Das Gleichnis von der Einladung zum großen Bankett hier
Das Gleichnis vom ungerechten Richter, oft auch die Geschichte von der hartnäckigen Witwe genannt, ist ein Gleichnis über das Gebet.
Es wird manchmal als der „Zwilling“ des Gleichnisses vom Freund um Mitternacht bezeichnet, da sie eine Reihe von Ähnlichkeiten haben. Traditionell werden beide in erster Linie als Lehre zur Beharrlichkeit im Gebet gesehen. Das Gleichnis vom ungerechten Richter spricht zwar über das Gebet, aber wenn wir genauer hinschauen, sehen wir, dass Jesus uns auch etwas darüber erzählt, wie Gott ist, wenn es darum geht, dass Er unsere Gebete hört und erhört.
Beginnen wir, indem wir uns die beiden Figuren der Geschichte ansehen.
Der Richter
Der Richter in dem Gleichnis ist kein ehrenwerter Mann. Jesus beschreibt ihn als jemanden, der weder Gott fürchtet noch die Menschen respektiert. Er erkennt weder Gottes Autorität an, noch schenkt er der Meinung anderer Menschen große Beachtung. Daher können die Menschen nicht an ihn appellieren, indem sie sagen: „Richte um Himmels willen zu meinen Gunsten“, denn es fehlt ihm an Gottesfurcht und es ihn nicht kümmert, was die Menschen über ihn denken. Er hat weder Ehr- noch Schamgefühle. Der Appell „um dieser Witwe willen, die in Not ist“, hat keine Wirkung auf ihn.
Jesus benutzt den extremen Fall des ungerechten Richters, eines Mannes ohne jegliche moralischen Skrupel, um darauf hinzuweisen, dass die Witwe, die zu den schwächsten Menschen in Israels Gesellschaft gehört, vor ihm wohl kaum Recht bekommen wird.
Die Witwe
Witwen im Palästina des ersten Jahrhunderts und im gesamten Alten Testament konnten extrem verwundbar sein. Sie galten als Symbol für die Unschuldigen, Machtlosen und Unterdrückten. Die Schrift ermahnt, dass Witwen nicht misshandelt werden sollen, und wenn sie es doch werden, sagt sie, dass Gott ihren Schrei hören wird, da Er der Beschützer der Witwen ist. (2.Mose 22,21-22-23) „Vater der Waisen und Helfer der Witwen – das ist Gott in seinem Heiligtum.“ – Psalm 68,6
Die Verletzlichkeit einer Witwe wird von Jesus ausgedrückt, wenn Er von Schriftgelehrten spricht, die die Häuser der Witwen verschlingen, womit wahrscheinlich irgendeine Art der finanziellen Ausbeutung gemeint ist. (Lukas 20,47)
Da die Witwe ihren Fall vor einen Einzelrichter statt vor ein Tribunal bringt, könnte es sich um eine finanzielle Angelegenheit handeln, um eine Schuld, die ihr geschuldet wird, um ein Pfand oder um einen Teil eines Erbes, das ihr vorenthalten wird.2 Dass sie sich an einen Richter wendet, deutet darauf hin, dass sie wahrscheinlich keinen Sohn oder Bruder oder einen anderen Mann in ihrer Großfamilie hatte, der für sie sprechen konnte, denn wenn sie männliche Verwandte gehabt hätte, wären diese wahrscheinlich an ihrer Stelle vor den Richter gegangen.
Im Kontext der Geschichte wird deutlich, dass die Witwe im Recht ist und das einfordert, was ihr rechtmäßig zusteht. Die Jünger, denen dieses Gleichnis ursprünglich erzählt wurde, hätten verstanden, dass die Frau wehrlos und hilflos war und niemanden hatte, der sich für sie einsetzte oder sie verteidigte. Ihre Beharrlichkeit war ihre einzige Verteidigung. Sie hätten auch erkannt, dass die Frau sich unangemessen verhielt. Als Witwe hätte man von ihr erwartet, dass sie sich wie ein hilfloses Opfer verhält. Stattdessen begibt sie sich vor dem Richter in die Männerdomäne und als sie abgewiesen wird, bleibt sie hartnäckig.
