Das Mitternachts-Wunder

In verschiedenen Bibelstudien habe ich in den vergangenen Wochen einiges darüber gepostet, wie wahres Christentum schriftgemäß  aussehen sollte. Was zum lebendigen Christentum auch gehört, sind beantwortete Gebete und auch wie das Christentum die Welt verändert hat und es noch immer tut. Darüber möchte ich in nächster Zeit einiges berichten, was bestimmt eine Inspiration für viele sein wird, und den Glauben stärken kann.

Ich möchte mit einer Geschichte beginnen, die ich schon vor Jahren veröffentlicht habe, aber bestimmt nicht von jedem gelesen wurde:

Mittlerer Osten 2006

Das Mitternachts-Wunder

Sandra Sanders

Es war schon kurz nach Mitternacht als Michael, Joy und ich nach einem Besuch bei Freunden mit dem Taxi auf dem Nachhauseweg waren.

Plötzlich prallte ein Motorrad, das aus der Gegenrichtung kam, gegen die Mittelleitplanke, flog über unser Taxi hinweg und landete hinter uns. Der Fahrer wurde bei dem Aufprall vom Motorrad geschleudert und landete direkt vor uns auf der Fahrbahn. Unser Taxifahrer schaffte es gerade noch rechtzeitig anzuhalten.

Einen Moment waren wir alle wie betäubt, realisierten dann aber sehr schnell, dass der auf der Straße liegende Mann schwer verletzt war. Wenn wir ihm nicht helfen würden, wer dann? Um diese Uhrzeit war kaum noch ein Auto unterwegs.

Dann hörte ich des Herrn Stimme zu mir sprechen. Beweg Dich! Mach jetzt genau das, was ich dir sage. Ich hatte mich schon oft gefragt, wie ich wohl in so einer Situation reagieren würde, und gerade deshalb war es wunderbar beruhigend, die Stimme des Herrn so klar zu hören.

Ich bat Joy und Michael, für den Mann zu beten, während ich nach jemandem Ausschau hielt, der einen Krankenwagen rufen könnte. Die umliegenden Häuser waren alle dunkel und von Zäunen und Mauern umgeben – keine leichte Aufgabe, von dort zu dieser späten Stunde Hilfe zu bekommen – also versuchte ich das nächste Auto, das vorbei kam, anzuhalten. Aber es fuhr vorbei. Und das nächste ebenfalls. Endlich kam ein drittes Auto. Mittlerweile sprang ich mitten auf der Straße herum und schrie, das Auto solle anhalten. Das tat es Gott sei Dank auch. Einer der beiden Insassen hatte ein Handy dabei und rief einen Krankenwagen. Ich rannte zurück zu Michael und Joy, die immer noch betend bei dem Mann auf der Straße kauerten.

Ich glaube, ich habe noch nie jemanden so ernsthaft verletzt gesehen, außer in Filmen. Überall war Blut. Das Gesicht des Mannes und eines seiner Beine waren durch den Aufschlag auf dem Asphalt und dem über die Straße rutschen stark aufgeschürft. So abgeknickt, wie das Bein lag, waren wir sicher, dass es gebrochen war. Außerdem hatte er einen Zahn verloren und seine Augen waren schon schwarz und geschwollen. Später fanden wir heraus, dass auch sein Becken gebrochen war. Er war bei Bewusstsein, aber es war fast nur Unzusammenhängendes, das er unter Schmerzen, Gott auf Arabisch um Hilfe anflehend, schrie.

Ich bin sicher, es war der Herr, der mir half, meine Aversion gegen Blut, Schmerzen und Leiden zu überwinden, denn normalerweise bin ich da äußerst empfindlich. Allein, dass ich ruhig bleiben und klar denken konnte, als wir versuchten, dem armen Mann zu helfen, war schon ein Wunder.

Äußerst vorsichtig schob ich meine Handtasche unter seinen Kopf und begann über sein Haar zu streichen, während ich betete und versuchte, ihn zu beruhigen. „Es wird alles gut. Gott liebt dich und Jesus liebt dich“, flüsterte ich ihm ins Ohr. „Hilfe ist unterwegs. Halte durch.” Michael sprach Arabisch mit ihm. Der Mann hatte offensichtlich starke Schmerzen, wurde aber allmählich viel ruhiger.

