Advent, Advent ein Lichtlein brennt, erst eins… dann vier…

4.Advent-1

Das bin ich mit meinem 10 Jahre jüngeren Bruder Adventslieder singen. Das war unter der Woche, deshalb sind es nur wir zwei. Im dunklen Zimmer, mit nur den Kerzen an und dann singen, hat mir sehr viel bedeutet und gegeben. Meine Eltern waren durch ihren Laden sehr beschäftigte Leute und meist machte ich den Adventskranz selbst, mit nicht allzu viel Fantasie, wie mir heute scheint. Naja, auf dem schwarz-weiß Foto sieht man die Dekoration auch nicht sehr. Wir hatten einen Drahtring, in den man dann die kleingeschnittenen Zweige steckte. Damals waren Adventskränze so riesig. In der Schule hing ein noch größeres Exemplar immer in jedem Klassenzimmer. Aber wenn ich jetzt zurückdenke, hatten die meisten Adventkränze spärliche Dekorationen. Rote Bänder waren meist noch dabei, zusammen mit dem Grün und den Kerzen, war das das Wichtigste, denke ich.

Die obere Tischdecke, übrigens, ist silbern und handgehäkelt von meiner Mutter. Sie arbeitete vor ihrer Hochzeit in einer Strickfabrik und durfte Fadenreste mit nach Hause nehmen. Und während Zeiten in Luftschutzbunkern während des Kriegs, hat sie an dieser Decke gearbeitet. Da es ein dicker Faden war, war sie auch dementsprechend sehr schwer und wir mussten aufpassen, dass wir sie nicht schmutzig machten, weil sie auch nicht einfach zu waschen war. Aber wir alle waren stolz auf Mutters handgefertigte Decke.

Meine Strickjacke war auch selbst gestrickt – in der Schule. Heute werden dort wohl kaum solch große und praktische Projekte mehr gemacht. Das hat nicht nur Stricken sondern auch Ausdauer und beharrlich etwas zu Ende führen, gelehrt. Einmal habe ich eine Kissenhülle zum Sticken bekommen und ich weiß, die habe ich vielleicht mit Begeisterung angefangen, aber nie zu Ende gebracht.

Aber ich liebte singen. Und singen tut der Seele gut. Deshalb gibt es auch so viele Lieder und auch so viele und sehr schöne Weihnachtslieder. Menschen haben darin ihre Gefühle ausgedrückt und ihre Ehrerbietung und Lobpreis zu Gott. Musik kann in uns auch etwas bewirken, das wir nicht wirklich erklären können oder in Worte fassen können. Warum gerade diese Musik einer CD in der folgenden Geschichte diese Auswirkungen bei ihr vollbrachten, lässt sich genauso wenig erklären oder vielleicht doch mit dem was Luther über Musik sagte (weiter unten):

 Musik die heilt 

Von Erika Blecic

 Ich gehöre zu der Italienischen Gemeinde in Rijeka, Kroatien, und arbeite als Reporterin für eine Zeitung in Italienischer Sprache, die für uns eine hohe Bedeutung hat. Ich leide unter dem Ménière Syndrom, einer Störung im Ohr, die Schwindelanfälle, ständiges Ohrklingeln und Schwerhörigkeit verursacht. Bei mir bedeutet das, wenn Geräusche mit niedriger Tonhöhe zu stark werden, wirbelt es so heftig in meinem Kopf herum, dass ich mich schnell hinlegen muss, bevor ich mein Gleichgewicht verliere und hinfalle. Fernseher und Radio habe ich schon lange in einen Schrank verbannt.