Das Gleichnis
Lukas 18 liefert den Kontext für das Gleichnis: „Eines Tages zeigte Jesus seinen Jüngern durch ein Gleichnis, wie wichtig es ist, beständig zu beten und nicht aufzugeben. „In einer Stadt lebte ein Richter. Es war ein harter, gottloser Mann, der den Menschen mit Verachtung begegnete. Eine Witwe aus der Stadt sprach immer wieder bei ihm vor und forderte ihr Recht gegenüber jemandem, der ihr unrecht getan hatte.“ Lukas 18,1-3
Wir haben die schutzlose, aber mutige Witwe, die vor den ungerechten Richter tritt und ihn bittet, sich ihres Falles anzunehmen und ihr Gerechtigkeit gegen ihren Widersacher zu verschaffen. Sie ist wiederholt zurückgekehrt und eine Zeit lang hat er sie abblitzen lassen und sich geweigert, ihr zu helfen.
„Der Richter ging eine Weile über ihre Klagen hinweg, doch irgendwann wurde er ihrer müde. ‚Ich fürchte weder Gott noch Menschen‘, dachte er, ‚aber diese Frau raubt mir den Verstand. Ich will zusehen, dass sie ihr Recht bekommt, damit sie mich mit ihren ständigen Anträgen verschont.‘“ Verse 4-5
Schließlich wird dem Richter klar, dass die Witwe nicht aufhören wird, für Gerechtigkeit zu plädieren. Er gibt zu, dass es ihm egal ist, was Gott oder Menschen denken, aber es ist ihm nicht egal, dass er ständig von ihr belästigt wird, sie ihm noch den Verstand raubt. Er beschließt, ihr Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, nicht aus Güte oder Mitgefühl oder weil es das Richtige wäre. Seine Entscheidung rührt daher, dass er es satt hat, von der Witwe belästigt zu werden.
Aufgrund ihrer untypischen Hartnäckigkeit und ihrer unaufhörlichen Forderungen nach Gerechtigkeit beschließt er, zu ihren Gunsten zu entscheiden. Der Richter kommt zu dem Schluss, dass die Frau niemals aufgeben wird, also gibt er nach.
Jesus kommt dann auf den Punkt, den er zu vermitteln versucht: „Und der Herr sagte: ‚Aus dem Handeln dieses ungerechten Richters sollt ihr etwas lernen: Wenn selbst er schließlich ein gerechtes Urteil fällte – wird Gott da nicht seinen Auserwählten, die ihn Tag und Nacht anflehen, ihr Recht verschaffen? Wird er sie vertrösten?‘“ – Verse 6-7
Jesus lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was der Richter sagt, und macht dann Seinen Standpunkt deutlich. Wenn wir beten, werden unsere Gebete nicht von einem ungerechten Richter erhört, der sich um niemanden kümmert, der nur aus seinen eigenen egoistischen Motiven heraus antwortet. Stattdessen bringen wir unsere Bitten zu unserem Schöpfer, der uns ein Vater ist, der uns liebt und die Bitten derer erhört, die im Gebet zu Ihm kommen.
Dieses Gleichnis spricht von der Notwendigkeit zu beten und nicht den Mut zu verlieren, wenn unsere Gebete nicht sofort erhört werden. Beharrlichkeit im Gebet ist ein Punkt des Gleichnisses, aber es geht um viel mehr.
