den Herrn bitten würden, mich aufzurichten. Mein Mann war davon überzeugt, sehr bestimmt dabei zu sein. Er hatte oft gesagt: „Gott ist sehr bestimmt mit uns gewesen und hat uns präzise Ver­hei­ßun­gen gegeben, auf die wir uns be­rufen können und hat sie sehr eindeutig fest­gelegt und wir werden genau das mit Ihm sein. Wir wer­den unsere Herzen vorbereiten, mit Bestimmt­heit eine Reihe von Verheißungen in Anspruch nehmen und dann, an einem be­stim­mten Datum, werden wir den Handel abschließen und es für alle Zeit als er­ledigt ansehen.“

Während jener Tage des Wartens lernte ich vor dem Ein­schla­fen Ver­heißungen auswendig und beim Aufwachen wiederholte ich sie. Ich wollte so sehr den Glauben haben, die richtige Art von Glau­ben, einen von der Größe, wie er sein müsste, so dachte ich, um so etwas Wunderbares vom Herrn zu bekommen. Ich wollte meinen Teil dabei tun. Wenn ich nur damals ge­wusst hätte, dass der Glaube, der Dinge von Gott bekommt, nicht irgend­eine „große, riesige Sa­che“ ist, sondern einfach GOTT BEIM WORT NIMMT!

Im Sanhedrin

Ich möchte in meiner Geschichte hier Platz einräumen für ein eher ungewöhnliches aber interessantes Ereignis, das zu je­nem kritischen Zeit­punkt geschah. Von Zeit zu Zeit hatte mich in mei­nem Krankenzimmer ein Prediger des Evangeliums namens David Catch­pole be­sucht, ein Gott sehr hin­gegebener Mann Gottes. Er war der Pastor der Baptisten-Kirche, einer der größten und mächtigsten Kirchen in unserer Stadt. Das Beste an Bruder Catchpole jedoch war, er glaubte an das Wort Gottes; er war kein Mo­dernist.

Eines Tages kam er zu Besuch und sagte mir: „Schwester Berg, die Ver­eini­gung der Prediger trifft sich am nächsten Montag­ Nach­mit­tag um 3 Uhr im Wohnzimmer ihres Hauses und ich dachte, da dein Zimmer hier gerade an das Wohnzimmer grenzt, dass wir viel­leicht die Tür offenlassen könnten und du könntest die Dis­kussion hören. Ich weiß, du musst sehr einsam sein und die Zeit vergeht langsam, und  ich glaube, du wirst Gefallen daran finden, wenig­stens einen Teil des Treffens zu hören. Nun es würde uns sehr freuen, über ein Buch deiner Wahl zu diskutieren, und ich dachte, ich könnte schnell herüber­kommen und dich fragen, so dass wir uns schon darauf vorberei­ten könnten. Welches Buch soll es denn sein?“ „Nun, Bruder Catch­pole,“ antwortete ich, „das ist wirklich aufmerksam von dir, denn mein Mann hat mir ein Buch vor­gelesen, von dem ich gerne möchte, dass die Predigervereini­gung es diskutiert.“ Das Buch war A.B. Simpsons Zeug­nis von seinem Leben, seiner wunderbaren Heilung und anderer wunder­vol­ler Ant­worten auf Gebet. Am folgenden Montag kamen die Pastoren der verschiedenen Gemeinden zum Pfarrhaus und, wie geplant, diskutierten sie das Buch, das wir ihnen ge­­geben hatten. Ich war an jenem Tag sehr krank, in der Tat ziem­lich schwach, so dass ich nicht in der Lage war, irgendetwas der ersten Hälfte des Treffens mitzubekommen – das Lesen des Buches und den Anfang der Diskussion. Aber gegen das Ende des Treffens, als die Diskus­sion hitziger wurde und die Stimmen er­regter, schnappte ich Folgendes auf – und die Einzel­heiten wurden mir hinterher von meinem Mann und Pastor Catchpole erzählt, die zusammengefasst wie folgt waren:

9-26Reverend Phineas T. Lynn, Pastor der Methodisten-Kirche jener Stadt und einer der größten Heiligen Gottes, die ich je kannte, war an der Reihe und sagte dem Sinn nach etwa Folgendes: „Ich bin absolut davon überzeugt, dass Gott genau das meint, was Er in Seinem Wort sagt und bin davon überzeugt, dass Jesus Christus sich nie geändert hat. Wir sind die, die sich geändert haben. Wir haben keinen Glauben mehr, und anstatt unseren Mangel an Glauben einzu­gestehen, geben wir dem Wort Gottes Schuld und sagen, es gelte nicht für uns heutzutage. Stattdessen sollten wir unseren Glauben auf das Niveau von Gottes Wort bringen.“

Hjalmer fügte bei: „Bruder Lynn hat genau meine Ansichten aus­gedrückt. Weil die Kirche in ihrem Glauben ver­sagt hat, hat sie versucht, Gottes Wort auf die niedrige Ebene ihres Glaubens her­un­ter­zubringen; indem man sagt, dass diese Verheißungen nur für apostolische Zeiten galten und nicht für heute; und die Wunder von Christus seien nur passiert, um Sein Amt ein­zu­leiten. Dies hat die Kirche getan, anstatt ihren Glauben auf das Niveau von Gottes Wort anzu­heben. Einfach weil wir den Glauben für etwas nicht haben, sagen wir: ‚Es gilt für uns heutzutage nicht‘“

Bruder Lynn: „Genau! Für meinen Teil, Bruder, möchte ich be­ken­nen, dass wir diejenigen sind, die versagt haben. Ich glaube einfach, was die Bibel sagt: ‚Bei Gott ist kein Ding unmöglich‘, und Jesus Christus ist genauso bereit, Gebet zu beantworten und Glau­ben zu belohnen, wie Er es in apostolischen Tagen war. Es ist unser Man­gel an Glauben, nicht Sein Mangel an Gnade, dass nicht größere Dinge in Seinem Namen passieren.“

Bruder Catchpole: „Ich glaube einfach, was die Bibel sagt: „Jesus Christus ist immer derselbe – gestern, heute und in alle Ewigkeit!“ (Hebräer 13:8)

Ein zweifelnder Bruder: (Ich vermeide es, den Namen dieses Pa­stors zu erwähnen. Er war sehr auf­geregt, als er sprach und schien sehr empört): „Nun, von dem, was ich mitbekommen habe, glau­ben einige von euch Predigern, dass Christus heute immer noch Wunder tut und ihr nehmt diese Verheißungen ganz wörtlich. Na schön, ich habe einen Vorschlag zu machen, in dem so etwas wie eine Heraus­forde­rung liegt. Dort drinnen in dem Krankenzimmer liegt Schwester Virginia, eine der bedauernswertesten Invaliden, die ich je gesehen habe; ich traf ihren Arzt auf dem Weg hier herüber und ich hielt ihn an, um her­auszufinden, wie es ihr ginge. Er antwor­tete: ‚Es erstaunt mich, wie diese Frau weiterlebt, in dem Zustand, in dem sie kaum in der Lage ist, Nahrung zu sich zu nehmen. 9-27Jedes Mal, wenn ich in letzter Zeit das Telefon läuten hör­te, habe ich gedacht: ‚Nun, das ist es das Ende und Frau Berg ist ge­storben.‘ Sehen Sie, das Leben jener Frau hängt nicht an einem Faden – sondern an einem bloßen Haar. Nun, Brüder, ich glaube, was ihr Arzt sagt. IHR glaubt all diesen Blödsinn. Lasst es uns auf die Probe stellen. Was mich anbelangt, möchte ich klar machen, dass ich mit einigen von euch nicht über­einstimme. Nun, jeder Narr weiß, dass die Tage der Wunder vorbei sind. Na gut: Dort drinnen liegt Schwester Virginia  – ein hoffnungsloser Fall, wir alle stimmen darin überein. Also, wenn ihr den Kram glaubt, probiert es an ihr aus.“ Und damit verließ er das Treffen, ging zur Tür, öffnete sie und schlug sie mit lautem Knall hinter sich zu.

Aber bevor er sie zuknallte, hatte Bruder Catchpole Zeit, ihm entgegenzuhalten: „Genau das haben wir vor!“

Ich möchte an diesem Punkt sagen, bevor ich meine Geschichte beende, dass sie „es an mir probierten“ und am nächsten Montag­nachmittag um 3 Uhr war ich beim Predigertreffen „jedes bisschen gesund“, und so glücklich und hoffnungsvoll wie nur irgend­ein stäm­mi­ger Mann dort!

ANMERKUNG: Ich möchte meine Leser wissen lassen, dass ich mehr Sym­pathie als Tadel für den Mann habe, der den Raum verließ und jene, die ähnliche Ansichten haben, denn ich weiß, dass es heutzutage schon so viele falsche Leh­ren in dieser Richtung gegeben hat; so viele „Kulte“ und „Ismen“ und „Wissenschaf­ten“, die so  viel Unwesen um Heilung gemacht haben, dass man es den Leuten kaum noch übel nehmen kann, wenn sie vor diesem Wort zurückscheuen. Ihr werdet feststellen, dass ich versucht habe, es beim Erzählen meiner wunderbaren Erleb­nisse nicht zu erwähnen, denn ich möchte in keiner Weise mit diesen Hei­lungs­­kulten oder philo­sophischen Gruppen in Verbindung gebracht werden. Wir haben nie irgend­eine Verbindung gehabt, noch wollen wir sie haben, als mit dem unverfälschten Wort Gottes, mit einfachem, althergebrachtem­­­ Glauben und den Verheißungen Gottes, einfach so, wie sie in Seinem Wort stehen.

