Der Augenzeuge

Kennst du das, du versetzt dich so in eine Situation oder Person hinein, bis es wie deine eigene wird. Wenn du dann noch betest, kann es sein, dass es für dich sogar noch lebendiger wird. Du kannst Dinge sehen und Personen sprechen sogar zu dir. Solch ein Szenario wird so ungefähr in diesem Bericht beschrieben:

05-frohe O.-1

Von Curtis Peter Van Gorder

DIE LETZEN 24 STUNDEN WAREN SEHR VERWIRREND, JA ERSCHRECKEND UND GLEICHZEITIG WUNDERVOLL Es begann mit einem Befehl von Kaiphas, dem Hohepriester, der Marionette von Rom, Kaiphas, dem ich diene. „Malchus mach dies! Malchus mach das!“ Und natürlich muss ich machen, was er mir befiehlt. Ich bin die Marionette einer Marionette. Ich bin hier, um seine schmutzige Arbeit auszuführen. Und dies war der schmutzigste Auftrag, den ich je bekommen hatte.

Ich sollte die Anweisungen des Hohepriesters an den Obersten der Tempelwache weitergeben und dann mit ihm und seinen Leuten zusammen losgehen, um Jesus zu ergreifen und Ihn vor Gericht zu bringen. Wir hatten so etwas schon öfter gemacht, als wir andere verbrecherische Lehrer verhafteten, aber dieses Mal wehrte sich etwas in mir gegen den Befehl.

Monate vorher hatte ich Jesus sprechen hören, und ich sage euch: niemand hat je so gesprochen wie er! „Liebe deine Feinde. Tue Gutes denen, die dich hassen.“ Nun, das ist eine Botschaft, die man nicht oft hört! Bei allen anderen geht es immer nur um „Auge um Auge.“ Die Zeloten wollen ihr Land zurück. Die religiösen Fanatiker wollen ihre Religion zurück. Die  korrupten Händler, die selbst betrogen wurden, wollen ihr Geld zurück. Es scheint, als ob alle nach Rache verlangen.

Jesus war anders.

Kaiphas wollte, dass wir Jesus in der tiefen Nacht verhafteten, denn er fürchtete, es könne einen Aufstand geben, wenn die einfachen Leute das mitbekommen würden. Jesus hatte viele Wunder vollbracht, und die meisten Leute liebten Ihn. Tatsächlich hatte die Menge bei Seinem Einzug in die Stadt, gerade vor einigen Tagen, nach Ihm  als ihren König gerufen.

Der Plan war, Ihn in dem  Garten zu finden, in den Er zum Beten gegangen war, Ihn zu überraschen und festzunehmen, bevor Er fliehen konnte. Aber als wir dort ankamen, war es, als ob Er gewusst hätte, dass wir kommen würden und auf uns wartete. Judas Iskariot tat, wofür er bezahlt worden war und zeigte auf Jesus in einer Gruppe von zwölf Männern und ging auf ihn zu. Welche Schande, den eigenen Meister zu verraten und noch dazu – mit einem Kuss!

Die 30 Silberstücke aus dem Tempelschatz, die die obersten Priester an Judas ausgezahlt hatten, hätten wir uns sparen können, denn bevor wir irgendetwas sagen oder tun konnten, fragte uns Jesus: „Wen sucht ihr?“ „Jesus von Nazareth“, antwortete ich.

„Der bin ich”, sagte Jesus. Seine Erscheinung war so überwältigend, dass wir alle, die Ihn verhaften wollten, zurückwichen und zu Boden fielen. „Wen sucht ihr?“ fragte Jesus wieder.

„Jesus von Nazareth“, wiederholte ich, während ich mühsam versuchte, schnell wieder auf die Beine zu kommen.

„Ich habe euch gesagt, dass ich derjenige bin, nach dem ihr sucht, also lasst die anderen gehen”, sagte Er, indem Er auf Seine Jünger zeigte.

Einer von Jesus Anhängern trat plötzlich hervor, zog ein Schwert, und schwenkte es in meine Richtung. Ich wich aus und dachte, er hätte mich verfehlt; aber dann spürte ich einen stechenden Schmerz und Blut strömte an der Seite meines Kopfes herab. Mein Ohr war weg! Ich sank auf meine Knie und griff nach der Wunde; vergeblich versuchte ich, den Blutfluss zu stoppen. Mein Gewand wurde zu einer rotgetränkten Masse und ich begann, das Bewusstsein zu verlieren.

04-Malchus-1

Plötzlich war ich von einem glänzenden Licht umhüllt. Jemand rief meinen Namen. Es war Jesus, der über mir kniete und meine Wunde mit meinem Ohr in Seiner Hand abdeckte. Ich fühlte ein warmes Prickeln. Der Schmerz hörte auf. Jesus’ Augen waren voller Liebe. Er sagte kein Wort, aber in dem Moment wusste ich, Er war mein Freund und nicht mein Feind. Auch wusste ich, dass bei mir alles wieder in Ordnung sein würde – aber was würde mit Jesus geschehen? Ich hatte Mitschuld an seiner Verhaftung, und jetzt bereute ich es.

„Steck das Schwert weg”, sagte Jesus, indem er sich Petrus zuwandte. „Wer mit dem Schwert lebt, wird durch das Schwert sterben.“

Ich denke, einige der Wächter waren genauso überrascht wie ich, dass Jesus  in Seiner Liebe sogar Seine Feinde heilte. Manche, so wie auch ich, werden sich sicher gefragt haben, ob Er wirklich der Sohn Gottes war. Der Oberste der Tempelwache fragte sich das natürlich nicht, der zweifelte Befehle nie an. Er riss Jesus auf Seine Füße, und einen Moment später waren sie alle weg.

