Galater 5,22-23 GEDULD

In einem der aussagekräftigsten und poetischsten Kapitel der Bibel, dem 1. Korinther 13, beschreibt Paulus die Liebe, die von Christen verkörpert werden sollte so: „Die Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht neidisch oder überheblich, stolz oder anstößig. Die Liebe ist nicht selbstsüchtig. Sie lässt sich nicht reizen, und wenn man ihr Böses tut, trägt sie es nicht nach. Sie freut sich niemals über Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich immer an der Wahrheit. Die Liebe erträgt alles, verliert nie den Glauben, bewahrt stets die Hoffnung und bleibt bestehen, was auch geschieht. Die Liebe wird niemals aufhören.“ – 1. Korinther 13,4-8

Geduld steht ganz oben auf der Liste der Aufzählungen. Für mich ist das von Bedeutung. Denn frei und offen sowie beständig zu lieben auf die Art und Weise, wie Paulus sie beschreibt, setzt die Bereitschaft voraus, die Liebe bis zum Ende durchzuhalten. Wir können unseren Willen zu lieben, nicht nur für bestimmte Situationen und besondere Menschen reservieren. Wir können sie nicht einfach zurückhalten, wenn jene uns enttäuschen oder versagen. Geduld bedeutet zweierlei: Sie ist sowohl eine Grundvoraussetzung, als auch der entscheidende Faktor, der den Schlussstrich unter allem setzt.

Wie können wir uns aber dazu durchringen, jemandem weiterhin unsere Liebe zu zeigen, der uns oder andere verletzt hat? Bei der betreffenden Person „im Zweifel für den Angeklagten“ zu entscheiden, kann hilfreich sein. Ebenso kann es helfen, sich einzugestehen, dass auch wir andere durch Gedankenlosigkeit, Schusseligkeit oder lieblose Entscheidungen verletzt haben. Wie es im 1.Korinther heißt: „wenn man ihr Böses tut, trägt sie es nicht nach“, das heißt so viel wie: die Liebe führt kein „Sündenregister“. Die erlebten Verletzungen sind echte Wunden, und sie brauchen Zeit, um zu heilen. Doch wenn wir dem allzu menschlichen Drang widerstehen können, die Verletzungen immer wieder in unseren Gedanken in Erinnerung zu rufen und uns stattdessen zu der Entscheidung bringen können, zu vergeben und wahrhaftig zu vergessen, wird uns Gott die Liebe und Gnade schenken, bis zum Ende im Lieben durchzuhalten. Und alle Beteiligten werden dabei gewinnen.

Keith Phillips

für Activated (dem Magazin, von dem diese Artikel entnommen sind)

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07-4-6

Wenn dagegen der Heilige Geist unser Leben beherrscht, wird er ganz andere Frucht in uns wachsen lassen: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Nichts davon steht im Widerspruch zum Gesetz.“ – Galater 5,22–23

„Wenn mein Bruder mir Unrecht tut, wie oft soll ich ihm vergeben?“, fragte jemand Jesus einmal, bevor er hoffnungsvoll fragend hinzufügte: „Siebenmal?“Matthäus 18,21–22   

„Nein, siebzigmal siebenmal“, war Jesu Antwort. Mit anderen Worten, wir sollten nie aufhören zu vergeben.

Das ist wahre Liebe, würde ich sagen! Und Jesus sprach nicht nur davon, unseren Geschwistern, Ehegatten oder engen Freunden liebevoll und geduldig zu vergeben. Nein, Er schloss auch herrische und arrogante Chefs und Mitarbeiter, eigensinnige Angestellte und streitsüchtige Nachbarn mit ein – in der Tat alle und jeden. Das ist derart gegen die menschliche Natur, dass eine solch liebende Geduld nur von Gott selbst kommen kann.

Hat Gott dir nicht „siebzigmal siebenmal“ vergeben? Bringt dich das nicht dazu, dir zu wünschen, im gleichen Ausmaß diese Liebe, dieses Erbarmen und diese Vergebung auf andere auszuweiten, damit auch sie Ihn kennenlernen und Seine Vergebung erfahren können?

„Die Liebe ist geduldig und [dennoch] freundlich.“ – 1.Korinther 13,4   „Ein Diener des Herrn darf nicht streiten, sondern er muss zu allen freundlich sein, überzeugend lehren und auch mit schwierigen Menschen Geduld haben können.“ – 2.Timotheus 2,24      

RAFAEL HOLDING IST FREIBERUFLICHER AUTOR UND LEBT IN AUSTRALIEN. DER ARTIKEL „GEDULD – DIE VERSÖHNLICHE FRUCHT“ IST DEM GET ACTIVATED BUCH „GOTTES GESCHENKE“ ENTNOMMEN

V E R G E B U N G

Viele Menschen haben Angst davor, zu vergeben. Sie fürchten, sie müssten das Unrecht in Erinnerung behalten oder sie würden nichts daraus lernen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Durch Vergebung wird das Unrecht von seinem emotionalen Würgegriff, in dem es uns gefangen hält, freigesetzt, sodass wir daraus lernen können. Durch die Kraft und Intelligenz des Herzens bringt Vergebung erweiterte Intelligenz, um die Situation effektiver handzuhaben. – David und Bruce McArthur, The Intelligent Heart (Das intelligente Herz), 1997 – deutscher Titel: Vergeben befreit

Wenn ich vergebe, bedeutet das, dass ich keine Gewehrkugeln mehr auf meiner Lebensreise mitschleppe. Ich werde alles Explosive los, meine ganze Munition an Zorn und Rache. Ich „trage nichts nach.“ –  3.Mose 19,17–18 

Ich kann diese Forderung nicht erfüllen. Es liegt gänzlich außerhalb meiner Macht. Ich mag ein paar Worte der Vergebung stammeln, aber ich kann keinen klaren, hellen, blauen Himmel zum Vorschein bringen, ohne den Hauch eines sich irgendwo zusammenbrauenden Sturmes.

Aber der Herr der Gnade kann es für mich tun. Er kann mein Wetter verändern. Er kann ein neues Klima schaffen. Er kann „in mir ein reines Herz“ schaffen und „mir einen neuen, aufrichtigen Geist“ geben, – Psalm 51,12 und in dieser neuen Atmosphäre soll nichts vorhanden sein, das sie zu vergiften oder zu zerstören versucht. Groll soll sterben und Rache soll dem guten Willen Platz machen, der starken, freundlichen Präsenz, die sich ihr Heim im neuen Herzen einrichtet. – John Henry Jowett (1864–1923)

Doch du, Herr, bist ein gnädiger und barmherziger Gott mit viel Geduld und voll Gnade und Wahrheit. – Psalm 86,15

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07-4-3

In meiner Kindheit hatten wir auf unserem Bauernhof in Pleasant Hill bei New York immer jede Menge Hühner, die auf der Suche nach Würmern und Käfern herumscharrten und auf dem Boden herumpickten, um Körner zu finden. Sie lebten im Allgemeinen ein ruhiges, glückliches Leben. Das ist einer der Gründe, warum ich trotz eines bescheidenen Lebensmittelbudgets bis zum heutigen Tage Eier von freilebenden Hühnern kaufe. Ich glaube, dass von glücklichen Hühnern bessere Eier stammen.