Wie auch immer, nur weil diese „philosophischen Ge­sell­schaften“, „moder­nen  Phi­lo­so­phen“ und „Wissenschaften“ einige wunderbare Schriftstellen und einige Prinzipien des Glau­bens aus Gottes Wort genommen haben und darum herum un­schriftgemäße Lehren aufgebaut und sie der Welt als neue Lehren präs­entiert ha­ben, sollte uns das nicht davon abhalten, Gottes kostbare Verheißungen zu benutzen­­ oder eben jene Glaubens­prinzipien anzuwenden, die sie für sich in Anspruch genommen haben.

Sicherlich gibt es saft- und kraftlose Religionen, die einen Teil des wunder­baren Ganzen nehmen und so sehr verdrehen, dass man es nicht mehr wieder erkennen kann. Tausende und Abertausende von Menschen haben unsere Kirchen ver­las­sen und geistige und physische Erleichterung in modernen Religionen gesucht, einfach weil dieses kleine Körn­chen Wahrheit, das heißt, das Prinzip grundsätzlichen Glau­bens, dargelegt und ihnen zum ersten Mal erklärt wurde. Wie sinkende Menschen, die sich an einen Strohhalm klammern, sehen sie Hoffnung, wo Verzweiflung gewesen war. Sie sehen jedoch nicht, dass mit diesem Körn­chen Wahrheit oft auch viel Falsches vermischt wird, so dass sie, indem sie es von frag­wür­di­gen Quellen annehmen, sich in  der Verleugnung einiger grund­sätz­licher Wahrheiten des Christentums verstricken könnten. Arme, getäuschte Herzen, sie beachten nicht, dass der Feind unserer Seelen oft Wahrhei­ten aus dem Wort Gottes benutzt und sie mit Irrtümern mischt, auf diese Weise danach trachtend, eine nachgeahmte Religion zu machen! Tausende nehmen die Fälschung an, weil Schriftstellen darin sind. Aber viele große Kirchen haben dieses mächtige Prinzip des Glaubens vernachlässigt und als Folge davon verlassen Tausende unsere Kirchen und schließen sich neuen Religionen an. Jemand hat sehr weise gesagt. „Ein krankes Schaf folgt allem und jedem.“ Warum beten wir nicht für unsere eigenen Kranken? Unsere Kirchen würden sich ver­größern, unser eigener Glaube gestärkt und im Namen des Herrn wunderbare Dinge getan werden, wenn wir diesen lieben Kranken den Weg des Glaubens lehren würden. Lasst uns für unsere eigenen Kranken beten!

Der festgesetzte Tag und – Enttäuschung

Schließlich kam der festgesetzte Tag und mit ihm die Freunde, die für mich beten wollten. Bruder Catchpole, seine Frau und mein Mann standen neben meinem Bett und redeten mit mir vor dem Gebet einige Augen­blicke. Mein Mann sagte: „Möchtest du uns sagen, welche Ver­heißungen du aus­gewählt hast, worauf du dich berufen willst?“ „Oh, ich habe nicht nur eine ge­wählt, sondern eine gan­ze Reihe, denn ich dachte, wenn eine Ver­heißung gut ist, würden eine ganze Reihe sicher besser sein.“ Daraufhin bemerkte jemand im Zimmer lachend: „So ist sie auch mit ihrer Medizin gewesen; sie dachte immer, wenn eine Pille gut ist, sollten drei besser sein und wenn ein Löffel voll Medizin hilf­reich sei, würden vier es ganz be­stimmt bewerkstelligen­.“ „Aber“, sagte ich, „diese Verheißungen sind alle ganz verschieden, wie ihr sehen werdet. Ich hatte gewählt:

2.Mose 15:26         „Denn Ich bin der Herr, dein Arzt.«“

Psalm 103:3           „der dir alle deine Sünde vergibt und heilt alle deine Gebrechen“

Markus 9:23b         „Alle Dinge sind dem möglich, der glaubt.“

Jakobus 5:14,15:   „Wenn jemand unter euch krank ist, soll er die Gemeindeältesten zu sich rufen, damit sie über ihm beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden.“

9-28„Ich bin jetzt bereit“, sagte ich und zitierte die gerade er­wähn­ten Ver­heißungen. Bruder und Schwester Catchpole streckten ihre Hän­de aus und legten sie auf mich, während er einige Schriftstel­len zitierte. Der Raum wurde ganz still, denn jeder schien die Feierlichkeit zu spüren und die Verantwortung, die auf ihnen lag. Dann salbte Bruder Catchpole mich auf der Stirn und zitierte auf meine Bitte hin Jako­bus 5:14,15. Dann betete Hjalmer sein „Gebet des Glaubens“, und wahrhaftig, es WAR ein Gebet voll Glauben. Ich denke, dass es nur wenige Gelegenheiten im Leben gibt, wo wir je solch ein Ge­bet zu hören bekommen. Es war nicht eine hoch­tra­bende, formale Affäre, das kann ich euch versichern, sondern er sprach einfach 9-29zum Herrn und sagte Ihm, dass Er es nicht wagen könne, Sein Wort zu brechen. Immer wieder zitierte er: „Bestä­tige mir Dein Wort, oh Gott.“ Es war das Gebet verzwei­felten Glaubens als Ergebnis in Verzweiflung ver­brachter Tage. Er übergab die ganze Verantwortung dem Herrn und sagte Ihm, dass wir unser Alles auf den Altar ge­legt hätten und nur nach Seinem Willen trachteten und jetzt gäbe es nichts mehr, was wir tun könn­ten, außer uns völlig auf Ihn zu verlassen und zu er­war­ten, dass Er Sein Wort halten würde. Das Gebet hatte eine Entschiedenheit, eine Bestimmtheit und völlige Übergabe, welche die Sache einfach abschloss und scheinbar den Herrn in solch einer Position zurück­ließ, dass Er nichts anderes würde tun können. In der Tat er­schreckte mich das Gebet ein wenig. Es hatte einen sehr bestimmten, fast befehlenden Ton. Ich hatte den Herrn angefleht und angebettelt und jemanden scheinbar gerade­wegs zum Himmelstor herantreten und sagen hören: „Du hast gesagt, Du hättest ein Päckchen für mich und ich bin deswegen gekom­men“, setzte mich eher in Erstaunen. Aber es war solch eine liebenswürdige Ernsthaftigkeit und kind­li­cher Glaube bei alledem, dass ich sicher war, dass der Herr es ver­stehen würde. (Ich habe es seitdem selber vollkommen verstan­den.) Ich strengte mich an, das Gesicht meines Mannes zu sehen, während er betete, aber wie ich euch schon sagte, ich war dabei, stockblind zu werden und konnte nur einen schwachen Umriss sehen. Aber das Gebet, das ich hörte, berührte mich in der Tiefe meines Herzens und ich sah nicht, wie Gott etwas anderes tun könnte, als es zu beant­worten. Ich verließ mich wirklich auf den Glauben von Hjalmer.

Ich war total ermüdet von der extra Anstrengung, Gäste in mei­nem Zimmer zu haben, dass man mich eine Weile allein ließ, um aus­zuruhen. Tatsächlich war ich völlig erschöpft von dem Versuch, einen riesig großen Glauben zu erarbeiten, um dem Anlass gerecht zu werden. Ich hatte immer noch die Idee, dass Glauben irgend­eine große Sache sei, die dem Herrn auf genau die richtige Weise ent­ge­gen­ge­bracht werden musste – wie ein Bündel, richtig ver­­packt, zusammengebunden und genau zum richti­gen Zeitpunkt ab­gegeben. Wie ich bereits sagte, als es alles vorüber war, ließ mich die Anstren­gung völlig erschöpft zurück. Richtige Angst überkam mein Herz, denn ich fühlte irgendwie, dass mein Glaube nicht groß genug gewesen war, dass er nicht ganz die Stufe erreichte, die notwendig war, um dem An­spruch zu genügen. Ihr seht, ich schaute nach un­ten, auf meinen Glauben und nicht nach oben, auf die Verheißungen Gottes. Ich erwartete etwas von mei­nem armen Selbst, meine Er­wartungen richteten sich nicht gänzlich auf Ihn.

9-30Der festgesetzte Tag war gekommen und vergangen; das er­warte­te Gebet war vorgebracht worden; ich hatte der Schrift ge­horcht, aber nichts war gesche­hen. Anstatt dass es mit mir besser wurde, ging es mir eher noch schlechter. Tatsächlich schien es ein paar Stunden später, als ob ich über die Schwelle gleiten würde. Denn obwohl ich über diese Tage von Vorbereitungen, Gesprächen, Besuchern usw. sprach, blieb mein Zustand jedoch unverändert. Ich war ge­nauso hilf­los, ja eher noch hilfloser. Ich konnte nur sehr leise flüstern; tatsächlich waren meine Augen, Lippen und mein rechter Arm die einzigen Körper­teile, die ich unbehindert bewegen konnte. Während ich an meinen schreckli­chen Zustand dachte und sah, dass es mir nicht besser ging, fing die Hoffnun­g an zu sterben, tiefste Ent­täu­schung und größter Kummer ergriffen mein Herz und ich weinte bitter­lich.

