Ich will dich lieben

Ich habe vor Jahren einmal auf einem Flohmarkt ein altes Gesangbuch von 1883 gefunden und war so erstaunt, (ich war so erstaunt, weil ich mich mit solch alten Liedern nicht so auskenne) wie viele Lieder ich fand, in denen die Liederdichter ihre Liebe zu Jesus in Worten ausdrückten. Es ist ein altes deutsch, aber ich möchte euch einige der Lieder oder einzelne Verse hier aufführen und hoffe, es wird auch euch begeistern. Ich möchte sie aber auch hier aufführen, um zu zeigen, dass Jesus zu ‚lieben‘ und ein liebendes Verhältnis zu Ihm zu haben nicht nur eine Sache von Mystikern ist, sondern eines jeden gläubigen Christen.

Ich will dich lieben, meine Stärke

Johann Scheffler, 1657

Ich will dich lieben, meine Stärke,
Ich will dich lieben, meine Zier,
Ich will dich lieben mit dem Werke
Und immerwährender Begier;
Ich will dich lieben, schönstes Licht,
Bis mir das Herz im Tode bricht.

2. Ich will dich lieben, o mein Leben,
Als meinen allerbesten Freund;
Ich will dich lieben und erheben,
Solange mich dein Glanz bescheint;
Ich will dich lieben, Gotteslamm,
Als meinen Seelenbräutigam.

3. Ach, dass ich dich so spät erkennet,
du hochgelobte Schönheit du,
und dich nicht eher mein genennet,
du höchstes Gut und wahre Ruh!
Es ist mir leid, ich bin betrübt,
das ich dich so spät geliebt.
(- Er spricht hier nicht von so spät an dich angefangen habe zu glauben, sondern dich so spät geliebt!)

4. Ich lief verirrt und war verblendet,
ich suchte dich und fand dich nicht,
ich hatte mich von dir gewendet
und liebte das geschaffne Licht;
nun aber ists durch dich geschehn,
dass ich dich endlich hab ersehn.

5. Ich danke dir, du wahre Sonne,
Dass mir dein Glanz hat Licht gebracht;
Ich danke dir, du Himmelswonne,
Dass du mich froh und frei gemacht;
Ich danke dir, du güldner Mund,
Dass du mir machst das Herz gesund.

6. Erhalte mich auf deinen Stegen
Und lass mich nicht mehr irre gehn;
Lass meinen Fuß auf deinen Wegen
Nicht straucheln oder stille stehn;
Erleucht mir Leib und Seele ganz,
Du starker, reiner Himmelsglanz.

7. Gib meinen Augen süße Tränen,
Gib meinem Herzen keusche Brunst.
Lass meine Seele sich gewöhnen,
Zu üben in der Liebeskunst.
Lass meinen Sinn, Geist und Verstand
Stets sein zu dir, (o Gott,) gewandt.

8. Ich will dich lieben, meine Krone,
Ich will dich lieben, meinen Gott;
Ich will dich lieben sonder (ohne) Lohne,
Auch in der allergrößten Not.
Ich will dich lieben, schönstes Licht,
Bis mir das Herze im Tode bricht.

***
Liebe, die du mich zum Bilde

Johann Scheffler, 1657

1. Liebe, die du mich zum Bilde
Deiner Gottheit hast gemacht;
Liebe, die du mich so milde
Nach dem Fall hast wiederbracht:

Liebe, dir ergeb‘ ich mich,
Dein zu bleiben ewiglich.

2. Liebe, die du mich erkoren,
Eh ich noch erschaffen war;
Liebe, die du Mensch geboren
Und mir gleich wardst ganz und gar:

Liebe, dir ergeb‘ ich mich,
Dein zu bleiben ewiglich.

3. Liebe, die für mich gelitten
Und gestorben in der Zeit;
Liebe, die mir hat erstritten
Ewge Lust und Seligkeit:

Liebe, dir ergeb‘ ich mich,
Dein zu bleiben ewiglich.