Eines, was ich in jungen Jahren lernte, war, dass es unter den Hühnern definitiv eine Hackordnung gab. Die meisten Hühner sind gesellige, freundliche Wesen, die sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Aber manche rannten mit geschwollener Brust herum und plusterten sich auf. Sie spielten sich als die Herren über die anderen auf … und rupfen ihnen die Schwanzfedern aus.

Auf den ersten Blick wirkte dieses Verhalten wie eine lustige Schrulle. Ich erinnere mich daran, manche Hennen zu sehen, die hinter den anderen herrannten und voller Stolz deren Federn ausrupften. Vielleicht hielten sie sich für etwas Besseres, vielleicht meinte diese Henne, dass die restlichen Hühner zu eingebildet waren und etwas zurechtgestutzt werden mussten. Hühner sündigen wohl weniger mit ihrer Zunge als mit ihren Schnäbeln.

Das Merkwürdige war jedoch, dass das Federnrupfen zu einem erbitterten gegenseitigen Duellieren führte. Die Goldene Regel (Matthäus 7,12) in Revers. Was die Hennen anderen antaten, geschah ihnen nun selbst. Je mehr sie andere rupften, desto mehr mussten sie selbst Federn lassen. Am Ende sahen einige unserer wunderschönen Hofhennen regelrecht gerupft aus.

Hühnerzüchter diskutieren das Problem des Federnpickens. Sie haben aber keine andere Lösung, als die Übeltäter auszusondern, bevor sich das Problem ausweitet. Eine gängige Begründung lautet, dass Vitaminmangel daran schuld sei. Ausgewogen ernährte Hühner würden weniger dazu neigen. Auf unserem Bauernhof landeten die notorischen Gewohnheitspicker oft im Sonntagseintopf anstatt weiterhin im Hühnerstall.

Als noch tollpatschiges Kleinkind beobachtete ich die Hühner und lernte, dass sogar die beste Verteidigung schlechte Verteidigung ist. Ich habe später gelernt, in vielen gesellschaftlichen Situationen das Schwanzfedern-Picken zu vermeiden. Im Gegensatz zu den eher wetteifernden Tierarten der Nahrungskette, wo es darum geht „fressen oder gefressen werden“, erkannte ich, dass das Picken im Grunde sehr selbstzerstörerisch war. Immer noch besser im Hühnerstall mit anderen Hennen auskommen zu müssen, als im Suppentopf zu landen!

Wenn wir andere nicht mit Geduld behandeln können, wird es uns schwer fallen, auch die anderen Früchte des Geistes zu manifestieren, sie in Demut, Liebe, Freundlichkeit und mit ein bisschen Verständnis zu behandeln. – Kolosser 3,12

Jesus drückte es in der Bergpredigt wunderbar aus: „Gott segnet die Freundlichen und Sanftmütigen, denn ihnen wird die ganze Erde gehören“ (Matthäus 5,5) oder wie die Hühnerzüchter sagen würden: ihnen gehört der ganze Hühnerstall!

 

JOYCE SUTTIN IST LEHRERIN UND SCHRIFTSTELLERIN IN SAN ANTONIO, TEXAS, USA

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07-4-1

Ich pflegte meine eigene Vorstellung von Langmut und Geduld zu haben. Langmut hieß für mich immer, sich mit etwas abzufinden, Geduld bedeutete, etwas eine gewisse Zeit hinzunehmen. Das Erste drückte sich aus in: „Ich wünschte, ich hätte nicht …“, und das Andere in: „Ich wünschte, ich hätte …“ Zu beiden gehört natürlich etwas mehr als das, besonders zu Langmut.

Als ich das griechische Wort μακροθυμέω (phonetisch, makrothumia) im Wörterbuch nachschlug, in einigen Bibelversionen mit „Langmut“ übersetzt, entdeckte ich einen weiteren Aspekt. Makro bedeutet „groß, weit, lang, riesig“ (das ist nichts Neues), und Thumia bedeutet „Wut, Zorn“, was mir die Augen öffnete. Darum könnte eine etwas genauere Übersetzung von makrothumia heißen: „Lang zum Zorn“ (vgleiche Luthers „langsam zum Zorn“ Sprüche 19,11: „Klugheit macht den Mann langsam zum Zorn“ und Jakobus 1:19: „Ein jeder Mensch sei … langsam zum Zorn“). Und das bedeutet „beherrscht“ und ist das Gegenteil von „Kurz zum Zorn“, also „unbeherrscht aufgebracht“.

Als mein Schwager vor einiger Zeit von einer Konferenz zurückkehrte, berichtete er mir, dass einer der Redner erklärte, dass plötzliches Ausrasten nun mit IED (Intermittent Explosive Disorder) bezeichnet werden würde, d. h. Störung der Impulskontrolle. Wenn plötzliche Gereiztheit jetzt als Geistesstörung angesehen wird, dann macht es Sinn, Langmut als Zeichen geistiger Gesundheit zu betrachten. Der Redner fuhr fort, dass IED alarmierende Ausmaße erreiche. Meine eigene Erfahrung, die ich vor kurzem gemacht habe, liefert einen kleinen anekdotenhaften Beweis dafür.

Bei einem Spaziergang mit meiner Frau im Ortszentrum brach eine gut gekleidete Dame hinter uns in einen Schwall von Kraftausdrücken aus, der einem die Schamröte ins Gesicht trieb. Offensichtlich war sie über einen älteren Fahrradfahrer aufgebracht, der auf dem Bürgersteig anstatt auf der Straße fuhr. Der plötzliche „Wutausbruch auf dem Bürgersteig“ dieser sonst so elegant aussehenden Dame im mittleren Alter verschlug mir einfach die Sprache.

Wir leben in einem Badestrandort und können immer wieder beobachten, wie die Bevölkerungsdichte über die kommenden Sommermonate hinweg kräftig anschwillt. Das ist gut für die örtliche Geschäftswelt, doch es wirkt sich schlimm auf die Lebensmittelpreise, auf den Verkehr sowie auf andere Gesichtspunkte unserer ansonsten gemütlichen Kleinstadt aus. Spätestens in der Badesaison haben wir dann die Gelegenheit, uns in Langmut zu üben.