Die stille sanfte Stimme

Hjalmer hatte das Haus verlassen und war für ein paar Stunden unter­wegs. Die gelernte Krankenschwe­ster, die für alle Fälle da war, hatte vor einigen Tagen unerwartet aufgehört und gesagt, dass es völlig lächerlich sei, zu erwarten, dass der Herr in diesen Tagen ein Wunder wirken sollte und dass sie mit solchem Unsinn nichts zu tun haben wollte. Es gibt einige Leute, die ganz entschlos­sen sein können, dich zu begraben, aber nicht ge­willt sind, Gott eine Chance zu geben, dich am Leben zu erhalten. Eine hilfreiche Frau aus Hawaii, die jetzt sowohl Kranken­schwester als auch Haushälterin sein musste, kam oft an meine Tür, um in liebenswerter Weise nachzufragen, ob ich etwas brauchen würde, aber die meiste Zeit war ich allein mit dem Herrn. Eine Klingel war so aufgehängt worden, dass ich nur meine Hand heben musste um sie zum Läuten zu bringen, um Hilfe herbeizu­rufen. Ich war froh, al­leine zu sein – ich wollte über alles nachdenken. Ich würde keine Zufriedenheit 9-30Afinden können, bis ich erfahren würde, warum der Herr das Gebet von Hjalmer nicht beantwortet hatte. Es gab keine Bitter­keit in meinem Herzen, aber es gab einen tiefen Schmerz. Seit die wun­der­bare Veränderung in mein Herz gekommen war und ich in der Kenntnis des Herrn zunahm, hatte ich viele Zeiten liebevoller Gemein­schaft mit Ihm. Diese Zeiten waren genauso wirklich und kostbar, wie das Reden mit seinem lieb­sten Gefährten von An­ge­sicht zu Angesicht. Ich war mir absolut sicher, dass der Herr mich hörte, wenn ich betete. Kein irdisches Gespräch war jemals na­türlicher ge­wesen, von klarerer Realität als unsere kleinen Ge­sprä­che miteinander und so war ich ent­schlossen, über diese Sache mit Ihm zu sprechen und heraus­zufinden, wo genau das Problem lag. So betete ich folgendermaßen: „Lieber Herr, wir haben Deinem Wort bis auf den Buchstaben gehorcht; wir haben uns auf Deine Ver­hei­ßun­gen berufen und ihnen geglaubt; mein Mann hat das Gebet des Glau­bens gebetet und er er­wartet wirklich, dass ich ge­heilt werde, aber nicht das Geringste ist geschehen; ich bin noch genauso schlecht dran, wenn nicht noch schlimmer. Bitte lieber Herr, sag mir einfach, was los ist; sag mir, wo das Prob­lem liegt. Ich bin nicht nur um mich selbst besorgt, sondern Dein Ruf steht auf dem Spiel. Fünf verschie­dene Kirchen hatten Gebetstreffen für mich, als für mich gebetet wurde und Du  weißt auch von dem Predi­gertreffen; und hier sind diese anderen Prediger, die für mich gebetet haben – oh, Herr, es wird Deiner Sache schaden; die Leute werden den Glauben verlie­ren. Bitte sprich zu mir, wie Du es zuvor getan hast und ich werde so sehr versuchen, es zu verste­hen. Amen.“

– Es ist eigenartig, wie besorgt wir um Gottes Ruf werden. Ich habe seit­dem jedoch heraus­gefunden, dass Er voll­kom­men in der Lage ist, sich um Seinen Ruf selbst zu kümmern. Ich übergab die Sache ein für alle Mal dem Herrn und fühlte in mei­nem Her­zen, dass Er mich nicht  im Dunkeln ließe, sondern mein Gebet beant­wor­ten und mich auf irgendeine Weise wissen lassen würde, warum Er mich nicht geheilt hatte.

Ich ruhte still, schlief beinahe, als mir plötzlich eine Schriftstelle auf die sonderbarste Weise in den Sinn kam; ich sage son­derbar, denn es war auf völ­lig andere Weise, als mir jemals zu­vor irgendeine Schriftstelle ge­kommen war. Es war nicht wie ein Vers, es war eine Stimme und es schien überhaupt nicht zu meinem Verstand zu sprechen, sondern von drinnen, aus meinem Herzen. Gottes Wort erzählt von der „stillen kleinen Stim­me“, die in uns spricht und ich hatte jene Stimme mit Sicherheit gehört. Es war nur eine Schriftstelle und ich hatte sie seit Jahren gehört, aber sie wurde augen­blicklich ein neuer Vers, als ob ich sie nie zuvor gehört hatte. Mir haben seit jener Zeit viele sehr hingebungsvolle Christen er­zählt, dass ihnen Schriftstellen auf die gleiche Weise offenbart worden sind; Schriftstellen, die nie besonders an­sprechend für sie waren, wurden nach Zeiten des Gebets ihrem Verständnis wie ein Buch geöffnet und in ihr Bewusstsein einge­graben, als ob sie mit Zeilen aus Feuer geschrieben seien und machten die Bot­schaft so persönlich für sie, als ob sie direkt für den Einzelnen vom Throne Gottes ge­kommen waren. Wie dieser Vers so den Sinn erleuchtend zu mir kam, so eindringlich und persönlich, ist eines meiner Erlebnisse, das am schwersten zu erklären ist. Wenn ich 9-32zurück­schaue auf jene Tage, als Gott mit mir handelte, bleibt noch immer der lang anhaltende, tiefe Eindruck, dass die Art und Weise, wie dieser Vers zu mir kam, genauso wunderbar war, wie jener Mo­ment, als ich unver­züglich von jenem Bett aufstand.

Wie gesagt, war es nicht so sehr ein Vers wie eine Stimme klar und sanft, aber mit Autorität sprach sie zu meinem Herzen die­se Worte: „Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr es bekommt, dann werdet ihr es erhalten.“ (Markus 11:24) Die Worte „glaubt nur“ waren im Vergleich mit­ dem Rest heraus­geho­ben, als ob der Vers nur diesen einen Gedanken ent­hielt: „wenn ihr glaubt, werdet ihr es erhalten.“

Sofort begriff ich es; ich sah genau, was der Herr mir zeigen wollte. Ich hatte nicht geglaubt, dass ich es erhalten hatte!

Gewiss hatte ich ohne Skepsis ge­glaubt, dass Er unser Gebet gehört hatte, dass Er um mein Leiden besorgt war und dass es Sein Wille war, mir den Wunsch meines Herzens zu geben, aber ich hatte sicher nicht geglaubt, dass ich es ERHALTEN hatte. Da kam in mein Herz 9-33eine kleine Rebellion auf, und ich antwortete dem Herrn in einem wirklich verwirrten Geist: „Wie, Herr? – Ich kann nicht glau­ben, dass Du mich bittest, dies zu tun; dass ein großer, liebender Vater wie Du eine arme Kreatur wie mich bitten kann zu glau­ben, dass ich etwas erhalten habe, wovon ich überhaupt nicht den ge­ringsten Beweis habe. Du bist allmächtig und all­wissend, aber ich bin nur ein Körnchen Staub. Wie kannst Du von mir erwarten, dass Du mir etwas gege­ben hast und ich es erhalten habe, wenn nicht ein einziger meiner fünf Sinne es mir kund tut und ich mit Sicherheit weiß, dass es nicht die ge­ringste Ver­änderung an meinem Zustand gibt? Dies ist zu viel verlangt; ich kann es nicht verstehen.“

Dann, in genau der gleichen Weise, in welcher der erste Vers zu meinem Herzen gesprochen hatte, kamen diese Schriftstellen zu mir. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich diese Verse aus­wendig gelernt hatte, denn ich hatte nur eine schwache Erinnerung daran, aber jetzt kamen sie genauso klar, als ob ich sie aus Seinem Wort las: „..Gott…, der die Toten lebendig macht und das was nicht ist, ins Dasein ruft….[Abraham] wurde nicht 9-34aschwach im Glauben, sah auch seinen eigenen Leib nicht an, der schon erstorben war … denn er zweifelte nicht durch Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde stark im Glauben, indem er Gott die Ehre gab.“ (Römer 4:17,19,20)

Immer und immer wieder wie­derholte ich diesen Ge­danken, und ich wusste genau, was der Herr bemüht war, mir zu offenbaren – dass Abraham, obwohl sein Körper so gut wie tot war, nicht AUF SEINEN KÖRPER schaute, sondern auf die VER­HEISSUN­GEN GOTTES. So sicher war er, dass Gott Sein Wort halten würde, dass er nicht durch Un­glauben zweifelte, sondern dem Herrn dankte, denn er wusste, dass Gott in der Lage war, zu vollbringen, was Er ver­spro­chen hatte.

Ganz plötzlich wich der Schleier von meinen Augen! Ich schaute auf meinen Körper, der so gut wie tot war, ich schaute auf meinen erbärm­lichen Zustand, die Krank­heit, das Leiden, die Symptome und hatte das in Rechnung gezogen und vor Augen, während der Herr wollte, dass ich nur auf Sein Wort schaue. Auf einmal konnte ich klar sehen, dass der Herr von mir erwartete, Ihm vollen Glauben zu schenken – ob ich nun die kleinste Verände­rung in meinem Zustand sah oder nicht. Er erwartete von mir, im Glauben zu wandeln und nicht im Sehen; zu glauben, dass was Er sagte wahr sei, einfach weil Er es sagte, selbst wenn auch nicht die kleinste Spur von Beweis in Sicht war – Er sagte es so und das war genug.