Die nächsten 10 oder 15 Minuten erschienen uns wie eine Ewigkeit, während wir auf Polizei und Krankenwagen warteten. Wir wussten in Anbetracht der Schwere seiner Verletzungen, dass wir ihn nicht bewegen sollten, deshalb gab es wenig, was wir für seinen Körper tun konnten. Betet für ihn und tröstet seine Seele, gebot uns der Herr immer wieder. Das ist jetzt das Wichtigste. Also beteten wir für ihn.

Die Polizei erschien zuerst, dann endlich der Krankenwagen. Als einer der Krankenpfleger den Mann nach seinem Namen fragte, schaffte er es, das heraus zu bringen – Nasseem. Wir erfuhren auch, zu welchem Krankenhaus er gebracht werden sollte.

Am nächsten Tag besuchten wir Nasseem dort. Sein Zustand war immer noch kritisch, aber das Personal der Intensivstation ließ uns zu ihm. Ein Bruder von Nasseem war auch bei ihm, dem wir unsere mitgebrachten Blumen und inspirierendes, aufbauendes Lesematerial überreichten, damit er es Nasseem später geben  konnte. Wir hatten den Eindruck, dass Nasseem während unseres Besuches entweder bewusstlos oder am Schlafen war, aber als Michael seinen Arm berührte um sich zu verabschieden, flüsterte er auf Englisch: „Danke, dass ihr gekommen seid.“

Ein paar Tage später besuchten wir ihn noch einmal und verbrachten einige Zeit mit ihm und seiner Familie, die um sein Bett versammelt war. Wir berichteten von dem Unfallhergang und wie wir für Nasseem gebetet hatten und dass wir glaubten, dass Gott alles so arrangiert hatte, dass wir genau zu dem Zeitpunkt bei ihm sein konnten. Es bestärkte seinen Glauben, als wir ihm erzählten, dass er Gott um Hilfe gerufen hatte und wir glaubten, dass Gott sein Gebet erhört hatte. Er konnte sich an nichts mehr erinnern – nur dass er Motorrad gefahren und am nächsten Tag im Krankenhaus aufgewacht war.

„Dieser Vorfall hat uns zusammengefügt“, sagte Nasseems Vater mit Tränen in den Augen. „Wir müssen für immer gute Freunde bleiben!“

Wir wissen nicht, was der Herr alles in dieser Nacht getan hat, um Nasseems Leben zu retten, aber wir hatten für ein Wunder gebetet und haben eins bekommen – tatsächlich sogar zwei. Nasseem lebt und erholt sich gut, und Gott arbeitet an einem weiteren Wunder in Nassems Herzen, indem er ihm hilft, seine Liebe und Gnade besser zu verstehen und zu schätzen.

Sandra Sanders ist Mitglied von The Family International im Mittleren Osten

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Wie oft hören wir davon, dass Menschen in Notsituationen nur vorbeigingen mit einer geht-mich-nichts-an oder einer da-mische-ich-mich-nicht-ein Einstellung. Umso mehr ist es wichtig für Christen, darin nicht genauso zu handeln, sondern unser Licht, wie die drei im obigen Zeugnis, leuchten zu lassen, indem wir gebetsvoll sind und Menschen mit Verständnis, Geduld und Liebe in jeder Situation begegnen.

Dazu noch Gedanken zum zu Herzen nehmen, was auch eine Fortsetzung von unserer Studie über Christliche Charakterbildung ist:

Ein Appell an das Mitgefühl

Maria Fontaine

Gottes Wort lehrt uns, Liebe ist das Wichtigste in unserem Umgang mit Menschen. Wenn wir gelernt haben zu beten, zu bezeugen (anderen von Jesus zu erzählen) oder eine Wohlfahrtsarbeit zu organisieren, ohne gelernt zu haben, Liebe zu zeigen, dann nützt uns das nichts. (1.Korinther 13,3)