Im Brief an die Kolosser zählt der Apostel Paulus einige der Qualitäten und Eigenschaften auf, die Christen pflegen und kultivieren sollten, und – ja, richtig geraten – Langmut (Geduld) ist eine davon. „Seid voll Mitleid und Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftheit und Geduld. Seid nachsichtig mit den Fehlern der anderen und vergebt. … Vergesst nicht, dass der Herr euch vergeben hat, und dass ihr deshalb auch anderen vergeben müsst. Das Wichtigste aber ist die Liebe. Sie ist das Band, das uns alle in vollkommener Einheit verbindet.“ Sie ist der Klebstoff und das Bindeglied, das den Rest zusammenhält. „Euren Herzen wünschen wir den Frieden, der von Christus kommt.“ – Kolosser 3,12-15

Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen.

PHILLIP LYNCH IST SCHRIFTSTELLER UND KOMMENTATOR FÜRIGEISTIGE UND ESCHTALOGISCHE THEMEN. ER LEBT IN ATLANTIA, KANADA

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07-4-4

Maria Doehler

Manchmal haben wir ganz unerwartet einen Geistesblitz, der plötzlich für Klarheit und Einsicht sorgt und unseren Glauben stärkt. Genau das ist mir vor einiger Zeit passiert.

Wir steckten gerade in einem seit vielen Monaten anhaltenden finanziellen Engpass, und nun musste zu allem Übel auch noch unser Auto in die Werkstatt. Während ich auf den Anruf meines Mannes wartete, der mir den Kostenvoranschlag mitteilen wollte, fragte ich Gott, warum uns das ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt passieren musste. „Finanziell ist es sowieso schon nicht einfach“, betete ich, „wie sollen wir das Geld für die teure Reparatur unseres Autos aufbringen?“

Die Antwort, die ich erhielt, war kurz und bündig: „Manchmal passieren eben solche Dinge im Leben.“

Das war nicht gerade die tröstende Antwort, die ich erwartet hatte. Ich hatte eher auf etwas wie: „Keine Sorge, ich werde dieses Problem aus der Welt schaffen“, gehofft. Trotzdem fand ich Gottes Antwort nicht barsch, und ich hatte auch nicht das Gefühl, dass Er sich über unsere prekäre Finanzlage amüsierte. Er sprach einfach nur das Offensichtliche aus: Das Leben steckt voller Herausforderungen, voller unerwarteter unglücklicher Ereignisse und Enttäuschungen. Es passiert nun einmal, und wir werden das schon meistern.

Schon immer wollte ich es mir im Leben so einfach wie möglich machen. Ich ziehe es vor, aus misslicher Lage gerettet zu werden, bevor die Dinge zu schlimm werden, für mich wäre das ideal. Aber es ist nicht immer das, was Gott im Sinn hat. Er sagte mir, dass nicht immer ein Wunder, eine Wunderwaffe oder eine Freikarte zur Verfügung ständen, die es mir erlaubten, den schwierigen Teil zu überspringen. Es geht nicht darum, dass Er das Wunder nicht vollbringen könnte, wenn es nötig wäre. Aber Er versteht sich nicht als jemand, der immer dann die Kaution stellt, wenn harte Zeiten kommen. Manchmal entscheidet Er sich dafür, in uns die Fähigkeit zu kultivieren, mit dem Kämpfen bis zum Ende durchzuhalten – Er schenkt uns Gnade, Stärke, Freude und Durchhaltevermögen, damit wir uns unseren Weg durch Enttäuschungen, Kämpfe und durch weniger ideale Ereignisse hindurch bahnen.

Natürlich kann ich nicht einfach alles, was passiert, als „Gottes Willen“ akzeptieren. Und ich kann dabei ebenfalls nicht zulassen, dass meine Familie und ich Opfer widriger Umstände werden. Aber, wenn Gott sagt: „Schatz, da musst du jetzt durch“, dann muss ich damit aufhören, auf einen schnellen Ausweg zu hoffen, und stattdessen anfangen zu vertrauen, die Schwierigkeiten meistern zu können.

Um ehrlich zu sein: Ich weiß, dass ich solche Schwierigkeiten manchmal brauche, obwohl sie mir nicht gefallen. Diese Umstände verwandeln meinen theoretischen Glauben, der auf einem hübschen Regal liegt, in einen praktischen Glauben, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Das macht solche Situationen weniger mystisch, aber dafür sehr viel realer.

PS: Wir mussten einen hohen Betrag für  die Autoreparatur bezahlen, was unser finanzielles Loch verschlimmerte und die Zeit unseres Engpasses verlängerte. Es  war nicht ideal, und wir hätten es gerne vermieden. Aber es erstaunte mich dennoch, wie sehr diese wenigen Worte des Herrn meine Auffassung von der Situation veränderten. Einfach sich darüber im Klaren zu sein, dass diese Dinge passieren, und dass man sie überwinden kann, half mir, die Furcht zu besiegen.

Freut euch auf alles, was Gott für euch bereithält. Seid geduldig, wenn ihr schwere Zeiten durchmacht, und hört niemals auf zu beten. – Römer 12,12

Liebe Brüder, wenn in schwierigen Situationen euer Glaube geprüft wird, dann freut euch darüber. Denn wenn ihr euch darin bewährt, wächst eure Geduld. Und durch die Geduld werdet ihr bis zum Ende durchhalten, denn dann wird euer Glaube zur vollen Reife gelangen und vollkommen sein und nichts wird euch fehlen. – Jakobus 1,2-4

MARIA DOEHLER WAR MISSIONARIN IM FERNEN OSTEN UND IN OST AFRIKA. DERZEIT LEBT SIE MIT IHREM MANN UND IHREN KINDERN IN TEXAS UND BETREIBT EIN KLEINES UNTENEHMEN.

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07-4-5

„Besser spät als nie“, sagte ich mir und entschloss mich, etwas Neues zu wagen, das längst überfällig war: Mit 50 plus, meldete ich mich bei einer örtlichen Fahrschule an.

Zu meinem Entsetzen ließ mich der Fahrlehrer schon bei meiner zweiten Fahrstunde durch den chaotischen Verkehr von Nairobi fahren.

„Versuchen sie, Raum um Ihr Fahrzeug herum zu schaffen“, war eine der ersten Instruktionen.

„Leichter gesagt als getan, wenn das sonst keiner macht“, murmelte ich nervös, während ich versuchte, uns durch das Getümmel der Hauptverkehrszeit hindurch zu manövrieren. Trotz meiner Anstrengungen fand ich mich bald eingekeilt zwischen überfüllten Minibussen, aus denen lautstark Rap dröhnte, Motorrädern, die sich zwischen den Fahrzeugen hindurchschlängelten und einem Müllwagen mit Bergen von Abfall, die sich vor unserem Fahrzeug aufzutürmen schienen.