Im März 2004 schickte mich mein Chef zu einer Konferenz über freiwillige Arbeit hier in der Italienischen Gemeinde. Ich ahnte nicht, dass ich einige wundervolle Menschen von The Family International treffen würde. Anna, Paolo, Andrea und Simone sprachen sehr überzeugend von ihrer Mission. Ich fand heraus, dass sie Clown–Therapie für Kinder in Waisen– und Krankenhäusern durchführten und sie fanden heraus, dass ich nähen kann. Das nächste, an was ich mich erinnere ist, dass ich tagsüber als Reporterin arbeitete und nachts Clownkostüme nähte. Ich machte das zehn Nächte hintereinander, und fühlte mich überhaupt nicht müde. Im Gegenteil, ich war glücklich, dass ich Menschen helfen konnte, anderen Menschen zu helfen.

Und jetzt beginnt meine Weihnachtsgeschichte…

Letztes Jahr (2013) im Dezember sah ich Andrea und Maggie (Anm. italienische Namen wie Simone und Andrea sind Männernamen) an einem Stand ihrer Glaubensgemeinschaft in unserem Einkaufszentrum und kaufte spontan die CD „Rhythm of Christmas“ (Weihnachtsrythmus).* Für einen Menschen mit ernsthaften Hörproblemen war das schon eine merkwürdige Sache. Ich besaß noch nicht mal einen CD-Player! Aber schließlich wusste ich, dass ich durch diesen Kauf ihre Mission unterstützen konnte.

Am nächsten Abend ging ich auf dem Weg einen anderen Auftrag zu erfüllen ohne Nachzudenken in ein Elektrogeschäft und kam mit einem CD-Player wieder heraus. Ich konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen und diese CD zu hören! Ich setzte mich hin und hatte kaum die ersten Töne gehört, als mir die Tränen in Strömen herunterliefen. Bilder meines verstorbenen Ehemannes, meiner Schwester und meiner Tante tauchten vor meinen Augen auf. Vor vier Jahren waren sie alle in einem Zeitraum von 13 Monaten an Krebs gestorben. Als sie auf dem Totenbett lagen, war ich bei ihnen und verbrachte die letzten Stunden mit ihnen. Ich weiß was es heißt, am Leiden anderer Menschen teilzuhaben, wie hilflos man sich fühlt, im Stich gelassen und allein.

An einem Punkt wollte ich die Musik ausschalten, da sie die Ursache meiner Tränen zu sein schien, doch als ich nicht vermochte, die Hand zu heben, um die Aus-Taste zu drücken, wusste ich, dass ich zuhören sollte. Über zwei Stunden lang spielte ich die CD immer wieder. Je mehr ich zuhörte und weinte, desto mehr Frieden fühlte ich und meine Seele wurde frei gespült – endlich frei von der Last des Leidens und der Verzweiflung, die ich seit vier Jahren in mir getragen hatte.

Das war so ein wunderbares Gefühl, dass ich am nächsten Morgen die CD gleich noch mal hören wollte. „Wie soll das gehen, bei der Arbeit?“, fragte ich mich noch, als ich schon die CD und den CD-Player in meine große Tasche stopfte. Da es zwei Tage vor Weihnachten war, fragte ich meine Kollegen, ob ich ihnen etwas vorspielen dürfte. Keiner hatte etwas dagegen.

Nach ca. 20 Minuten sagte einer: „Danke dir, seit langem habe ich mich nicht mehr so gut hier gefühlt.“ Zusätzlich zu dem normalen Druck, eine Zeitung heraus zu bringen, steht unser Blatt ständig kurz vor dem Bankrott. Die Atmosphäre in unserem Büro ist oft sehr angespannt, aber diese Himmlische Musik brach durch all das hindurch.

Am Weihnachtsabend schenkte ich eine weitere Kopie von „Rhythm of Christmas” einer meiner Kolleginnen. Sie hatte auch eine schreckliche Tragödie in ihrer Familie erlebt und sich noch nicht davon erholt. Auch sie konnte keinen Frieden finden. Am 26. Dezember kam sie dann vor Freude strahlend zur Arbeit. Ich konnte mich nicht erinnern, sie je so glücklich gesehen zu haben. „Sobald ich anfing, die Musik von dieser CD zu hören, fühlte ich mich leichter und fing sogar an zu singen und zu tanzen“, sagte sie und umarmte mich herzlich.