„Was ist nun also der Glaube? Er ist das Vertrauen (eine Besitzurkunde) darauf, dass das, was wir hoffen, sich erfüllen wird, und die Überzeugung, dass das, was man nicht sieht, existiert.“ (Hebräer 11:1) Es kam wie eine mächtige Offenbarung und mein Herz schrie laut, während ich nach genau dem griff, was Er mir sagte, und der Lektion, die Er mir beibringen wollte. „O Herr, ich sehe; ich ver­stehe; Du willst, dass ich glaube, einfach weil Du es so sagtest, nicht weil ich es fühle oder es sehe. Ich glaube wahr­lich Deinem Wort, weil es eben Dein Wort ist; ich glaube ihm mehr als allem anderen; es kann nicht versagen. Ich glaube, Herr, dass genau zu der Stunde, als sie für mich beteten – im gleichen Augenblick – Du mir gegeben hast, worum ich gebeten habe, aber ich habe es nicht angenommen, denn ich habe erwartet, es irgend­wann in der Zukunft zu bekommen. Jetzt sehe ich es, Dein Wort sagt, „Alles, was ihr BITTET in eurem Gebet, GLAUBT NUR, dass ihr es bekommt, dann werdet ihr es  erhalten“ aber ich erhielt es nicht, als wir beteten. Ich habe einfach gewartet und gehofft, Du würdest es mir Irgendwann in der Zukunft geben, wenn es Dir wohl gefallen würde. Aber jetzt weiß ich, dass ich es damals erhielt, als sie beteten, aber ich glaubte es nicht, weil ich keinen Beweis sah und nahm dein Geschenk der Heilung deshalb nicht entgegen. Jetzt, Herr, wo ich es verstehe, bin ich gewillt, Deinem Wort allein zu ver­trauen. Ich danke Dir, lieber Herr, dass Du es mir offenbart hast und vergib mir meinen Mangel an Glauben.“

In diesem Augenblick kam ein solches Erstau­nen in meinem Herzen auf, dass ich so blind gewesen war, dass ich irgendeinen Beweis haben wollte, bevor ich glaubte – was wirklich bedeutet, dass man im Schauen gehen will und nicht im Glauben; Erstaunen dar­über, dass ich vorher nicht ge­sehen hatte, dass es einfach so war, weil Gott es so gesagt hatte, und das war genug. Mein Herz hüpfte vor Freude und damals wurde etwas in meiner Seele geboren, das sich nicht um einen Bruchteil geändert hat seit jenem Tag bis heute – ein bleibendes, unerschütterliches Vertrauen in das Wort Gottes.

Immer wieder flüsterte ich laut: „Es ist Gottes Wort; es kann nicht versagen. Es ist Gottes Wort; Er kann nicht lügen.“ Ich schien dieses wunderbare Wort Gottes durch die Jahrhunderte der Zeit hindurch marschieren zu sehen, unzer­störbar, obschon so oft angegriffen, zerrissen von Kritikern und verbrannt von Feinden, dennoch den Test der Zeit und Verfolgung über­stehend, immer noch unverändert – unzerstörbares, un­fehlbares, unerschöpfliches, wundervolles Wort Gottes. Was für eine Freude in mein Herz kam – eine unbeschreibliche Ekstase, denn ich war geheilt, soweit es Gott betraf. Und es musste so sein, denn Er sagte es. Oh, es konnte kein Irrtum sein; ich konnte nicht, würde nicht an Seinem Wort zweifeln.

Er sagt: wenn ihr glaubt, werdet ihr es erhalten« und ich tat genau das – ich glaub­te, dass ich es erhalten hatte, und ich hat­te es! Nichts konnte mich dazu bringen, etwas an­deres zu glauben. In jenem Augen­blick kam es mir überhaupt nicht seltsam vor, dass ich weder sehen noch mich bewegen konnte; dass ich völlig hilf­los war, im Sterben lag, und trotzdem jubelte ich dar­über, dass der Herr mein Leben und meine Ge­sund­heit wieder 9-35hergestellt hatte und mich bis ins Kleinste gesund gemacht hatte. Dann kam mir der Gedanke gemäß der Stelle in Römer 4:21 „Abraham gab Gott die Ehre und war völlig überzeugt, dass was er verheißen hat, das kann er auch tun.“ Ich würde genau­so handeln. Dies schien mir der Schrift nach das Nächste zu sein, was ich zu tun hatte – ganz ein­fach Gott zu ehren durch loben für Seine wunderbare Antwort auf unser Gebet und das phantastische Geschenk, das Er mir gegeben hatte. So flü­sterte ich: „Ehre sei Gott; Ehre sei Gott.“ Immer wieder wiederholte ich diesen Satz. Dies ist, was Abra­ham getan hatte. Der bekannte Ausdruck „Lobet den Herrn“ fiel mir gar nicht ein. Kam mir dabei gar nicht in den Sinn.

Wenn du ein Telegramm be­kom­men würdest, in welchem steht, dass du der Erbe eines großen Vermögens geworden bist, das all deine Probleme lösen und die Nöte deiner Lieben ausfüllen würde, dann würdest du jenes Telegramm an dein Herz drücken und hättest unaus­sprech­liche Freude. Nun, ich hatte solch ein Telegramm be­kom­men und ich drückte jene Verheißungen der Schrift an mein Herz und freute mich mit „einer unaussprechlichen und herrlichen Freude.“

9-36Dann – Wunder der Wunder – ich bemerkte plötzlich, dass meine beiden Arme erhoben waren! Mein linker Arm, der hilflos gewesen war, war tatsächlich erhoben, während ich den Herrn lobte –  in seiner ganzen Länge hoch in die Luft erhoben! Ich schaute ihn an, wie man etwas Seltsames anschauen würde; fühlte ihn mit der anderen Hand; bewegte ihn hoch und herunter, hin und zurück! Er war genauso in Ordnung wie der andere Arm! Und ich konnte ganz klar sehen! Die Trübheit war von meinen Augen gewichen! Ich drehte meinen Kopf von einer Seite zur anderen, ohne mir dessen bewusst zu sein! Ich bewegte mich auch auf dem Bett, ohne dass mir jemand half! Ich lachte und weinte zur gleicher Zeit – weinte vor Freude!

9-37

Schnell wandte ich mich um und läutete die kleine Klingel, die bei meiner rechten Hand hing, und Mary antwor­tete sofort. Sie blieb in der Tür stehen und starr­te, als ob sie ihren Augen nicht trauen konnte. „Schnell Mary“, sagte ich, „hol ein paar Kissen und richte mich auf. Ich habe vor, aufrecht zu sitzen. Bitte beeil dich.“

Ich weiß nicht, warum ich in jenem Moment keine Anstren­gung machte, vom Bett aufzustehen und zu gehen, wie ich es ein paar Minu­ten später tat, außer dass es wegen einer Lektion war, die der Herr mich lehren wollte, von der ich später in der Geschichte erzähle. Die liebe Frau, die es in jener Minute nicht verstand, stützte mich erschrocken und ängstlich auf die Kissen und ging dann zum Telefon und rief den Arzt an.

Zwei Ärzte beschäftigten sich mit dem Fall; der eine ein Osteo­path, der andere ein regulärer, praktischer Arzt. Mein Mann hatte sich dazu bewegt gefühlt, zu beiden zu gehen und ihnen frei heraus zu sagen, was er vom Herrn erwartete, für mich zu tun.  Der Osteo­path und seine Frau hörten sich ernsthaft an, was er zu sagen hatte und gaben ih­rem Glauben Ausdruck, dass mit Gott kein Ding un­möglich sei. Der reguläre Arzt war jedoch ziemlich skeptisch gegen­über der Sache und teilte meinem Mann mit großer Be­stimmt­heit mit, dass es nicht die ge­ringste Hoffnung für mein Leben gäbe, und sagte, er ver­lasse sich darauf, dass wir nichts Törichtes tun wür­den. Und jetzt sprach er über das Telefon: „Sie sagen, dass sie aufstehen und gehen will; dass sie jetzt aufrecht im Bett sitzt? Nun, ich bin bei einer Entbindung und kann jetzt nicht kommen. Halten Sie sie ruhig und ich werde später kommen.“

9-43Mary kam zurück ins Zim­mer, ihr Gesicht war angespannt, und sie machte eine Bewegung, als ob sie mich wieder zurück aufs Bett legen wollte. Ich sagte zu ihr: „Mary, Gott wirkt in diesem Zim­mer und du darfst dich nicht in Seinen Weg stellen. Du könntest dich genauso gut auf den Gleisen einem schnell fahrenden D-Zug entgegen­stellen, wie dem Herrn im Wege zu stehen, wenn Er so eindeutig wie jetzt wirkt.“ „Aber es ist zweifellos der ‚Todesgang‘“,* antwortete sie, „und ich muss sie ruhig halten, hat der Arzt gesagt.“

Aber als sie sah, wie verzweifelt ernst es mir war und dass der Herr wirk­lich in jenem Zimmer wirkte, ging sie hinaus und schloss die Tür, aber ich konnte sie draußen hören, und ich glaube, dass sie weinte. Meine Diskussion mit Mary hatte meine Augen für eine Weile vom Herrn abge­lenkt und etwas von der Furcht, die in ihrem und dem Herzen des Arztes war, be­rühr­te meines für einen Augenblick.