„Wenn Sie sich keinen Platz auf allen Seiten schaffen können, dann versuchen Sie es auf mindestens zwei Seiten – und wenn das auch nicht klappt, dann wenigstens auf einer Seite, entweder vorne oder hinten.“

Das hörte sich nach einem guten Ratschlag an, der ganz allgemein im Leben angewendet werden kann, wenn sich Probleme vor einem auftürmen.

Als Mutter von sieben Kindern und Langzeitmissionarin in Afrika habe ich ein breites Spektrum verschiedenster Situationen erlebt. Dazu zählen auch einige Stressige, die mich über meine Grenzen hinaus zu prüfen drohten. Wann immer jedoch das Gefühl aufkam, dass etwas zu schwer zu ertragen sei, kam mir folgende Verheißung in den Sinn: „Vergesst nicht, dass die Prüfungen, die ihr erlebt, die gleichen sind, vor denen alle Menschen stehen. Doch Gott ist treu. Er wird die Prüfung nicht so stark werden lassen, dass ihr nicht mehr widerstehen könnt. Wenn ihr auf die Probe gestellt werdet, wird er euch eine Möglichkeit zeigen, trotzdem standzuhalten.“ – 1.Korinther 10,13

Diese Strategien haben mir geholfen:

  • Raum schaffen. Um mit anstrengenden Situationen fertig zu werden, fing ich an, den ganzen Tag hindurch kurze Pausen einzulegen. Diese Pausen dienen als Puffer in Zeiten, die extra Geduld und Energie erfordern.
  • Ehrlich sein. Ich musste lernen, mit mir selbst und anderen in Bezug auf meine Grenzen ehrlich zu sein. Zum Beispiel weiß mein drei Jahre alter Enkel, dass ich Krach nur sehr schwer ertragen kann. Er respektiert das, indem er den Lärmpegel in Grenzen hält. Das hilft uns beiden, aus der Zeit, die wir gemeinsam verbringen, das Beste zu machen.
  • Zeit einrichten. Unsere Familie hat es immer geschafft, Zeit füreinander einzurichten, um sich auszusprechen und Gott schwierige Angelegenheiten im gemeinsamen Gebet anzuvertrauen.
  • Hilfe akzeptieren. Die Hilfe anderer in Stresssituationen anzunehmen, kann die Rettung sein. Es ist auch eine Gelegenheit, festere Bindungen in Beziehungen durch geteilte Erfolge und Siege zu knüpfen.
  • Einer Angelegenheit Ruhe gönnen. Das „eine Nacht darüber schlafen“ Prinzip bringt Ruhe in viele kontroverse Themen und beunruhigende Angelegenheiten. Es gibt Gott auch Zeit, etwas auszuarbeiten.

Es ist ein köstlich Ding, geduldig zu sein und auf die Hilfe des HERRN zu hoffen. -Klagelieder 3,26

IRIS RICHARD IST BERATERIN IN KENIA. DORT IST SIE SEIT 1994 IN DER GEMEINDE- UND FREIWILLIGENARBEIT AKTIV

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07-4-7

Manche Menschen mögen wir mehr als andere. Und umgekehrt mögen uns bestimmte Menschen mehr, als andere es tun.

Als ich als Krankenschwester in der Notaufnahme eines Spitals in Reykjavík, Island, arbeitete, war ich ziemlich selbstbewusst und hatte das Gefühl, ich könne so ziemlich mit jeder Situation fertig werden. Ich mochte die Hektik und den Adrenalinstoß, und so half ich immer gerne freiwillig bei den schlimmsten Fällen mit.

Es schien, als würden wir manche Patienten immer wieder behandeln – Alkoholiker, Drogenabhängige, Obdachlose. Ich war jung, und es machte mir nichts aus. Einige von ihnen waren richtig nette, lustige, einsame Typen, die einfach nur ein warmes Bett brauchten. Und es tat ihnen wirklich leid, dass sie ihr Leben in Unordnung gebracht hatten. Sie würden sich wahrscheinlich besser benehmen, wenn man sie nur richtig behandeln und betreuen würde.

Eine Nacht jedoch änderte alles. Die Sanitäter brachten einen Mann in die Notaufnahme, der sich heftig wehrte und nicht behandelt werden wollte. Er war ernsthaft krank und mit Wasser in seinen Lungen. Er hatte sein Diuretikum (harntreibendes Mittel) wegen seiner Herzinsuffizienz (Herzversagen) nicht genommen, sodass die Sauerstoffsättigung seiner Lungen niedrig war. Er schrie herum, und die Sanitäter stritten mit ihm und sagten ihm, er solle sich beruhigen.

„Ich übernehme ihn“, sagte ich der diensthabenden Nachtschwester.

Ich schnappte mir das Tablett mit der Standardausrüstung und betrat den Schockraum, in dem er sich mit den beiden Sanitätern befand. Als der Mann mich sah, starrte er mich mit einem entsetzlichen Blick an und begann, mich zu verfluchen. Ich erstarrte regelrecht, und dann sagte ich, dass ich etwas vergessen hätte und sofort wieder zurück sein würde. Mein Herz hämmerte wie wild, als ich die Tür hinter mir schloss. Und ich stellte fest, dass ich richtig Angst vor diesem Mann hatte. Er benahm sich wie ein Irrer und hätte mich zudem sogar verletzen können! Er war kräftig gebaut und jünger als die meisten Patienten, die in diesem Zustand in die Notaufnahme kamen. Was sollte ich nur tun?

Nachdem ich ein paar Sekunden im Medikamentenraum verbracht hatte, bat ich Gott, ernsthaft mir zu zeigen, was Er an diesem Mann lieben würde. Es war das erste Mal, dass ich auf diese Weise betete.

Als ich jünger war, trainierte ich Pferde. Dabei hatte ich gelernt: Je schneller du wieder auf das Pferd steigst, nachdem es dich abgeworfen hat, desto eher glaubt es, dass du keine Angst vor ihm hast. Ich holte tief Luft und ging schnurstracks zurück zur Notaufnahme.

Ich betrat den Raum, streckte meine Hand aus, um seine zu schütteln, stellte mich mit einem Lächeln vor und begann damit, ihm zu erklären, was ich zu tun beabsichtigte. „Ich muss jetzt eine IV (intravenöse) Kanüle setzen!“ Ich klopfte auf die Venen, die sich auf der Rückseite seiner Hand befanden, setzte die Kanüle und gab die üblichen Erklärungen, „Sie werden jetzt einen Stich fühlen“, und so weiter, so als ob er eine solche Behandlung noch nie erhalten hätte. Der Patient verhielt sich ruhig. Nach ungefähr einer Minute sagte ich den Sanitätern, dass ich jetzt mit dem Patienten allein bleiben könne, und sie gingen.