Als ich merkte, welche Wirkung diese CD auf sie hatte, gab ich weitere Kopien davon an andere Freunde. Es störte mich nicht, dass Weihnachten schon vorüber war.

Ein Mann, der gerade eine besonders schwierige Zeit hinter sich hatte, „fand den Sinn für dieses Leiden und den Weg, wieder Kraft zu tanken.“

Einer meiner Verwandten sagte, er fühlte sich wieder lebendig.

Eine andere Freundin singt nun ständig diese Melodien und hat dabei ihr ewiges Stirn runzeln verloren. Sie kann mir gar nicht genug für dieses Geschenk danken.

Ihr und allen anderen antwortete ich: sie glücklich und mit sich in Frieden zu sehen, bereit Liebe zu empfangen und zu geben, ist größerer Dank und Lohn, als ich mir je vorstellen konnte.

Jedes Mal, wenn ich jetzt einen Freiwilligen von der Familie treffe, scherze ich, dass sie es langsam Leid sein müssten, dass ich immer dieselbe CD kaufe. Aber was soll ich machen? Jeden den ich kenne und der sie gehört hat, fühlte sich anschließend besser – einschließlich mir selbst!

4.Advent-3

Tochter Zion freue dich

– doppelt und dreifach!

Angepasst an Gedanken von Marian Merour über ein englisches Weihnachtslied mit sehr ähnlichem Textinhalt

 „Tochter Zion freue dich“ ist ein schönes und beliebtes Adventslied, doch steckt noch so viel mehr dahinter, als den Meisten bewusst ist.

Die ersten Zeilen spiegeln die überschwängliche Freude und den Jubel wieder, von dem die Geburt des Messias, Jesus, vor 2000 Jahren umgeben war.

  1. Tochter Zion, freue dich!
    Jauchze, laut, Jerusalem!
    Sieh, dein König kommt zu dir!
    Ja er kommt, der Friedefürst.
    Tochter Zion, freue dich!
    Jauchze, laut, Jerusalem!

Aber nun wirf einen Blick auf die zweite und dritte Strophe:

  1. Hosianna, Davids Sohn,
    Sei gesegnet deinem Volk!
    Gründe nun dein ewig‘ Reich,
    Hosianna in der Höh‘!
    Hosianna, Davids Sohn,
    Sei gesegnet deinem Volk!
  2. Hosianna, Davids Sohn,
    Sei gegrüßet, König mild!
    Ewig steht dein Friedensthron,
    Du, des ew’gen Vaters Kind.
    Hosianna, Davids Sohn,
    Sei gegrüßet, König mild!

Der Jesus, der in der Krippe zu Bethlehem geboren wurde, herrschte nie über die Erde von diesem Friedensthron aus, nicht einmal andeutungsweise. Im Gegenteil, er wurde abgewiesen, verraten, verhöhnt und gekreuzigt. „Doch obwohl die Welt durch ihn geschaffen wurde, erkannte die Welt ihn nicht, als er kam. Er kam in sein Eigentum und sein eigenes Volk nahm ihn nicht auf.“ Johannes 1:10-11 Das Lied spricht über all die Prophezeiungen in der Bibel, in denen der Messias die Welt in Liebe regieren wird, wie zum Beispiel: „Denn der Herr kommt. Er kommt, um die Erde zu richten. Er wird die Welt richten mit Gerechtigkeit und alle Völker nach seiner Wahrheit.“ – Psalm 96:13  und beziehen sich auf das zweite Kommen Jesu.