Wenn wir andere lieben, wie wir uns selbst lieben und unser Leben für die Brüder geben, wie wir als Seine Jünger zu handeln berufen sind, scheint es klug zu sein, eher einen Fehler im zu verständig sein zu machen, als zu hart und zu kritisch mit ihnen umzugehen. (Matthäus 22,39; 1.Johannes 3,16) Beim letzteren beurteilen wir sie dabei möglicherweise falsch und machen die sehr schwierige Zeit, die sie vielleicht schon durchlaufen, noch schwieriger. Der Herr wird jedem  von uns die Lektionen lehren, die wir brauchen, auf die liebevollste Weise, die nur Er am besten kennt. Aber wenn wir Menschen mit Mitgefühl behandeln, haben wir ihnen Liebe und Rücksicht gezeigt, auch wenn sie es aus unserer begrenzten Perspektive heraus scheinbar nicht verdienten.

Ist es nicht das, was Gott täglich mit uns macht – ständig unverdiente Barmherzigkeit und Liebe zu jedem von uns, Seinen unwürdigen und oft unberechenbaren Kindern zu zeigen? Wenn jedes Mal, wenn wir versuchten uns vor etwas zu drücken, oder Seinen Willen umgingen, oder einen Fehler machten, es vermasselten oder ein Chaos verursachten, Er uns eines überziehen würde und uns fertig machte und uns für unser Versagen ausscheltete, könnten wir das nicht ertragen. Wenn Gott uns das ganze Gewicht des Gesetzes auferlegt hätte, als wir es gebrochen haben, wären wir heute nicht mehr da.

Sich von Zeit zu Zeit einige essenzielle Fragen zu stellen, ist wichtig: Wie oft zeige ich kritisch mit dem Finger auf jemanden, ohne alle Fakten zu kennen oder ohne anzuhalten, um mich „in ihre Lage zu versetzen“ oder mich „in ihre Haut zu stecken“? Wie oft zeige ich anderen einen Mangel an Liebe durch Kritik, Ungeduld, Unverständnis oder Verdammung?

Denke an die Zeiten, in denen du in irgendeiner Weise hart oder unfreundlich zu jemandem warst, ihn kritisiert oder ihn in irgendeiner Weise verletzt hast. Hättest du anders gehandelt, wenn du gewusst hättest, dass sie morgen nicht mehr bei dir sein würden? Und was ist mit denen, die mit mangelnder Sorge und mangelndem Verständnis behandelt wurden, denen, die am nächsten Tag tatsächlich gestorben sind? Die starben ohne Hoffnung, ohne Glauben, weil sie das Gefühl hatten, dass die Liebe verschwunden war.

Ihr Lieben, seien wir ehrlich, wir hassen es, an diese Dinge zu denken; es tut sehr weh, aber, wenn wir vielleicht aus unseren Fehlern lernen können, werden wir sie hoffentlich nicht wiederholen.

Wirst du dich jetzt sofort voll und ganz dafür einsetzen, dich aufrichtig und von ganzem Herzen zu bemühen, andere zu lieben, wie Jesus dich geliebt hat, sie zu lieben, weil:

„die Liebe Christi dich drängt“ – 2.Korinther 5,14;

Jesus durch dich durchscheinen zu lassen, um Sein Mitgefühl, Seine Sorge und Sein Verständnis zu zeigen?

Würdest du es zu deinem täglichen Gebet machen, zu sagen: „Jesus, bitte hilf mir, heute Liebe zu haben für diejenigen, mit denen ich arbeite, für diejenigen, die ich unterrichte, für diejenigen, mit denen ich rede. Wenn ich heute auch nichts anderes vollbringen sollte, hilf mir, jeder Person, der ich begegne, Liebe gezeigt zu haben – eine Umarmung oder eine Berührung für diejenigen, die Ermutigung brauchen; Mitgefühl für diejenigen, die wissen müssen, dass ich sie verstehe; Geduld für diejenigen, die verwirrt und verzweifelt sind; Weisheit für diejenigen, die das Bedürfnis haben, ihr Herz auszuschütten, aber nicht wissen, wie; Toleranz mit denen, die sich nicht genug zu bemühen scheinen; Gebet für diejenigen, die belastet sind; liebevolle Fürsorge und Verständnis für diejenigen, die krank sind; eine helfende Hand für diejenigen, die mit einer Aufgabe kämpfen.“