Als ich bei dem Mann den Puls maß, fragte er mich plötzlich: „Warum haben sie keine Angst vor mir?“

Ich lächelte einfach nur und sagte: „Entschuldigung, sollte ich das denn?“

„Nein, natürlich nicht“, beeilte er sich zu antworten. „Es ist nur, … nun, die meisten Krankenschwestern haben Angst vor mir.“

Er verbrachte die Nacht im Schockraum, wo ich ihm alle Medikamente, Flüssigkeiten und Salzlösungen, die er gemäß den Bluttests brauchte, verabreichte. Und es stellte sich heraus, dass es sich um einen einfachen Fall handelte.

Als die Morgenschicht eintraf, sah ich die Abteilungsleiterin mit der Sicherheitswache sprechen. Sie fragte ärgerlich, warum sie dieses Patientenzimmer nicht bewachen würde. Dann deutete sie auf mich und fragte: „Waren Sie in dem Zimmer bei geschlossenen Türen und ohne Wache?“

Es stellte sich heraus, dass dieser Mann als gefährlicher Patient eingestuft worden war, nachdem er auf der Herzstation, die sich im oberen Stock befindet, mehrere Krankenschwestern mit einem Messer attackiert hatte. Aus irgendeinem Grund war diese Nachricht nicht im Computersystem gespeichert. Deswegen sagte ich dem Wachpersonal, dass der Patient OK sei und im Moment offensichtlich auch nicht gefährlich sein würde.

In der nächsten Nacht, so hörte ich, war der Mann nach ein paar Stunden gegangen. Er war – traurig genug zu sagen – anscheinend wieder zu seinem üblichen wütenden Selbst zurückgekehrt. Wie es schien, waren alle anderen erleichtert, ihn gehen zu sehen.

Was hat das alles mit dem Titel meiner Geschichte zu tun?

Nun, seit jenem Erlebnis, habe ich dieses Gebet ziemlich oft gebetet. Und zwar immer dann, wenn ich nicht in der Lage war, vor den Leuten zu verbergen, was ich für sie empfinde. Es scheint, als ob Gott durch dieses Gebet das Beste aus mir sowie aus der anderen Person zum Vorschein bringen würde. Früher hatte ich immer gebetet: „Hilf mir, die Person so-und-so zu ertragen.“ Dieses Gebet machte die Menschen erträglicher. Wenn immer ich wieder versucht bin zu denken, dass ich jemanden nicht ausstehen kann, bete ich: „Zeig mir, was Du an ihm liebst“, und alles läuft wesentlich besser.

Heute bin ich Abteilungsleiterin in einem Schwesternheim und muss alle Mitarbeiter und Patienten liebevoll und gleichwertig behandeln. Von Natur aus komme ich mit einigen Menschen besser zurecht als mit anderen. Aber Jesus liebt alle, und Er weiß genau, was an jedem von ihnen Besonders ist. Wenn ich Ihn bitte, mir zu helfen, dies zu sehen, dann bringt Er es zutage und lässt es mich klar und deutlich sehen.

Ein zorniger Mann richtet Zank an; ein Geduldiger aber stillt den Streit. – Sprüche 15,18

Wer geduldig ist, der ist weise; wer aber ungeduldig ist, offenbart seine Torheit. – Sprüche 14,29

Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte einnimmt. -Sprüche 16,32

Seid freundlich und demütig, geduldig im Umgang miteinander. Ertragt einander voller Liebe. – Epheser 4,2

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07-4-8

F: Ich bin auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle, aber bisher ohne Erfolg. Ich habe gebetet und meinen Teil getan, warum hilft Gott mir nicht?

A: Die Art und Weise, wie Gott in unserem Leben wirkt, und die Vorgehensweise, die Er wählt, können wir oft nicht verstehen. Was Gott manchmal tut ist rätselhaft, demütigt und benötigt gewöhnlich Glauben und Geduld. Seine Absichten und Sein Zeitplan unterscheiden sich oft stark von unseren eigenen Vorstellungen.

Wenn das Leben schwer ist; wenn du das Gefühl hast, nicht die gewünschten Ergebnisse zu erzielen, die du erhofft hast; wenn du meinst, deine Gebete würden nicht beantwortet werden; wenn die Prüfungen des Lebens dich niederdrücken und für dich zu schwer zu tragen scheinen; wenn die Kämpfe sich zu sehr hinausziehen; wenn dein Glaube angegriffen wird; wenn du dich schwach fühlst und du dir nicht sicher bist, ob du noch länger durchhalten kannst, dann kannst du das Fundament deines Glauben erklimmen, das Gott für dich bereitet hat – die vielen Verheißungen und ermutigenden Worte, die in Seinem Wort enthalten sind – und du kannst in Seinem sicheren Hafen zur Ruhe kommen.

Eine dieser Verheißungen lautet: „Ihr könnt beten, worum ihr wollt, wenn ihr glaubt, werdet ihr es erhalten.“ Markus 11,24 – Gott hat jedoch nicht versprochen, dass du es sofort erhalten wirst. Sein Zeitplan ist nicht immer derselbe wie unserer. Es gibt Zeiten, in denen Er sofort auf unser Gebet antwortet. Aber es gibt auch oft Zeiten, in denen Er unseren Glauben reifen und sich entwickeln lässt, gleich einem guten Wein, der nur mit der Zeit reift. Geduld ist das Merkmal eines erlesenen Glaubens, der tief, reichhaltig und vollmundig ist.

Im Laufe der Geschichte hat Gott den Glauben von uns Menschen getestet und geprüft, indem Er uns die sofortige Antwort von bestimmten Gebeten vorenthalten hat. Die Israeliten warteten Tausende von Jahren auf den Messias. Zweifelsohne haben sie oft zu Gott gebetet und Ihn angefleht, Ihn zu schicken. Aber Gott wartete, bis der richtige Zeitpunkt kam.

Geduld ist keine leicht zu entwickelnde Tugend. Sie steht sogar im krassen Gegensatz zur Art und Weise, wie die Welt heutzutage agiert, in der sich alles um das Erzielen von schnellen Ergebnissen dreht. Wir können natürlich auch sofortige Wunder und Antworten auf unser Gebet erleben, wenn Gott dies für das Beste hält. Aber manchmal möchte Er einfach, dass wir gewisse Tests, Prüfungen und Herausforderungen des Lebens erfahren, wenn Seine Antworten nicht sofort kommen.