4. Liebe, die du Kraft und Leben,
Licht und Wahrheit, Geist und Wort;
Liebe die sich dargegeben
Mir zum Heil und Seelenhort:

Liebe, dir ergeb‘ ich mich,
Dein zu bleiben ewiglich.

5. Liebe, die mich hat gebunden
An ihr Joch mit Leib und Sinn;
Liebe, die mich überwunden
Und mein Herze hat dahin:

Liebe, dir ergeb‘ ich mich,
Dein zu bleiben ewiglich.

6. Liebe, die mich ewig liebet,
Die für meine Seele bitt;
Liebe, die das Lösgeld giebet
Und mich kräftiglich vertritt:

Liebe, dir ergeb‘ ich mich,
Dein zu bleiben ewiglich.

7. Liebe, die mich wird erwecken
Aus dem Grab der Sterblichkeit;
Liebe, die mein Haupt wird decken
Mit dem Kranz der Herrlichkeit:

Liebe, dir ergeb‘ ich mich,
Dein zu bleiben ewiglich.

Johann Scheffler, geb. 1624 in Breslau, Herzoglicher Leibarzt in Ölz, + 1677 als geistlicher Rat des Fürstbischofs von Breslau.

***

1. Seelenbräutigam, Jesu, Gottes Lamm,
habe Dank für deine Liebe,
die mich zieht aus reinem Triebe
von der Sünden Schlamm:
Jesu, Gottes Lamm.
2. Deine Liebesglut stärket Mut und Blut:
Wenn du freundlich mich anblickest
und an deine Brust mich drückest,
macht mich wohlgemut deine Liebesglut.
– Adam Drese 1620-1701

***

1. Jesu, meine Freude,
meines Herzens Weide,
Jesu, meine Zier!
Ach wie lang, ach lange,
ist dem Herzen bange
und verlangt nach dir!
Gottes Lamm, mein Bräutigam,
außer dir soll mir auf Erden
nichts sonst Liebres werden.
Johann Frank 1650

***

1. Lebst du in mir, o wahres Leben

2. Herz, das in Liebesglut gestorben,
ach lass mein Herz in Flammen stehn;
entzünd es mir, du hasts erworben,
lass alles andre untergehn.
An dir soll ewig mir genügen;
Lass mich in deiner Liebe siegen,
ja, siege du nur selbst in mir,
so werd ich ewig triumphieren,
so wird dein Todessieg mich zieren,
so leb und leid und sterb ich dir.

6. … ich aber will auf dich nur schauen,
o Jesu, meiner Hoffnung Licht!
Ich will dich stets in Lieb umfassen,
dich, der du mich nicht wirst lassen,
denn deine Liebe wanket nicht!
Philipp Baltasar Sinold von Schütz 1657-1742

***

3. Hier komm ich, mein Hirte,
mich dürstet nach dir;
O Liebster, bewirte dein Schäflein allhier!...

4. Du süße Flut labest Geist,
Seele und Mut und,
wen du begabest, findt ewiges Gut.
Wenn man dich genießet,
wird alles versüßet, es jauchzet,
es singet, es springet das Herz,
es weichet zurücke
der traurige Schmerz.
5. Drum gieb mir zu trinken,
wies dein Wort verheißt,
lass gänzlich versinken
den sehnenden Geist
im Meer deiner Liebe;
lass heilige Triebe
mich immerfort treiben
zum Himmlischen hin,
es werde mein Herze
ganz trunken darin.
-Christian Jakob Koitsch 1671-1735

***

Herzlich lieb hab ich dich o Herr… – Martin Schalling (1567)

***

1. Wie schön leuchtet der Morgenstern,
voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn,
aus Juda aufgegangen!
Du Davids Sohn aus Jakobs Stamm,
mein König und mein Bräutigam
du hast mein Herz umfangen,
lieblich, freundlich, schön und prächtig,
groß und mächtig, reich an Gaben,
über alles hoch erhaben.