Wenn du nicht herausfinden kannst, was jemanden gerade beschäftigt, und du versucht bist, ihn zu kritisieren oder zu beschuldigen für das, was für dich wie körperliche, emotionale oder geistige Probleme aussieht – oder welche Art von Problemen sie auch immer haben mögen –, dann bitte den Herrn, dir zu helfen, dich nicht auf dein eigenes Verständnis zu verlassen. Bitte Ihn, dir zu helfen, Seinen barmherzigen Standpunkt zu vertreten und die Situation zu verstehen. Wir haben einen großen Gott, der liebt und sich um uns kümmert und dem es große Freude bereitet, unsere Fragen zu beantworten und uns zu leiten. Bitte Ihn, dir zu zeigen, was tatsächlich los ist und wie du möglicherweise helfen kannst, und Er wird es tun.

„Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei bleiben. Aber am größten ist die Liebe.“ – 1.Korinther 13,13

Mein größter Wunsch für jeden von uns wäre, dass wir alle inbrünstige Liebe zu anderen haben, dass wir andere so lieben können, wie Jesus uns geliebt hat. (1.Petrus 4,8; Johannes 13,34)

„Eure Liebe zueinander wird der Welt zeigen, dass ihr meine Jünger seid.“ – Johannes 13,35 – Liebt nicht nur für eine Stunde oder nur für einen Tag, sondern immer.

Lieber Gott, mögen wir eine Liebe haben, die nie aufhört, sich zu kümmern und zu sorgen, eine Liebe, die nie loslässt, eine Liebe, die auch in harten Zeiten beständig ist Liebe, die andere mitreißt, die über den Tellerrand hinausschaut. Liebe, die erduldet, die trägt, die heilt. Liebe, die sich nicht erschöpft, die keine Grenzen kennt.

Lasst uns eine Verpflichtung eingehen, täglich dafür zu beten, dass Jesus jeden von uns mit Seiner Liebe erfüllt, damit wir Seinen heilenden Balsam über alle, denen wir begegnen, ausgießen können und damit wir andere so behandeln können, wie wir wollen, dass sie uns behandeln. Lasst uns beten, dass Er uns Seinen Geist und Sein Herz gibt, die beide liebevoll, fürsorglich, mitfühlend, verständnisvoll, besorgt, freundlich und aufopfernd für das Wohlergehen der anderen sind.

Jesus sagte: „Der Menschensohn ist gekommen, um Verlorene zu suchen und zu retten. … Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich euch.“ – Lukas 19,10; Johannes 20,21

Das kleine Schaf, das in den Dornensträuchern verloren geht, kann jeder deiner Brüder, Schwestern, Freunde, Bekannten, Mitarbeiter oder Nachbarn sein, der oder die sich in Entmutigung, Verwirrung, Verdammnis, Zweifel, Müdigkeit, Schmerz verstrickt haben könnte.

Kannst du den Auftrag Jesu annehmen, die Kranken zu heilen, die Aussätzigen zu waschen, die Toten wiederzuerwecken? Die Kranken in Körper und Geist durch deine liebevollen Worte heilen, Zweifel und Schuldgefühle durch deine verständnisvolle Liebe vertreiben, die „Toten“ wieder auferwecken, deren Hoffnung gestorben ist, indem du ihnen gegenüber Glauben und Vertrauen ausdrückst. Reinige die „Aussätzigen“, die sich unrein, unwürdig, nicht anerkannt oder unvollständig fühlen, durch deine bedingungslose Liebe und Annahme.

„Teilt eure Gaben genauso großzügig aus, wie ihr sie geschenkt bekommen habt!“ – Matthäus 10,8

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Ursprünglich erschienen im September 1994. Angepasst und  im März 2019 neu veröffentlicht bei https://anchor.tfionline.com/de/post/wie-ist-der-himmeleigentlich/

 

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