Glaube zeigt sich nicht nur in der Fähigkeit, auf unsere Gebete umgehende und wundersame Antworten zu erhalten. Glaube zeigt sich in Durchhaltevermögen, Langmut und Geduld, auch dann auszuharren, wenn wir keine prompten Ergebnisse auf unser Bitten hin sehen. „Durch die Geduld werdet ihr bis zum Ende durchhalten, denn dann wird euer Glaube zur vollen Reife gelangen und vollkommen sein und nichts wird euch fehlen.“ – Jakobus 1,4

Geduld aber habt ihr nötig, auf dass ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. – Hebräer 10,36

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07-4-9

„Mari-i-i-i-ie!“ Die gestresste Stimme meines Mannes, Ivo, schallte durch das Haus. „Wo, sagtest du, war noch mal mein grünes Hemd?“
„Es ist im Schrank, auf der linken Seite, zwischen deinen weißen Hemden und deinem Jackett.“
„Ich kann es nicht finden!“
Ich folgte seiner Stimme die Treppe hinauf bis in unser Zimmer.
„Ich bin spät dran, und es ist nicht dort, wo du sagtest!“
„Keine Panik. Ich finde es.“
Ich steckte meinen Kopf einen Moment lang in den Schrank und zog den Bügel mit dem grünen Hemd heraus.
„Wo war es?“
„Genau dort, wo ich sagte. Du musst es übersehen haben!“

Ähnliche Erfahrungen hatte ich unzählige Male während meiner dreißigjährigen Ehe erlebt. Bevor ich heiratete, wusste ich, dass mein zukünftiger Mann anders tickt als ich. Aber ich dachte, ich würde ihn ändern können. Als dies nicht geschah, war ich zunächst frustriert.

Trotzdem glaube ich immer noch an den Zauber der Liebe und ihre Kraft, uns zu verändern und umzuformen. Ich weiß, dass Gott die Vielfalt erschuf, sodass wir keine identischen Geschöpfe, sondern vielmehr einander ergänzende Wesen sind.

Die Fähigkeit, einander zu komplementieren wurzelt in Akzeptanz, gegenseitigem Respekt und der Wertschätzung unserer Unterschiede. Es ist nicht verwunderlich, dass Studien zufolge der Hauptgrund für das Scheitern von Beziehungen an mangelnder Kommunikation liegt.

Hier sind fünf Tipps, die mir halfen, meinen Teil dazu beizutragen, dass unsere Ehe funktioniert:

  1. Mich immer wieder an all die wunderbaren Stärken und Qualitäten meines Mannes zu erinnern, die dazu führten, dass ich mich in ihn verliebt habe.
  2. Zu meinen Unzulänglichkeiten zu stehen, hilft mir dabei, seine Unzulänglichkeiten nicht aufzubauschen und keine große Affäre daraus zu machen. „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ – Johannes 8,7
  3. So schnell wie möglich zu vergeben. „Seid stattdessen freundlich und mitfühlend zueinander und vergebt euch gegenseitig, wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat.“ – Epheser 4,32
  4. Einen guten Sinn für Humor zu bewahren. Eheberater Mark Gungor sagt: „Bist du schon einmal an einem Spiegel vorbeigegangen und warst schockiert darüber, was du dort siehst? Die Ehe ist ein Spiegel. Wenn du so eng mit einem anderen Menschen zusammenlebst, beginnst du, eine Vorstellung davon zu bekommen, wie du wirklich bist und wo Änderungen und Anpassungen nötig sind.”
  5. Bitte Jesus um mehr von Seiner Liebe, wenn es schwierig wird. „Die Liebe erträgt alles, verliert nie den Glauben, bewahrt stets die Hoffnung und bleibt bestehen, was auch geschieht.“ – 1. Korinther 13,7 „Die Liebe deckt viele Sünden zu.“ – 1. Petrus 4,8

MARIE BOISJOLY IST LACHTHERAPEUTIN UND LEITERIN VON „COLORADO EL MUNDO“ (DER WELT FARBE GEBEN), EINEM INTERAKTIVEN CLOWN- UND PUPPENTHEATER IN MEXIKO.

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07-4-10

Nach einer intensiven Arbeitsphase, die nun schon ein paar Monate zurücklag, hatte ich mich darauf gefreut, eine Pause einzulegen. Ich wusste, dass ich über meine Zukunft und Pläne nachdenken musste, die meine Karriere und Lebenssituation beeinflussen würden. Zugleich freute ich mich aber auch darauf, mich in einem persönlichen Projekt zu engagieren, auf das ich mich schon seit Monaten gefreut hatte. Allerdings war ich zu beschäftigt gewesen, um ihm viel Zeit zu widmen. Ich war von diesem Projekt begeistert, weil ich hoffte, dass es zum Ausgangspunkt von Träumen und Zielen werden würde, die ich gerne verwirklichen wollte.

Ich weiß nicht, wodurch das ausgelöst wurde, was als Nächstes kam. Vielleicht hatte ich mich körperlich überanstrengt und meine ohnehin schon angeschlagene Gesundheit überstrapaziert. Plötzlich wurde ich schwer krank. Lähmende Erschöpfung war das vorherrschende Problem. Die Müdigkeit, an der ich litt, war so tief und überwältigend, dass an einem besonders schlimmen Tag sogar kleine Entscheidungen zu viel waren, wie: „Wasche ich heute meine Wäsche oder meine Haare?“ Meine Energie reichte einfach nicht für beides aus, geschweige denn für irgendetwas anderes.

Auf dem Höhepunkt des Erschöpfungszustands gesellten sich andere eigenartige Symptome hinzu: Nerven- und Muskelschmerzen und Krämpfe, Verdauungsstörungen, Konzentrationsstörungen bei der Arbeit, auf die ich mich nur für wenige Minuten auf einmal konzentrieren konnte. Als aus den Wochen ein Monat wurde und dann zwei, befand ich mich auf einem absoluten Tiefpunkt.

Sorgen nagten permanent an mir. Was ist, wenn es mir nie wieder bessergehen würde? Was, wenn ich für den Rest meines Lebens schwach und krank sein würde? Wie werde ich in der Lage sein, als alleinerziehende Mutter für meine Tochter und mich zu sorgen, wenn es mir gesundheitlich so schlecht geht? Ich fühlte mich, wie Mutter Teresa sich gefühlt haben muss, als sie sagte: „Ich weiß, dass Gott mir nichts anvertrauen wird, was ich nicht bewältigen kann. Ich wünschte mir nur, dass Er mir nicht so viel anvertrauen würde.“ Mein tägliches Gebet wurde: „Bitte, Herr, hilf mir einfach da durch. Mach, dass es aufhört. Hilf mir, zu überleben!“

Alles spitzte sich bei einer hitzigen Diskussion mit meiner 14-jährigen Tochter zu. „All die Jahre hast du an Gott geglaubt“, sagte sie, „aber es sieht nicht danach aus, als kümmere Er sich um dich. Du hast zu Gott gebetet und Ihn gebeten, dich zu heilen, was Er aber nicht getan hat. Du bist immer noch krank, und du quälst dich immer noch herum“.

Ich stellte fest, dass ihre Worte, so schwer es mir auch fiel, sie zu hören, tatsächlich im Grunde eine Verbalisierung einiger Themen war, mit denen ich zu kämpfen hatte. Warum half Gott nicht, wenn ich Ihn darum bat?