9-38.pngMir fehlt hier der Platz, über den enormen Test des Glaubens zu schreiben, den ich einige Minuten lang durchmachte. Petrus sagt: „damit die Bewährung eures Glaubens viel kostbarer geachtet wird als das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob und Preis und Ehre, wenn Jesus Christus offenbart wird. (1.Petrus 1:7) Jetzt, nach diesen vielen Jahren, kann ich ver­stehen, warum Er mich durch diesen Test des Glau­bens gehen ließ, aber damals war es sehr ernst, und ich ver­stand es nicht. Eines verstand ich und zwar das, dass Gottes Wort wahr­haf­tig ist und dass es nicht versagen konnte und mit jedem Test sagte ich: „Es ist Gottes Wort, es kann nicht versagen. Es ist das lebendi­ge Wort Gottes, und ich brauche mich nicht zu fürch­ten.“ Als das Feuer der Prüfung weißglühend war, so heftig, dass ich es kaum aus­halten konnte (Anm. ein Blutsturz), drangen Zweifel und Ängste auf mich ein, als ob die Legio­nen der Hölle losgelassen worden wären und ent­schlossen seien, das Zeugnis von Gottes Wort nie­derzureißen. Einige Monate vorher hatte ich gelacht über die Vorstellung eines meiner Freunde vom Teufel als einer realer Person, ein Befehlshaber der Mächte der Dun­kelheit, aber in jenem Moment war ich überzeugt, dass diese Mächte entschlossen 9-39waren, dass ich nicht den Segen erlangen sollte, nach dem ich trachtete. Ich wusste, ich hatte nicht „gegen Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen Fürsten und Gewaltige, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, gegen die bösen Geister in den himmlischen Regionen. (Epheser 6:12) Aber es gab in meinem Herzen ein tief gegründetes Ver­trauen in die Glaubwürdigkeit von Gottes Wort, so dass nichts in der Welt es erschüttern konnte. Auf jede Versu­chung, jeden Test, jede Furcht antwortete mein Herz: „Es ist Gottes Wort, es kann nicht ver­sagen.“ Und als mir schließlich der Gedan­ke kam, so als ob er mitten aus der Hölle käme (die Prüfung war so schwer geworden): „Nun, wie lange wirst du Gottes Wort glauben, ohne irgend­einen Beweis zu sehen?“ ant­wor­tete ich dem Sinn nach: „Es ist das Wort Gottes und ich werde es glauben – selbst wenn ich nie irgendeinen Beweis sehen sollte. Ich werde es einfach glauben, weil Gott es sagte, und das ist genug.“

9-40Ich konnte nicht anders, als an die Schriftstelle zu denken, in der Jesus zu Petrus sagt: „Simon, Simon, der Satan hat euch haben wollen, um euch durchsieben zu können wie den Weizen. Doch ich habe für dich gebetet, dass du deinen Glauben nicht verlierst. (Lukas 22:31–32) UND GENAU IN DEM MO­MENT WAR ICH GEHEILT. In genau jenem Moment ließ mich der Herr das SEHEN, woran ich geglaubt hatte. Die Lähmung war von meinem Körper gewichen! Ich fühlte mich kühl und ausge­ruht und saß aufrecht im Bett!

Die Tür ging auf und Hjalmer kam herein. Er wusste sofort, was ge­sche­hen war und fing an, dem Herrn zu danken, aber ich unter­brach ihn: „Bitte, bring einen Morgenrock, ein paar Hausschuhe – irgendwas zum Anziehen – ich habe vor, zu gehen.“

9-41Ich rutsch­te über die Seite des Bettes und ließ meine Füße den Boden berühren, stand aufrecht und begann ohne jede Hilfe auf dem Fuß­boden entlang zu gehen. Niemand berührte mich, niemand musste es tun, denn ich hatte IHN berührt. Ich ging in das andere Zim­mer und beugte mich über das Bett und küsste meinen lieben kleinen Sohn, für den ich nicht hatte sorgen können und in meiner Erinne­rung dachte ich zurück an jenen Weihnachtstag, als jener schreck­li­che Un­fall uns auseinander gerissen hatte und mein Herz brach. Es lief alles in einer schnellen Rückschau vor meinen Augen ab, und ich sagte in meinem Her­zen: „Ich kann jetzt verstehen, warum es alles so ge­schah. Gott musste meinen eigensinnigen Willen brechen, Er musste mich zer­schmettern, um mein Leben neu zu schaffen, Er musste mich zum Krüp­pel machen, um mich mit Seiner Liebe und Seinen Seg­nungen krönen zu können.“

Es schien, als ob ich als die glück­lich­ste Frau der Welt über den Fußboden ging. Die Bürde der Krank­heit, des Leidens und der Sünde war völlig von meinem Leben genommen worden! Ich war nicht nur geistig neu geboren, sondern ich fühlte mich, als ob ich körperlich neu geschaffen worden sei. Wie der Pro­phet aus alten Tagen sagt: „Und der Topf, den er aus dem Ton machte, missriet ihm unter den Händen. Da machte er einen andern Topf daraus, wie es ihm gefiel.“ (Jere­mia 18:4) Als ich mich umwandte, um ins andere Zimmer zu gehen, wo mein Mann stand und mich beobach­tete, kamen mir diese Zeilen eines Gedichtes in Erinnerung, das ich irgend­wo gehört hatte, aber an das  ich mich nicht vollständig erinnern konnte:

9-42„Vergeblich sehne ich mich nach dieser Musik,
Die ich nie mehr so erleben werde.
Nur der Tritte Schall ich zu hören wünsche’
Meiner eigenen Schritte auf der Erde.“

„Ich träume von den Tagen, die vorüber sind,
Als meine Lippen lernten erstmals was zu sagen
Von der Mutter Liebe zu ihrem Kind
Die es zärtlich lehrte, die ersten Schritte zu wagen.“

„Vergeblich sehne ich mich nach dieser Musik,
Die ich nie mehr so erleben werde.
Nur der Tritte Schall ich zu hören wünsche’
Meiner eigenen Schritte auf der Erde.“

 

Aber ich hörte jene Musik, ich konnte gehen, ich hörte „meine eigenen Schritte über die Erde gehen“. Selbstverständlich hielt ich mein Herz jeden Mo­ment zum Herrn erhoben, denn ich fühlte, dass die Wellen über mir zu­sammen­schlagen würden, wie zu alten Zeiten bei Petrus, wenn ich nur für einen Moment meine Augen von Ihm abwenden würde. So viele lie­be Freun­de fragten mich danach: „Wie hast du dich gefühlt, als das ge­schah? Er­zähl uns genau, wie du dich fühltest?“ Es gab nichts wirklich Un­ge­wöhn­liches daran, wie ich mich körperlich fühlte, ich fühlte mich ein­fach glück­lich und normal, aber es gab etwas, das in meinem Bewusstsein über alles andere hinausragte – und das war die „Nähe“, die ich zum Herrn emp­fand. Ich kann das nicht be­schrei­ben – ich fühlte einfach Seine Gegen­wart mit solcher Wirk­lichkeit, so nahe, dass ich nicht im Geringsten über­rascht gewesen wäre, wenn ich Ihn mit meinen natürlichen Augen gesehen hätte.

Die Glocke zum Abendessen läutete, und ich sagte zu Hjalmer: „Ich bin hungrig. Was kann ich zu essen bekommen?“ Und lächelnd über meine Ernsthaftig­keit antwortete er: „Nun ja, ich sollte annehmen, dass du essen kannst, was eine normal gesunde Frau essen könn­­te.“ „Na wunderbar,“ sagte ich, „ich werde ein richtiges Abend­essen essen, denn ich habe genug von bloßer „Nahrung „, denn in jenem Moment brachte Mary mein Glas voll 9-44flüssiger „Nahrung“ ins Zimmer und das Glasröhrchen, durch das ich immer getrunken hatte. Ich schaute es einen Moment an und nahm in meinem Herzen Abschied davon und sagte laut: „Da ist ein großer Unterschied zwischen wirklichem Essen und ‚Nah­rung‘, meint ihr nicht auch?“ Und was glaubt ihr, gab es zum Abend­es­sen? – Frikadellen, Sauerkraut mit Speck und Bratkartof­feln! Ich aß von Herzen jeden Bissen, der mir vorge­setzt wurde und fühlte mich nicht im Geringsten unwohl als Folge davon.

Jene Nacht schlief ich durchweg auf meiner linken Seite – ich schlief selig wie ein Kind. Mein Mann sagte, dass er einige Male in der Nacht an mein Bett kam, nur um jedes Mal den Herrn stärker lobend wieder wegzu­gehen, als er mich sah, wie ich zum ersten Mal seit Jahren ruhig und still auf meiner Seite schlief.