Lukas platziert dieses Gleichnis direkt nach einer Rede Jesu über die Wiederkunft des Menschensohns. „Es wird die Zeit kommen, wo ihr euch danach sehnt, auch nur einen Tag unter der Herrschaft des Menschensohnes zu erleben. Aber es wird euch nicht vergönnt sein.‘“ – Lukas 17,22 GNB
Jesus sagt Seinen Jüngern, dass die Zeit kommen wird, in der sie sich danach sehnen werden, den Tag Seiner Wiederkunft zu sehen, aber sie werden ihn nicht sehen. Dann gibt Er eine Erklärung, wie es vor Seinem Kommen sein wird, dass es wie in den Tagen vor der Sintflut und in den Tagen Lots sein wird, bevor das Gericht über die Menschen kam. Die Menschen gingen alltäglichen Dingen nach – sie aßen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten – bis plötzlich das Gericht kam. Die Gläubigen werden sich wünschen, den Menschensohn zu sehen, aber stattdessen geht das Leben weiter. Aber wenn dieser Tag kommt, wird das Gericht schnell sein. (Lukas 17,26-30)
Darauffolgend beginnt Lukas die Geschichte vom Richter und der Witwe. Der Kontext des Gleichnisses ist die unerfüllte Hoffnung auf das Kommen des Menschensohns. Es geht darum, dass die Gläubigen nicht den Mut verlieren sollen, während sie auf die Erfüllung von Gottes Verheißungen warten, sondern dass wir, während wir warten, weiterhin im Glauben beten sollen, weil wir wissen, dass Gott nicht versagen wird, zu antworten. Wie Jesus gesagt hat: „Wenn selbst er schließlich ein gerechtes Urteil fällte – wird Gott da nicht seinen Auserwählten, die ihn Tag und Nacht anflehen, ihr Recht verschaffen? Wird er sie vertrösten?“ – Lukas 18,7
Im Zusammenhang mit der Wiederkunft des Menschensohns wird Gott Seinem Volk Gerechtigkeit bringen, zu der Zeit, die Er erwählt hat. Und während wir warten, ist es unsere Verantwortung, zu beten und zu vertrauen, nicht aufzugeben, müde oder erschöpft zu werden, was andere Definitionen des griechischen Wortes sind, das mit „den Mut verlieren“ übersetzt wird.
Jesus fährt fort zu sagen: „Ich sage euch, er wird ihnen Recht verschaffen, und zwar schnell!“ – Vers 8 Gott wird die Gebete seiner Kinder durch die Zeitalter hindurch für Gerechtigkeit durch Jesu Wiederkunft beantworten. Wenn er kommt, wird ihnen schnell Gerechtigkeit zuteilwerden.
Dann stellt Jesus eine sehr ernüchternde Frage: „Doch wenn der Menschensohn wiederkommt, wie viele wird er dann vorfinden, die solch einen Glauben haben?“ – Vers 8 Das ist eine Frage, über die es sich lohnt nachzudenken. Wird Jesus bei Seiner Wiederkunft die Gläubigen finden, diejenigen, die durchgehalten haben, die vertraut und geglaubt haben? Wird Jesus feststellen, dass wir, die wir Christen (Nachfolger von Christus) sind, Ihm treu geblieben sind?
Jesus erzählte dieses Gleichnis Seinen Jüngern vor Seiner Ankunft in Jerusalem, nicht lange bevor Er verhaftet, verurteilt und gekreuzigt werden würde. Seine Jünger waren dabei, gefährlichen Zeiten entgegenzusehen. Ihnen wurde gesagt, sie sollten beten und nicht den Mut verlieren.
Christen haben sich zu allen Zeiten danach gesehnt, die Wiederkunft Jesu zu sehen. Jesus sagt, dass es geschehen wird. Gott wird Seinen Auserwählten Gerechtigkeit geben, denen, die Tag und Nacht zu Ihm geschrien haben, und wenn diese kommt, wird das Gericht schnell sein.
Jesus fragt, ob er, wenn Er wiederkommt, Glauben auf der Erde vorfinden wird. Daran können wir sehen, dass er versteht, dass wir Menschen sind, dass unser Glaube in Zeiten der Prüfung getestet wird. Indem er diese Tatsache mit dem Gebet verknüpft, macht er deutlich, dass unsere Fähigkeit, im Glauben zu bleiben, mit unserer Treue zum Gebet und unserem Vertrauen auf Gott verbunden ist.