3. Gieß sehr tief in mein Herz hinein,
du Gottesglanz und Himmelsschein,
die Flamme deiner Liebe,
und stärke mich, dass ich ewig bleib,
o Herr, ein Glied an deinem Leib
in frischem Lebenstriebe.
Nach dir wollt mir mein Gemüte,
ewge Güte, bis es findet dich,
des Liebe mich entzündet.

6. Spielt unsrem Gott mit Saitenklang
und lasst den süßesten Gesang
ganz freudenreich erschallen!
Ich will mit meinem Jesu Christ,
der mir mein ein und alles ist,
in steter Liebe wallen.
Singet klinget, jubiliert,
dankt dem Herren,
ihm dem König aller Ehren.
– Nach Philipp Nicolai 1556-1608

***

4. Also ist auch mein Verlangen,
liebster Jesu, nur nach dir.
Lass mich treulich an dir hangen,
schenke dich zu eigen mir.
Ob viel auch umkehrten zum größesten Haufen,
so will ich dir dennoch in Liebe nachlaufen,
Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist;
was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt?

10. Drum auch, Jesu, du alleine
sollst mein Ein und Alles sein;
prüf, erfahre, wie ich’s meine,
tilge allen Heuchelschein;
Sieh, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege,
und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege;
Lass alles mich achten für Schaden, mein Gott,
und Jesum gewinnen, dies Eine ist not.
-Johann Heinrich Schröder (1695)

***

1. Ich bete an die Macht der Liebe,
Die sich in Jesu offenbart;
Ich geb‘ mich hin dem freien Triebe,
Wodurch ich Wurm geliebet ward;
Ich will, anstatt an mich zu denken,
Ins Meer der Liebe mich versenken.

5. Wie bist Du mir so zart gewogen,
Wie verlangt Dein Herz nach mir!
Durch Liebe sanft und tief gezogen,
Neigt sich mein Alles auch zu Dir.
Du traute Liebe, gutes Wesen,
Du hast mich und ich Dich erlesen.
6. Ich fühls, Du bist’s, Dich muss ich haben,
Ich fühls, ich muss für Dich nur sein;
Nicht im Geschöpf, nicht in den Gaben,
Mein Ruhplatz ist in Dir allein.
Hier ist die Ruh, hier ist Vergnügen;
Drum folg ich Deinen selgen Zügen.
8. O Jesu, dass Dein Name bliebe
Im Grunde tief gedrücket ein!
Möcht Deine süße Jesusliebe
In Herz und Sinn gepräget sein!
Im Wort, im Werk, in allem Wesen
Sei Jesus und sonst nichts zu lesen.
– Gerhard Tersteegen 1697-1769

Und nicht zu vergessen das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, das beginnt wie eine Liebeserklärung in jauchzen und singen an Gott und Jesus.

Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben,
den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn.
Deine Wangen
müssen heut viel schöner prangen,
eile, den Bräutigam sehnlichst zu lieben!
Bereite dich, Zion…

Mein Liebster herrschet schon.
Ein Herz, das seine Herrschaft liebet,
und sich ihm ganz zu eigen gibet,
ist meines Jesu Thron.
Weihnachtsoratorium – Johann Sebastian Bach 1685-1750

* * *

Was hat all diese Menschen dazu bewogen, solche Worte niederzuschreiben? Von manchen der Liederdichter ist nur ein Lied im Gesangbuch verzeichnet, aber in diesem  einen Lied wird die brennende Liebe, die sie für Jesus empfunden haben. ausgedrückt.
Und diese brennende Liebe und das Bewusstsein, dass wir Christi Braut sind, hatten auch die Verfasser, von denen Schriftauszüge in dem folgenden Artikel: „Dein Schöpfer ist dein Mann“ zusammengefasst sind.

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