Diese Hosiannas sind auch das Echo einer weiteren Prophezeiung über den Messias im Alten Testament: „Ihr werdet in Freude ausziehen und in Frieden geleitet werden. Die Berge und Hügel werden jubelnd vor euch singen und alle Bäume auf dem Feld werden in die Hände klatschen!“ – Jesaja 55:12 Diese Prophezeiung über die Berge und Hügel geht noch weiter: „Wo einst Dornen waren, werden Zypressen wachsen, wo Nesseln wucherten, werden Myrten sprießen. Das geschieht zur Ehre des Herrn und zu einem ewigen Zeichen, das nie mehr vernichtet wird.“ – Jesaja 55:12 Dornen und Disteln waren nach dem Sündenfall Teil des Fluchs, mit dem Gott die Erde schlug (1.Moses 3 17-18) und der bis in unsere heutige Zeit reicht.

Sei gesegnet deinem Volk!

Eine weitere Prophezeiung, diesmal aus dem letzten Kapitel des Neuen Testaments, das vom Himmel handelt, sagt: „Nichts wird je wieder unter einem Fluch stehen. Denn der Thron Gottes und des Lammes wird dort sein, und seine Diener werden ihn anbeten.“ (Offenbarung 22:3) Wir werden wahrlich gesegnet sein!

Ewig steht dein Friedensthron,
Du, des ew’gen Vaters Kind.
Hosianna, Davids Sohn,
Sei gegrüßet, König mild!

Wir sind zwar jetzt schon im Besitz einer großen Zahl Seiner wundervollen Segnungen, doch werden wir die viel greifbareren erfahren können, wenn er zurückkommen und unter uns als „König über alle Könige“ leben wird. (1.Timotheus 6:15; Offenbarung 17:14) Jetzt lebt er in uns, aber dann wird er unter uns leben, für alle Völker sichtbar und erkennbar. „Niemand muss dann noch seine Freunde belehren, und keiner seinen Bruder ermahnen: ›Lerne den Herrn kennen!‹ Denn alle werden mich kennen, alle, vom Kleinsten bis hin zum Größten“, spricht der Herr.“ (Jeremia 31-34 ) „Wie das Wasser das Meer füllt, so wird die Erde mit der Erkenntnis des Herrn erfüllt sein.“ (Jesaja 11:9) Aber in den Tagen der Herrschaft dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich errichten, das für alle Ewigkeit Bestand hat.“ (Daniel 2:44)  „Die Völker werden sich freuen und vor Freude jubeln, weil du (Jesus) sie gerecht richtest und alle Völker auf der Erde regierst.“ (Psalm 67:4)

Als Jesus das erste Mal kam, zeigte er uns, wie Gott war, lehrte uns, wie man leben sollte und bezahlte für unsere Sünden mit seinem eigenen Blut. Das ist natürlich Grund genug, darüber zu jubeln, aber wir können uns doppelt und dreifach im Voraus auf seine versprochene Rückkehr freuen, wenn er den Fluch gänzlich, nicht nur in unseren Herzen, wegnehmen, dieser Welt ihren Frieden und ihre Harmonie wiedergeben und sie in Liebe regieren wird. Er brachte dieser Welt nicht nur einmal Freude, sondern er gibt sie immer und immer wieder jetzt und für alle Ewigkeit.

 – – –

Gott segnet die, die sich um Frieden bemühen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. – Matthäus 5:9

Gott segnet die, die sich um Frieden bemühen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
– Matthäus 5:9

FRIEDENSGEBET

Lieber Jesus, ich möchte die Welt so sehen, wie du sie siehst. Ich möchte deinen Willen verstehen und ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, deinen Willen zu erfüllen. Ich möchte für die Wahrheit und Gerechtigkeit aufstehen. Bitte gib mir die Kraft dazu. Zeig mir, was ich unternehmen kann, um die Welt um mich herum zum Besseren zu verändern. Zeig mir, wie ich meine Mitmenschen lieben kann, wie ich anderen helfen und mich um sie kümmern kann, so wie du es tun würdest, wenn du heute auf der Erde sein würdest. Du bist der Fürst des Friedens. Zeige mir, was ich tun kann, um Frieden zu verbreiten.