Ich setzte oft Glauben mit der Fähigkeit gleich, allen widrigen Umständen ausgeglichen und ruhig zu begegnen. Mein Problem war jedoch, dass ich nicht immer ruhig blieb, wenn es nicht glatt lief. Und das zeigte sich. Für mich bedeutete das, nichtgenügend Glauben zu haben.

Als ich dann das Gedicht „Ich will nicht zweifeln“ las, machte es bei mir „klick“, und der Groschen fiel: Glaube ist nicht nur ein Gefühl. Ich kann Glauben haben, auch wenn „die Tränen fließen, weil jene Segel ganz zerrissen“, „wenngleich von Zeit zu Zeit ins Trauern ich verfalle“, oder „stöhne und mich winde unter meinem Kreuz.“ Genau dann brauche ich meinen Glauben am meisten, genau dann kann ich es mir nicht leisten, meinen Halt zu verlieren. Glauben zu haben, bedeutet nicht, bei allem den Überblick haben zu müssen. Glauben ist eine innere Einstellung und ein Vertrauen, gerade wenn ich nicht den Überblick habe. Es ist das Wissen und das Festhalten an der Tatsache, dass Gott mich liebt und für mich sorgt, ungeachtet der Um-stände, Enttäuschungen und zerbrochenen Masten und zerfetzten Segel, der Verluste und Leiden, unabhängig davon, wie ich mich fühle.

Meine Gesundheit kehrte wieder zurück, und ich bin dankbar dafür. Aber ich habe immer noch nicht die Lösungen auf all meine Probleme gefunden. Mir fehlt immer noch der Überblick. Täglich muss ich die bewusste Entscheidung treffen: erstens, meinen Fokus und meine Gedankengänge von der Angst weg auf das Vertrauen in Gott zu verlegen, vom Zweifel zum Glauben an Seine Liebe und Seine nie versagende Fürsorge, und zweitens, mich auf Seine Zusage zu verlassen: „Denn ich weiß genau, welche Pläne ich für euch gefasst habe, spricht der Herr. Mein Plan ist, euch Heil zu geben und kein Leid. Ich gebe euch Zukunft und Hoffnung.“ – Jeremia 29,11

 

ICH WILL NICHT ZWEIFELN

Ella Wheeler Wilcox

Ich will nicht zweifeln,
auch wenn alle meine Schiffe
von hoher See nach Hause treiben,
mit gebrochenen Masten und zerfetzten Segel.
Glaube der Hand, die niemals fehlt,
ist meine Regel,
die mir von scheinbar Schlechtem Gutes schafft.
Auch wenn die Tränen fließen,
weil jene Segel ganz zerrissen,
wenn all meine Hoffnungen zerschmettert sind,
rufe doch ich aus: „Ich vertrau auf dich!“

Ich will nicht zweifeln,
auch wenn all meine Gebete,
unbeantwortet zurückkehren
aus dem stillen, weißen Reich dort oben;
Ich werde glauben,
es geschieht in all-weiser Liebe,
die mir das verweigert, was mein Herz begehrt.
Wenngleich von Zeit zu Zeit
ins Trauern ich verfalle,
wird doch die reine Glut meines festen Glaubens
ungetrübt erstrahlen.

Ich will nicht zweifeln,
trotz Kummer, der wie Regen fällt,
und Schwierigkeiten um mich schwirren,
wie Bienen um den Stock.
Glauben will ich,
die Höhen, nach denen ich strebe,
nur durch Qual und Schmerz erreichbar sind;
Und obwohl ich stöhne und mich winde
unter meinem Kreuz,
so will ich doch,
durch meine schwersten Verluste hindurch,
den größeren Gewinn vor Augen sehen.

Ich will nicht zweifeln.
Gut verankert ist doch dieser Glaube,
wie ein verlässlich Schiff
trotzt meine Seele jedem Sturm;
Ihres Muts gewiss, dass sie nicht scheitern wird,
dem mächtigen, unbekannten Todes-See
ins Angesicht zu sehen.
Mag ich auch weinen,
wenn mein Leib die Seele ziehen lässt,
„Ich will nicht zweifeln“,
soll die Welt, die lauscht, vernehmen,
Bei meinem letztem Atemzug.

… in allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten, – 2.Korinther 6,4

Wir freuen uns auch dann, wenn uns Sorgen und Probleme bedrängen, denn wir wissen, dass wir dadurch lernen, geduldig zu werden. Geduld aber macht uns innerlich stark, und das wiederum macht uns zuversichtlich in der Hoffnung auf die Erlösung. – Römer 5,3.4

* * *

07-4-11

Ohne einen anderen Arbeitsplatz in Aussicht zu haben, war meine Situation alles andere als rosig. Mein Chef, egozentrisch, unhöflich und derb, machte mir das Leben schwer. Doch hielt er sich selbst, ein wenig ahnungslos, für jedermanns besten Freund. Wann immer ich versuchte, ihm zu erklären, was mich störte, hörte er mir aufmerksam zu, dankte mir und machte weiter wie vorher, ohne sein Benehmen auch nur im Geringsten zu ändern. Ich legte eine Beschwerde bei seinem Vorgesetzten ein. Aber es änderte sich nichts.

Es schien, als wäre ich dazu verdammt, für immer in dieser stressigen Atmosphäre arbeiten zu müssen, ohne eine Möglichkeit, etwas gegen Vorfälle tun zu können, die von leicht ärgerlich bis ungeheuerlich reichten. Einer davon trieb mich kürzlich zur Verzweiflung. Ich konnte die Situation nicht ändern, aber meine Wut war drauf und dran, mich kaputtzumachen, wenn ich nicht bald einen Ausweg finden würde, wie ich damit umgehen konnte.

Als ich Gottes Hilfe suchte, kam Er zum Glück zu meiner Rettung. Er zeigte mir einen kleinen Trick, der mir helfen würde, diese stressige Situation zu überstehen, wie auch diverse ähnliche Szenarien, die seither aufkamen. Gott erinnerte mich ans Surfing, meinen Lieblingssport, und zeigte mir vor meinem inneren Auge ein Bild, wie ich dort in den Wellen trieb und auf eine Welle wartete. Surfer reiten nicht unbedingt jede Welle, sondern warten auf eine, die ihre Zeit und Energie wert ist. Wenn niedrigere Wellen kommen, paddeln sie nicht wie wild, um den Wellenkamm zu erwischen, sondern geben ihrem Surfboard vorne einen Ruck nach oben, was sie hoch genug hebt, um die Welle unter ihnen hindurchgleiten zu lassen. So ist es ihnen möglich, auf eine Welle zu warten, die sich auch wirklich lohnt. Unangenehme Situationen wie diese, die mich so aufregten, so stellte ich fest, waren wie diese niedrigeren Wellen, die sich nicht lohnten. Ich sollte sie einfach vorbeiziehen lassen.