Über Nacht vom Sterbe­bett auf die Kanzel

Am nächsten Morgen ging ich zur Kirche und sprach zu den Leuten in der Ver­sammlung – in der Kirche, der mein Mann als Pastor vorstand. Ich war so abgemagert, dass jemand, nachdem ich mich zu Hause zum Kirchengang angezogen hatte, lachend bemerkte: „Du siehst aus wie eine wandelnde Vogelscheuche.“ Jemand anders sagte, ich sähe aus wie ein Ge­spenst und dass alles, was mir fehlte, die Grabtücher wären, um eine weitere Lazarus-Szene daraus zu machen. Das alles spielte für mich keine Rolle; wie ich aussah, küm­merte mich nicht. Ich war nur von dem einen Gedanken erfüllt und der war, dass Christus Wirklichkeit war und sich selbst an mir offenbart hat­te. Sein Wort war Wirklichkeit geworden und war an mir unbe­streitbar bewiesen worden; Gebet war real und es hatte mein ganzes Leben verändert. Von nun an standen mir somit die Quellen des Himmels zu meiner Verfügung, wenn ich das Leben führen würde, das Ihm gefiel. Das Leben schien mir offen zu stehen mit grenzenlosen Möglich­keiten; nie war es mir so wunder­bar, so gesegnet, so mit neuen Hoffnungen erfüllt erschienen, mit neuen Wünschen und dem Bewusstsein Seiner bleibenden Gegen­wart. Das Le­ben war ganz und gar verändert. Wenn jemand ge­sagt hätte: „Du hast eine große Segnung empfangen“ hätte ich ge­ant­wortet: „Ich habe IHN emp­fangen.“ Wenn sie gesagt hätten: „Du hast einen großen Se­gen bekom­men,“ hätte ich ge­ant­wortet: „Nein, ich habe den Segensgeber gefunden.“ Wenn sie gesagt hätten: „Du hast Errettung gefunden“, hätte ich erwidert: „Nein, ich habe den Retter gefunden.“ Es war alles Christus, ein kostbarer Freund, Tröster, Gefährte, der in mein Leben gekommen war. Der Se­gen, den ich in meiner Seele empfangen hatte, war weit größer als der, der meinem Körper widerfuhr. „Alle, die ihn berührten, wurden völlig gesund.“ (Mat­thäus 14:36) und ich wusste jetzt genau, was diese Schriftstelle mein­te, denn ich hatte Ihn berührt. Dies war keine ver­standes­­mäßige Therapie, keine clevere Psy­cho­logie, kein System der Hei­lung. Dies war einfach kindlich vertrauender Glaube, der sich ausstreckte und „DEN SAUM SEINES GEWANDES“ berührte.

ANMERKUNG: Hjalmer E. Berg macht folgende Feststellung: „Innerhalb von drei Wochen – gerechnet von dem Tag ihrer Heilung an –verrichtete sie alle ihre Hausarbeit, besuchte Kranke und sorgte stän­dig für andere. Nach etwa zwei Monaten war sie unterwegs in ausge­spro­chen christlichem Dienst.

Ich kann wahrhaftig sagen, dass sie seit jener Zeit – die nun viele Jahre her ist – die Arbeit von zwei Leuten gemacht hat und heute ist sie aktiver und trägt mehr Verant­wortung als jede durchschnittliche Person.“

Der Saum Seines Gewandes

9-46Als ich an jenem Morgen in die kleine Kirche eintrat, gab es dort ein aufge­regtes Flüstern, ver­haltenes Schluchzen hier und dort, denn Leute waren so bewegt, dass sie weinten, dann ein erwartungsvolles Schweigen, das sehr ange­spannt war. Nach einigen Worten über das, was ge­schehen war, bat mich Hjalmer zu sprechen. Mein Herz war zum Über­fließen voll, denn ich sollte die Gelegen­heit haben, über Jesus und Seine Macht zu reden; zu erzählen von Seiner wunderbaren Barmherzigkeit, Seiner Liebe und Be­reitschaft, Gebet zu beantworten. In meinem Herzen war eine starke Liebe für diese Menschen, für die Er ge­stor­ben war; ein starkes Verlangen, dass sie Ihn in all Seiner Fülle kennen lernen würden, wie ich Ihn kennen gelernt hatte. Ich, die ich vor so vielen Jahren vor den Leuten gestanden hatte ohne einen Ge­danken an Ihn und Seine Herrlichkeit, hatte jetzt nur ein Ver­langen und das war, dass sie „Christus immer besser kennen lernen; ich möchte die Kraft, mit der Gott ihn von den Toten auferweckt hat, an mir selbst erfahren und möchte an seinem Leiden teilhaben, sodass ich ihm bis in sein Sterben hinein ähnlich werde.“ (Philipper 3:10) Ich sah sie als hungrige Schafe, die nur Er allein sättigen konnte. Ich liebte sie mit solch einer Liebe, wie ich sie nie zuvor für die Mensch­heit gefühlt hatte. Einige dort kannten Ihn, auf die gleiche Weise, wie wir Ihn ge­funden hatten, andere nicht, und für diese hätte ich gerne mein Leben gegeben, damit sie Ihn finden würden. Die Leiden, durch die ich gegangen war, hatten mir zumindest ein gewisses Maß von einem „Golgatha-Herz“ ge­geben.

9-45Mein Herz war zu voll, um bei jenem ersten Mal viel sagen zu können, als mir die Gelegenheit gegeben wurde, für Ihn Zeugnis zu geben und von der wun­der­­baren Sache zu erzählen, die Er für mich getan hat­te, also öffnete ich meine Bibel und las von jener Frau in alten Tagen, die auch so viele Dinge erlit­ten hatte und gesund gemacht wurde, als sie Ihn dann berührte. „Und …es folgte ihm eine große Menschenmenge und sie bedrängten ihn. Da war auch eine Frau, die hatte seit zwölf Jahren eine Dauerblutung und hatte viel erlitten von vielen Ärzten und hatte ihren ganzen Lebensunterhalt dafür verbraucht, aber es hatte ihr nichts geholfen, sondern es war noch schlimmer mit ihr geworden. Als sie von Jesus hörte, kam sie in der Menschenmenge von hinten heran und berührte sein Gewand. Denn sie sagte: ‚Wenn ich nur sein Gewand berühre, werde ich gesund werden.‘ Sofort vertrocknete die Quelle ihrer Blutung; und sie spürte es am Leib, dass sie von ihrer Plage geheilt war. Auch Jesus spürte sofort an sich selbst, dass eine Kraft von ihm ausgegangen war, und wandte sich in der Menschenmenge um und sagte: „Wer hat meine Kleider berührt?“ Seine Jünger sagten zu ihm: „Du siehst, dass dich das Volk bedrängt, und sagst: ‚Wer hat mich berührt?’“ Da sah er sich um nach der, die es getan hatte. Die Frau aber fürchtete sich und zitterte, denn sie wusste, was an ihr geschehen war, kam und fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er sagte aber zu ihr: „Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden und sei geheilt von deiner Plage!“ (Markus 5:24-34)

Als ich dort stand, schien ich sie zu sehen, eng verwandt mit meinem eigenen Leben, leidend, sorgenvoll, wie sie sich durch die Menge drängte und dann erschöpft auf ihre Knie fiel und sich nach Ihm ausstreckte, als Er vorüberging. Ich wusste genau, wie sie sich fühlte – unwürdig, dass Er sich umdrehen und sie berühren sollte. Ich wusste, warum sie Ihn nicht um Heilung bitten oder Ihn laut anrufen konn­te, wie es andere taten; sie wartete einfach, bis Er ein wenig näher kam und dann streckte sie ihre Hand aus und berührte sanft „DEN SAUM SEINES GEWANDES“. Und ich sagte laut: „O Frau aus jenen vergan­ge­nen Tagen, ich weiß, ich verstehe es, denn auch ich habe ihn berührt;

„DEN SAUM SEINES GEWANDES.“

* * *

Brandt-V.-H.

Virginia and Hjalmer Berg

http://virginiabrandtberg.org/index.html

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Es ist für dich!

Das folgende Kapitel ist hier für jene geschrie­ben worden, die selbst einen bestimmten Schritt im Glauben unternehmen wollen. Wir fügen es hinzu in der Hoffnung, dass es euch einige praktische Vor­schläge geben möge in Bezug auf Glauben, der auch wirklich zu emp­fangen bereit ist.

„Denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott.“ (Römer 2:11) Wirst DU dich hinauswagen auf die Verheißungen Gottes? Kannst du dich nicht als Christ, auf Seine Verheiß­ungen gestützt, hinaus­wagen zu neuen Horizonten des Glaubens und der Segnungen? Kannst du dich nicht hinauswagen und höhe­re Gipfel er­klimmen? Bist du so ängstlich – fehlt es dir so an Mut, – dass du nicht auf Gottes Verheißungen gestützt aus­schreiten kannst, um alles, was du hast, auf ihre Zuverlässigkeit zu setzen? Ganz egal, ob Petrus für einen Moment in den Wellen versank, wenigstens hatte er den Mut, sich hinaus­zu­wa­gen. Wer­den wir immer innerhalb der gleichen, kleinlich limitierten, fest um­ris­senen Gren­zen blei­ben? Wenn wir uns nicht hinauswagen und Sein Wort auf die Probe stellen, werden wir nie wissen, was Er mit den „großen und gewal­tigen Dingen“ meint, von denen Er in Jeremiah 33:3 spricht, „Ru­fe mich an, dann werde Ich dir ant­wor­ten und werde dir große und gewaltige Dinge zeigen, von denen du nicht weißt.“ Sein Wort sagt, dass Er dich „auf weiten Raum“ stellen will; Er wird dir „Neues“ sagen. (Psalm 31:9; Jesaja 48:6)

Aber du sagst: „Wie kann ich diesen Glauben der Hindernis überwindet bekommen? Wie kann ich diese Verheißungen für mich anwenden? Wie kann ich sie ausprobieren?“ Wir geben dir auf den folgenden Seiten kurzgefasst eini­ge praktische Vorschläge, „wie man Dinge von Gott bekommt“.