Wir sollen in unserem Gebetsleben beharrlich sein. Das bedeutet, hartnäckig zu sein, entschlossen zu beten, regelmäßig zu beten und weiterhin im Glauben zu beten, auch wenn wir die Antwort nicht sofort erhalten. So wie die Frau mutig vor den Richter trat, sollen auch wir im Gebet mutig vor den Herrn treten.
Gleichzeitig ermahnt Jesus Seine Jünger, nicht wie die Heiden zu sein, „Plappert nicht vor euch hin wenn ihr betet, wie es die Menschen tun, die Gott nicht kennen. Sie glauben, dass ihre Gebete erhört werden, wenn sie die Worte nur oft genug wiederholen.“ Matthäus 6,7
Oder wie die Schriftgelehrten, die „um zu verbergen, wie sie wirklich sind, sprechen sie in der Öffentlichkeit lange Gebete. – Markus 12,40
Jesus will keine langen oder sich wiederholende Gebete. Was wichtig ist, ist, dass unsere Gebete eine von Herzen kommende Kommunikation mit unserem Vater sind, der uns liebt.
Der Gedanke der Beharrlichkeit im Gebet ist nicht, dass wir versuchen sollen, Gott mit unseren Bitten immer wieder zu ermüden. Wir sollen unsere Bitten mit Glauben und Vertrauen vor Ihn bringen, in dem Wissen, dass Er uns liebt wie ein Vater Sein Kind und uns geben wird, worum wir bitten, wenn es gut für uns ist und in Seinem Willen liegt, dies zu tun. Das heißt, wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass hartnäckiges Beten nicht immer dazu führt, dass Gott so antwortet, wie wir es wünschen.
Wir sollen nicht den Glauben verlieren, wenn unsere Gebete nicht sofort erhört werden. Wir sollen nicht den Mut verlieren. Jesus weist uns an, im Glauben und Vertrauen weiterzumachen, in dem Wissen, dass Gott ein fairer und großzügiger Richter ist, ein liebender Vater, der nach Seinem Willen und zu Seiner Zeit antworten wird.
Vor allem aber sollten wir uns daran erinnern, dass Gott jeden von uns als Sein Kind liebt. Er kümmert sich um uns. Ihm liegen unsere besten Interessen am Herzen. Wir können und sollten im Gebet zu Ihm kommen mit Glauben, Vertrauen, Demut und Liebe zu dem Einen, der uns mit Seiner ewigen Liebe liebt.
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1Kenneth E. Bailey, Jesus Through Middle Eastern Eyes, 263.
2Joachim Jeremias, Rediscovering the Parables (New York: Charles Scribner’s Sons, 1966), 122.
Artikel von Peter Amsterdam (Copyright), entnommen von hier
Lass dich einladen von dem gerechten Richter zum größten Bankett aller Zeiten und Fest aller Feste in der himmlischen Stadt wo, wie es heißt: Gott selbst wird bei ihnen sein.
Er wird alle ihre Tränen abwischen, und es wird keinen Tod und keine Trauer und kein Weinen und keinen Schmerz mehr geben. Denn die erste Welt mit ihrem ganzen Unheil ist für immer vergangen. Und der, der auf dem Thron saß, sagte: „Ja, ich mache alles neu!“ Und dann sagte er zu mir: „Schreib es auf, denn was ich dir sage, ist zuverlässig und wahr!“ Und er sagte auch: „Es ist vollendet! Ich bin das Alpha und das Omega – der Anfang und das Ende. Jedem, der durstig ist, werde ich aus der Quelle, die das Wasser des Lebens enthält, umsonst zu trinken geben!
Wer überwindet, wird dies alles empfangen; ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. – Offenbarung 21,1-7