Psychologischer Trick für chaotische Arbeitsplätze? Vielleicht. Aber es hat funktioniert! Mit etwas Übung lernte ich, über diesen lästigen Situationen zu stehen, anstatt mich von ihnen erschöpfen zu lassen.

DAVID BOLICK BETREIBT GESUNDHEITSTOURISMUS UND IST MITGRÜNDER VON MEDITRAVEL SOLUTIONS. ER LEBT IN GUADALAJARA, MEXIKO

Lass los. Warum hältst du am Schmerz fest? Warum hältst du an dem fest, was Hoffnung und Liebe von dir fernhalten? – Leo Buscaglia (1924-1998)
– – –
Wenn du ein bisschen loslässt, dann wirst du ein bisschen Frieden haben; wenn du eine Menge loslässt, dann wirst du eine Menge Frieden finden; wenn du vollständig los-lässt, dann wirst du voll-ständigen Frieden haben. – Ajahn Chah (1918-1992)

* * *

07-4-12

Die Bibel enthält viele Hinweise zur Orientierung, wofür wir unsere Zeit und Energie einsetzen sollten:
Andere lieben und ihnen helfen, – Johannes 15,12; Matthäus 19,21
die gute Nachricht von Gottes Liebe mit anderen teilen, – Markus 16,
uns bei unserer Arbeit anstrengen, – 1. Thessalonicher 4,11
um ein paar aufzuzählen. Aber die Bibel lehrt uns auch, dass es manchmal das Beste ist, innezuhalten und Gott die Arbeit für uns erledigen zu lassen.

„Ich gehe fischen“, sagte Simon Petrus zu seinen Apostelbrüdern. – Lies diese Geschichte in Johannes 21,3-13

„Wir kommen mit“, antworteten sie.

Die Geschichte ereignet sich in den Wochen, die auf Jesu Tod folgten. Die Jünger hatten Ihn seit Seiner Auferstehung zweimal gesehen, – Johannes 21,14 aber es schien, als ob sie noch immer nicht wussten, was sie als Nächstes tun sollten. Einige von ihnen waren Fischer gewesen, bevor Jesus sie zum Nachfolgen aufgefordert hatte, – Matthäus 4,18,21 deshalb schien es vielleicht die logischste Entscheidung zu sein, wenn sie wieder zu ihren früheren Beschäftigungen zurückkehren würden – außerdem war es etwas, worin sie Erfahrung hatten.

Allerdings brachte es Simon Petrus und seine Fischerkollegen nicht sehr weit an diesem Tag. „[Sie] fuhren … im Boot hinaus, doch sie fingen die ganze Nacht über nichts.“

Vielen von uns kommt das bekannt vor. Wir sind ständig irgendwie aktiv, beteiligen uns intensiv an Projekten, erreichen damit aber nicht viel.

Stell dir die Jünger am nächsten Morgen vor, müde, lustlos und hungrig. Sie hatten die ganze Nacht gearbeitet und nichts für ihre schwere Arbeit bekommen. Dem wurde noch die Krone aufgesetzt, als ein scheinbar Fremder vom Ufer her rief: „Habt ihr etwas gefangen?“ Nein, sie hatten überhaupt nichts! Es bedurfte der Anweisung des Fremden: „Werft euer Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, dann werdet ihr etwas fangen“, bis es ihnen langsam dämmerte, dass der Fremde eigentlich Jesus war.

Sie taten, was der Meister ihnen aufgetragen hatte, und zogen dieses Mal Fische an Land – 153 Stück, um genau zu sein. Jedoch am Ufer gelandet, sahen sie Fische, die bereits über einem offenen Feuer brieten, sowie frisches Brot. Letzten Endes hätten sie nicht die ganze Nacht fischen müssen. Ihrem Herrn war es eine Leichtigkeit, ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

Das nächste Mal, wenn du das Gefühl hast, deine Anstrengungen brächten überhaupt nichts, dann erinnere dich daran, dass Gott von dir nicht immer erwartet etwas zu tun. Manchmal möchte Er einfach nur, dass du Zeit mit Ihm verbringst. Ein paar Augenblicke stiller Reflektion, bevor du mit einem vollen Programm den Tag beginnst, kann eine große Auswirkung darauf haben, was du an dem Tag erreichst. Verbringe Zeit mit Gott zu Beginn des Tages, und Er wird mit dir den ganzen Tag über sein.

ABI F. MAY IST FREIE AUTORIN UND PÄDAGOGIN IN GROSSBRITANIEN UND AUTORIN FÜR ACTIVATED

* * *

Wenn du, wie die meisten Leute heutzutage, im Trend liegst, dann bist du an hektisches Treiben, schnelles Handeln, sowie rasche Ergebnisse gewöhnt. Das Problem dabei ist – oder zumindest Teil des Problems – das, was gestern noch ausreichend war, hat selten noch für heute Bestand. Und höhere persönliche Erwartungen haben Einfluss darauf, was du dir von anderen Menschen und vom Leben generell erhoffst.

07-4-13

Du bemühst dich, mit der Welt Schritt zu halten, aber gleichzeitig kannst du nichts daran ändern, dass manches einfach Zeit beansprucht. Die meisten Probleme am Arbeitsplatz, mit deiner Gesundheit oder in deinen Beziehungen können nicht einfach mit einem Mausklick oder auf Knopfdruck gelöst werden.

Manchmal ist das Leben einfach hart, und ab und zu bleibt das für eine Weile auch so. Es gibt immer einen Weg, aus deinen Schwierigkeiten herauszukommen, wenn du auf mich schaust und auf meine Unterstützung und Hilfe baust. Aber oft kostet es mich Zeit, um in deinen Gedanken, in deinem Herzen und in denen der anderen zu wirken. Selbst wenn die Probleme an dir zerren und du dich geistig erschöpft oder emotional ausgelaugt fühlst, bin ich an deiner Seite. Ich bin immer bereit, deinen Geist zu erneuern und dir die Geduld und die Beharrlichkeit zu geben, dran zu bleiben, während wir uns beide gemeinsam durch die Probleme hindurcharbeiten.

Ich verspreche dir kein problemfreies Leben. Ich werde auch nicht einen Zauberstab schwingen und deine Probleme und Kämpfe aus dem Weg schaffen. Aber ich kann dir übermenschliche Ressourcen und Quellen der Kraft schenken, die dich befähigen, Anfechtungen zu widerstehen, deinen Kopf im Sturm hochzuhalten und rechtzeitig gestärkt und besser gewappnet daraus hervorzugehen – um dich dann der nächsten Herausforderung zu stellen. – Vertraue mir!

* * *

 

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