ERSTENS: BEGINNE MIT EINEM REINEN HERZEN!

Es ist nicht schwierig nachzuvollziehen, dass man, um von Gott Ant­worten auf sein Gebet zu bekom­men, die richtige Einstellung im Herzen und ein unbelastetes Gewissen haben muss. Jede nicht ein­gestandene Sünde im Leben wird den Glauben behindern. Alles, was Gott nicht hingegeben ist, wird vor dich treten und dich in Zeiten der Prü­fung stark anklagen. Aber lass dich dadurch nicht entmutigen, denn Gott ver­langt keine Voll­kommenheit. Er fragt nur danach, dass wir unseren Willen auf Seine Seite stellen, dass wir von ganzem Herzen versuchen, das Beste zu tun, das wir können. Das ist der Punkt, über den viele stolpern und sagen: „Ach, ich bin nicht gut genug, andere mögen das verdienen, aber nicht ich.“ Und doch gibt es in ihrem Herzen ein tiefes Ver­langen danach, das Richtige zu tun und eine große Sehnsucht, dem Herrn zu gefallen. Dies ist alles, was Er ver­langt; eine völlige Hingabe, ein gänzliches Ergeben, ein alles auf den Altar legen. Dann wird Er den Rest tun. Lasst uns mit dem David aus alter Zeit aus­rufen: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“ „Prüfe mich, Herr, und erprobe mich, erforsche meine Nieren* und mein Herz!“ (Psalm 51:12; 26:2) (*Die Nieren gelten als Innerstes des Menschen und Sitz des Gewissens. Wie die Nieren unterscheiden zwischen Nutz- und Schadstoffen, so das Gewissen zwischen Gut und Böse. Vgl. auch Ps 7,10; 73,21; 139,13.)

ZWEITENS: BEREITE DICH GRÜNDLICH VOR – LERNE VER­HEISSUNGEN AUSWENDIG!

Wenn wir Gott um etwas bitten, ist es unbedingt notwendig, dass wir uns auf die Autorität Seines Wortes berufen können. Wir müssen Seine Verheißungen ergreifen und sie nicht nur auswendig lernen, sondern sie tief in unserem Herz vergraben – in unserem Dasein ver­wurzeln. Wir müs­sen die Autorität in Gottes Wort finden und dann wird der Glaube von allein kom­men. Du kannst niemals genug Glauben für etwas haben, wenn du nicht sicher bist, dass Gott dir die Autorität gegeben hat darum zu bitten; es kann nicht genug betont werden, wie wichtig es ist, einige der herausragendsten Verheißungen auswendig zu lernen. Hier sind ein paar, die seit Jahren vielen Glaubenskämpfern große Hilfe geleistet ha­ben. Ich gebe die Textstellen an und du kannst sie für dich selbst nach­schlagen und markieren und vielleicht auch in ein kleines Notizbuch schreiben, das dir beim auswendig lernen und wiederholen hilft:

Markus 11:24, Markus 9:23, 1.Johannes 5:14-15 und Je­remiah 33:3

Du magst vielleicht nicht in der Lage sein, eine große Anzahl von Verheißungen auswendig zu lernen, aber selbst ein paar wenige werden in Zeiten der Not deinen Glauben so stärken, dass du dich fragen wirst, wie du zuvor ohne sie zurechtkommen konntest. (Anmerkung: Das Büchlein Schlüsselverse der Bibel, in dem du wichtige Verse nach Kategorien angeordnet finden kannst, kann bestellt werden.Fordere es einfach unter Kommentare an.)

DRITTENS: SEI BESTIMMT UND DEFINITIV!

Es muss Bestimmtheit in unseren Verhandlungen mit Gott liegen. Er ist sehr bestimmt, sehr genau mit uns gewesen und hat uns sehr genaue Ver­heißungen gegeben und sie in sehr genauen Ausdrücken fest­gelegt – so einfach, dass sie ein Kind verstehen kann. Du musst definitiv mit Ihm sein. Wir sind genau in unseren Geschäftsverhand­lun­­gen mit anderen Menschen – besonders in irgend­einer wichtigen Sache, die etwas mit Geld zu tun hat. Wie bedächtig wir mit dem Wortlaut darin sind, um es völlig klar zu machen! Wir sagen, wir schließen „ein Geschäft ab mit einer Person“, oder wir „schlie­ßen den Handel ab“, und es kommt der Zeit­punkt, wo wir unsere Unterschrift unter einen Vertrag setzen und auf sehr bestimmte Weise den Handel ab­schließen. Dementspre­chend genau müssen wir sein, wenn wir einen „Handel“ mit Gott machen. Es muss einen bestimmten Zeit­punkt geben, an dem wir sozusagen unseren Namen auf eine ge­strichelte Linie unter Seine Ver­heißungen setzen, Ihn beim Wort nehmen und den Handel ab­schließen. In dem Moment ist es getan – wir beschließen die Sache und betrachten es für alle Zeit als erledigt. Unsere ganze Haltung ist verändert – Hoffnung hat sich in Glauben verwandelt. Glauben – der Glaube in Dinge, die man NICHT sieht. Ach, was für ein Jammer, dass wir einen Menschen so leicht beim Wort nehmen kön­nen und so bestimmt in unseren Verhand­lun­gen mitein­ander sein können und dennoch so unbestimmt in unseren Verhandlungen mit Gott – so lasch, halbherzig, zögernd, als ob Gebet irgendeine Art von Formsache ist, die man durchgehen muss, aber ohne irgendeine reale Bedeutung. Lasst uns BESTIMMT UND DEFINITIV mit Gott sein!

VIERTENS: ERWARTE VON GOTT!

Es gibt mehr Versagen im Gebetsleben als in ir­gendeiner an­deren Hin­sicht, aus einem einfachen Grund: wir schicken so viele Bitten ab­, aber warten nie auf die Antworten – senden sie wieder und wieder hoch, aber senden sie ohne irgendeine wirkliche Erwartung, die Antworten je zurück zu bekom­men, bis die Muskeln unserer Seele schlapp werden, weil unser Vermögen zu empfangen nicht geübt wurde.

Es gibt zwei Arten von Christen: Jene, die beten und wirklich er­warten, dass etwas passiert und jene, die einfach beten, aber nicht erwarten, dass irgend etwas geschieht. Gebet ist zuerst einmal ein Mittel zum Zweck; eine Verbindung zwischen menschlichen Nöten und göttlichen Quellen; der Schrei des Kindes nach seinem Vater, mit der ER­WARTUNG, dass das große Vaterherz noch viel lieber gibt, als wir zu empfangen bereit sind.

Es gibt einige der vorbildlichsten Christen, in deren Leben du kaum einen schwachen Punkt fest­stellen kannst. Dennoch bekommen sie selten Dinge von Gott, weil sie einfach in dieser Hinsicht versagen; ihnen fehlt diese Erwartung; sie wissen nicht das Geringste über dieses mächtige Prinzip des Glaubens. Bei ihnen ist Liebe zu Gott vorhanden, auch ein tiefes Vertrauen in die Bibel, dass sie wahrhaf­tig das Wort Gottes ist, aber was irgendwelche tatsächliche Erwartung anbetrifft, ist dort nichts zu finden. Wie traurig – wie muss es das Herz des allmächtigen Gottes schmerzen, dass Sein Kind wieder und wieder und wieder betet, aber nie eine echte erwarten­de Haltung ein­nimmt!

FÜNFTENS: NIMM VON GOTT AN!

„Alles was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr es bekommt, dann werdet ihr es erhalten.“ (Markus 11:24) Das Stichwort ist: BITTEN – GLAUBEN“ Es ist einfach erstaun­lich wie viele Leute, nachdem sie zu Gott gebetet haben, dass Er das Geben erledigt, tatsächlich er­warten, dass Er auch das Annehmen über­nimmt! Wir wol­len, dass Er, ohne die geringste Anstrengung unsererseits, herun­terkommt und es in unseren Schoß legt; und dies wird Er tun – aber zu Seinen eigenen Bedingungen und jene Bedingungen sind: „GLAUBT NUR, DANN WERDET IHR ES ERHALTEN!“ Er hat ein Recht, Seine eige­nen Bedingun­gen festzusetzen und was könnte er weniger ver­lan­gen, als dass wir Ihn ehren, indem wir Seinem Wort glauben und vertrauen? Sein Wort sagt nicht, dass es ohne voll­kommen zu sein unmöglich sei, Gott zu gefallen, sondern es sagt, dass es „ohne GLAU­BEN unmöglich ist, Ihm zu gefallen“. (Hebräer 11:6) Wenn heute in deinem Herzen der Wunsch ist, Gott zu gefallen, ehre einfach Sein Wort, indem du für etwas Glauben aufbringst, das durch dich selbst zu erreichen dir unmöglich ist. Mach einfach einen Schritt des Glaubens ins Unmögliche! „Der Glaube ist eine Wirklichkeit (Besitzurkunde) dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebräer 11:1) Aber zu warten, bis man SIEHT, das ist KEIN Glaube. Entscheidend ist hierbei nicht, was wir sehen, denn „der Gerechte wird aus Glauben leben“ (Rö­mer 1:17); es kommt nicht darauf an, was wir empfinden, sondern was der Glaube in Anspruch nimmt: Und es kommt auch nicht darauf an, was wir darüber denken, es zählt nur, was Gott darüber sagt. Glaube stellt die Sache in die Vergangenheit und sieht es als getan an; es ist einfach getan, weil Gott es sagt – wir haben es jetzt. „Aber“, sagst du, „ich kann es nicht sehen, ich kann es nicht an­fassen, daher weiß ich nicht wirklich, dass ich es erhalten habe.“ Aber wir WIS­SEN es, weil Gott ES GESAGT hat, und Sein Wort ist genug. Wir glau­ben, nicht weil ir­gendeiner der Sinne es bezeugt, sondern wegen Got­tes Zeugnis. „Gott ist wahrhaftig und alle Menschen sind Lügner!“ (Römer 3:4) Ich weiß, wie stark das natürliche Ver­langen ist, irgendeinen sichtbaren Beweis zu haben, dass unserer Bitte entsprochen wird, aber irgendeinen anderen Be­weis als Gottes Wort haben zu wollen, ist nicht Glaube; der Mann oder die Frau, die im Glauben leben, brauchen keinen ande­ren Beweis als diesen.