Allein im Garten zurückgeblieben, staunte ich immer noch über das Wunder, das sich soeben ereignet hatte. Mein Ohr war wieder völlig hergestellt; nur mein blutgetränktes Gewand und das Blut auf meiner Haut waren der Beweis dafür, dass etwas Erstaunliches passiert war. Wie konnten die anderen dieses Wunder so einfach abtun? Wie konnten sie so herzlos sein?

Zu Hause angekommen, wusch ich mir das angetrocknete Blut von Gesicht und Armen und wechselte mein Gewand. Ich konnte den Gedanken nicht abschütteln, dass ich soeben Komplize eines entsetzlichen Verbrechens gewesen war.

Ich rannte zum Palast des Hohepriesters, um zu sehen, was mit Jesus geschehen würde und fand den Platz voller Leute. Trotz der späten Stunde hatte sich die Nachricht von Jesus’ Verhaftung schnell herumgesprochen.

„Wo ist Er?” fragte ich einen von der Wache.

„Die Gerichtsverhandlung hat begonnen. Kaiphas ist bereits davon überzeugt, dass dieser Jesus-Typ sich der Gotteslästerung schuldig gemacht hat. Er wird rasch das Urteil fällen. Dieser Jesus hat keine Chance“, antwortete der Wächter nüchtern.

Immer wieder musste ich nach meinem Ohr greifen. Da waren kein Schmerz und keine Verletzung. Ich fuhr mit dem Finger über die Stelle, aber ich konnte nicht einmal eine Narbe fühlen! Wie konnte das sein? Dann kehrte jener Gedanke wieder zurück und zwar viel lauter als zuvor: ‚Ich bin dafür verantwortlich!‘ Ich fühlte mich, als wäre ich derjenige, der vor Gericht stand. Er hat mich geheilt. Er hat  mir Liebe und Gnade gezeigt. Jetzt ist Er von Wölfen umzingelt, die nach Seinem Blut lechzen. Was habe ich getan?

Der Wächter hatte Recht. Kaiphas und die Hohepriester fällten rasch das Urteil; jedoch nach Römischem Gesetz hatten sie nicht die Befugnis, Jesus zum Tode zu verurteilen.

Ich folgte, als Jesus zum Verhör von Pontius Pilatus, dem Römischen Statthalter, geführt wurde. Den Anklägern von Jesus erging es ähnlich wie uns in jenem  Garten – jedes Mal, wenn Er sprach, fielen sie fast nieder. Sie wussten, dass Jesus kein gewöhnlicher Mensch war.

„Ich finde keinerlei Schuld an Ihm”, erklärte Pilatus nach seinem Verhör. Aber als er sah, dass die Menge von den Priestern aufgewiegelt worden war, Jesus Hinrichtung zu fordern, und drauf und dran waren, einen Aufruhr zu starten, verlangte er nach einer Schüssel Wasser, wusch seine Hände darin und sagte: „Ich bin unschuldig am Blut dieses gerechten Mannes. Wenn ihr Ihn kreuzigen wollt, dann müsst ihr euch selbst darum kümmern!“

Daraufhin lieferte Pilatus Jesus zur Kreuzigung aus, und die ganze Garnison der Römischen Soldaten versammelte sich um Jesus. Sie kleideten Ihn in ein scharlachrotes Gewand und setzten Ihm eine Dornenkrone auf den Kopf. Sie spuckten auf Ihn und verspotteten Ihn. „Heil, König der Juden!“ Dann zogen sie Ihm wieder Sein eigenes Gewand an und führten Ihn weg, um Ihn zu kreuzigen.

Ich wurde von der Menge, die durch die engen Straßen von Jerusalem brandete, vorwärts geschoben, bis wir etwas außerhalb der Stadt zu dem Berg Golgatha kamen – auch „Schädelstätte“ genannt. Bis ich mich durch die Menge nach vorne gekämpft hatte, hatten die Soldaten Jesus schon an ein Kreuz genagelt und zogen Ihn hoch, denn Er sollte wie ein gewöhnlicher Krimineller sterben. Sein Gesicht und Körper waren blutbespritzt, so wie bei mir zuvor in jenem Garten.

In Gedanken reiste ich ein paar Monate zurück, zu dem Zeitpunkt, als ich Ihn zu einer Menschenmenge hatte sagen hören: „Ich bin gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten.”

Obwohl ich sicher war, dass Er mich bei dem Lärm der Menschenmasse, die sich versammelt hatte, um Ihn sterben zu sehen, nie würde  hören können, sagte ich zu Ihm: „Jesus, ich bin verloren. Vergib mir, was ich getan habe!“

Da schaute Er direkt zu mir,  mit derselben Liebe in Seinen Augen, die ich schon in jenem Garten gesehen hatte. Ich wusste, Er hatte mir vergeben. Es war schon ein Wunder, wie Er mein Ohr geheilt hatte, aber ein noch größeres Wunder geschah, als Er mein Herz heilte.

Einen Moment später erschien Kaiphas, um Jesus zu verhöhnen und sich triumphierend an seinem Sieg zu weiden. Er war so anders als Jesus – so voller Hass und Bosheit.  „Wenn Du der König von Israel bist, wie Du behauptest, so komm doch vom Kreuz herunter! Dann werden wir Dir glauben. Du hast auf Gott vertraut – dann lass Dich jetzt von Ihm befreien!“

05-frohe O.-2Der Himmel verdunkelte sich, ein Wind kam auf, Donner erschütterte den Berg und Jesus schrie auf: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!” Selbst während Er sterbend dort hing, vergab Er noch seinen Henkern.

Ich weiß jetzt, was ich tun muss: Ich muss einen Weg finden, meinem neuen Herrn zu dienen, aus lauter Liebe und Dankbarkeit.

 – – –

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s