Ist dir klar, dass es eine Zeit gibt, in der es verkehrt ist zu beten? Wenn es unverträglich ist, den Herrn noch länger zu bitten? „STEH AUF! Warum liegst du so auf deinem Gesicht?“ (Josua 7:10) Diese Schriftstelle erklärt sich von selbst: Der Mann dieser Bege­ben­heit hatte Gott so lange um den Wunsch seines Herzens gebeten – und wie wir lesen scheint es, dass er mit dem Beten weiter machte, noch lange, nachdem Gott ihn gehört und die Antwort auf den Weg geschickt hatte – und so er­mahnte ihn der Herr, dass er nicht noch länger verweilte und deutete sehr ent­schie­den an, dass es Zeit für ihn war auf­zu­stehen und sich um seine An­ge­le­gen­heiten zu kümmern, denn er war ge­hört worden, und es war nicht nötig, dass er noch länger betete, soweit es den Herrn anbetraf. Ohne Zweifel kommt die Zeit, wo noch länger zu beten UNGLAUBE ist. Es gibt so etwas wie SICH SELBST AUS DEM GLAUBEN ZU BETEN. Lasst uns Ihn bei Seinem Wort nehmen und DIE SACHE ALS GETAN ANSEHEN! Und es ist getan, weil Er es sagt!

SECHSTENS: HALTE STAND – BEHAUPTE DEINE STELLUNG!

Es heißt, wir sollen „alles gut ausrichten und das Feld behalten [Standhalten]“ (Epheser 6:13) Das Feld behalten oder standhalten bedeutet, unseren Boden zu vertei­digen, nicht nach­zu­geben oder zu flie­hen. Jemand, der etwas von Gott be­kommt, nimmt eine Verheißung aus Seinem Wort ernst und besteht darauf. Von dem Moment an rechnet er voll damit, ganz egal, was geschieht, nachdem er die Ver­heißung in Anspruch genommen hat und obwohl er vielleicht nicht einmal einen Meter nach vorn sehen kann, segelt er trotzdem in blindem Vertrauen. Er sagt: „Ich berief mich auf eine Verheißung vom Herrn, und ich verlasse mich immer noch darauf, ganz egal, ob ich in völliger Dunkelheit segle.“ Er schaut nicht auf die Wellen, den Nebel oder den Sturm – die Um­stände – er hält seine Augen einfach auf die Ver­hei­ßungen der Schrift gerichtet: „Er war völlig überzeugt, dass, was er verheißen hat, das kann Er auch tun.“ (Römer 4:21) wie jemand gesagt hat: „Für jeden Blick auf deine Probleme, blick ein Dutzend Mal auf die Verheißungen Gottes.“

SIEBTENS: SETZE DEINEN GLAUBEN IN DIE TAT UM!

Wer etwas von Gott erwartet, wird SEINEN GLAUBEN AUCH LEBEN. Jakobus 2:17-26: „Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot!“ Was ist ein toter Glauben? Es ist ein Glaube, der nicht FUNKTIONIERT! Es ist ein Glaube, der nicht WIRKSAM ist. Wirkli­cher Glaube ist nicht passiv, er wird nach dem handeln, was er glaubt, er ist etwas Prak­tisches – er erwartet nicht von Gott das zu tun, was nur wir selbst tun können. Ein glaubender Mensch handelt nach seinem Glauben. Wenn er Gott um etwas gebeten hat, handelt er, als ob er es bekommen hat.

Wenn er Gott bei Seinem Wort nimmt, bei irgend­einer Ver­heißung, ver­wandelt sich das Wort in Taten, soweit es ihn betrifft, und er handelt ge­nauso, als ob er die Sache, die er sich wünschte, schon bekommen hätte, (die er im Glauben wirklich hat), obwohl die natürlichen Sinne auf Schritt und Tritt ver­leugnen, was der Glaube als wahrhaf­tig erkannt hat.

Eine glänzende Illustration dieses Ge­dankens ist in der Bibel selbst gegeben, im Fall der Aussätzi­gen, denen von Jesus gesagt wurde, sich den Priestern zur Reinigung zu zeigen; die Schrift sagt: „Und es geschah, INDEM SIE GINGEN, wurden sie GEHEILT. (Lukas 17:14 – KJV) Das bedeutet, als sie ihren Glauben in die Tat umsetzten, kam ihnen Gott entgegen. Wenn wir den Versuch eines glauben­den Willens machen, ehrt Gott diesen Schritt und kommt uns entgegen. Im Fall des Mannes mit dem verdorrten Arm sagte Jesus: „Strecke deine Hand aus.“ (Markus 3:1-5) Es war für den Mann tatsächlich un­möglich, seine Hand auszustrecken, aber als Christus es befahl, machte er den Versuch und seine Hand wurde voll­ständig geheilt.

Der Sitz des Glaubens ist im Willen und ich habe herausge­fun­den, dass Gott ganz bestimmt von uns erwartet, dass wir unseren Glauben in die Tat umset­zen. Jemand hat gesagt: „Wenn der Glaube zum Markt geht, nimmt er einen Korb mit.“ Wie die alte Dame, die auf dem Weg zu einem Gebets­treffen war, wo sie um Regen beten wollten, weil es gerade eine Dürre gab und es sehr heiß und trocken war. Während sie einen Fächer mit sich trug, wurde sie für ihren kleinen Glauben beschämt, als sie auf dem Weg zum gleichen Treffen ein kleines, achtjähriges Mädchen traf, das darauf bestanden hat, Gummistiefel, Regenmantel und einen Schirm mitzunehmen! Dieses einfache, vertrauende Kind setzte ihren Glauben in die Tat um.

ACHTENS: DANKE IHM FÜR DAS GESCHENK!

Danke Ihm jetzt schon für die Antwort! Lobe Ihn für Seine Treue! Das Päckchen ist noch nicht an deiner Tür abgegeben worden, aber du hast den Handel mit Ihm über das königliche Telefon abge­schlos­sen und in deinem Herzen ist eine treue Zuversicht und ein Ver­trauen in Seine Ver­heißungen, während du darauf wartest, dass die Türglocke klingelt! Dies ist einer der schönsten Verse in Gottes Wort: „Denn wir, die wir glauben, gehen in die Ruhe ein.“ (Hebräer 4:3) Wir began­nen mit Gebet, doch wir schließen mit Lob. „Gelobet sei der Herr, der seinem Volk …Ruhe gegeben hat, ganz wie er verheißen hat. Es ist nicht eins ausgeblieben (hat versagt) von allen seinen guten Worten,“ (1. Kö­ni­ge 8:56) „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Matthäus 24:35) „Denn alle Gottesverheißungen sind Ja in Ihm und sind Amen (so sei es) in Ihm, Gott zur Ehre durch uns.“ (2. Korinther 1:20)

Möchtest DU nicht auch die Hand des Glaubens ausstrecken und DEN SAUM SEINES GE­WANDES BERÜHREN?

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Geistige Grundlagen

Jesaja 53:4-5:    „Wahrlich, er trug unsere Krankheit und lud unsere Schmerzen auf sich. … und durch seine Wunden sind wir geheilt!«

Matthäus 8:16–17    „… und machte alle Kranken gesund, damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja gesagt wurde: „Er hat unsere Schwachheit auf sich genommen, und unsere Krankheit hat er getragen.“

Matthäus 14:36b    „Und alle, die ihn berührten, wurden völlig gesund.“

Markus 16:15–18    „Und er sagte zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung. Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Die Zeichen aber, die denen folgen, die glauben, sind folgende: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, mit neuen Sprachen reden, Schlangen aufheben; und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, und sie werden gesund werden.“

Johannes 14:12   „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater.“

Jakobus 5:14;15   „Wenn jemand unter euch krank ist, soll er die Gemeindeältesten zu sich rufen, damit sie über ihm beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden.“

3.Johannes 2   „Geliebter, ich wünsche, dass es dir in jeder Hinsicht gut geht und du gesund bist, so wie es deiner Seele gut geht.“

Römer 8:11          „Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch den Geist, der in euch wohnt.“

Psalm 103:2,3      „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilt alle deine Gebrechen!“

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