4.Advent-3

„Vom Himmel hoch, da komm ich her“

Worte und Musik von Martin Luther (1483-1546)

Früh am Heiligen Abend des Jahres 1534 saß Martin Luther an der Wiege seines kleinen Sohnes Paul und schaukelte ihn in den Schlaf, um seiner Frau bei ihren vielen Aufgaben im Haushalt behilflich zu sein. Luther hatte in der Bibel die Weihnachtsgeschichte durchgearbeitet, um sich auf die kommenden Weihnachtsgottesdienste vorzubereiten. Als er auf den kleinen Paul hinab sah, dachte er bei sich: »Wie das Christuskind in der Krippe liegt er da.« Von diesem Gedanken inspiriert, nahm er seine Laute und begann zu summen und zu singen. Beim Gestalten der Melodie fing Luther an, die Melodie eines bekannten Volksliedes  jener Zeit zu singen: »Aus fremden Landen komm ich her«. Während er die Melodie dieses Liedes als Vorbild nutzte, fuhr er fort, seinem kleinen Sohn von der Weihnachtsgeschichte vorzusingen, wobei er eine Strophe an die andere fügte, bis es insgesamt fünfzehn Strophen waren. So war ein neues Weihnachtslied entstanden »Vom Himmel hoch, da komm ich her« – ein Lied, das Johann Sebastian Bach später in seinem berühmten Weihnachtsoratorium verwendete.

Luther war von Natur aus stark bewegt vom christlichen Sinn des Weihnachtsfestes, und er liebte es besonders, mit den Kindern gemeinsam Weihnachten zu feiern. So gab es in Luthers Haus am Heiligen Abend besondere Festlichkeiten für die Kinder. Bei diesen jährlichen Feiern war »Vom Himmel hoch« eines der Lieblingslieder der Kinder und es war Luthers Gewohnheit, dass ein Schüler, der als Engel verkleidet war, die ersten sieben Verse dieses Leides sang. Die Kinder pflegten daraufhin freudig die restlichen Verse zu singen und beim letzten Vers in fröhlichem Tanz umherzuspringen.

Luther war ein großer Musikliebhaber und es war sein Wunsch, dass alle Menschen lernen sollten, sich an Musik zu erfreuen. Schon als Junge hatte er auf den Straßen von Magdeburg Weihnachtslieder gesungen und während seines ganzes Lebens schrieb, überarbeitete oder übersetzte er viele Kirchenlieder.

Über Musik – wobei er offensichtlich geistliche Musik meinte – sagte Luther:

»Wenn jemandem erlaubt werden soll zu predigen und Gottes Volk zu lehren, dann muss er die Kraft heiliger Gesänge erkennen und sie auch benutzen. Wer Musik verachtet, den mag ich nicht, denn Musik ist eine Gabe, die uns durch Gottes Gnade gegeben wird, sie ist nicht eine Erfindung des Menschen. So vertreibt sie den Teufel und macht Menschen fröhlich. Denn der Teufel als Urheber aller Sorgen, Ängste und rastloser Schwernisse flieht vor dem Klang der Musik genauso, wie vor dem Wort Gottes!«

4.Advent-4

Straßburger Gesangbuch von 1541

* * *

Stille Nacht

Die Entstehungsgeschichte des berühmten Weihnachtsliedes

Worte: Josef Mohr (1792-1848)
Melodie: Franz Gruber (1787-1863)

Obwohl  die  Kompositionen  von  Händels »Messias« und Bachs »Weihnachtsoratorium« im 18. Jahrhundert geholfen hatten, vielen Menschen den Sinn des Weihnachtsfestes nahezubringen, fehlte doch weiterhin ein einfaches Lied für jedermann. Dieses Lied wurde schließlich in »Stille Nacht« gefunden. Die Worte dafür wurden von Josef Mohr, einem Priester in einem österreichischen Dorf geschrieben und die Melodie von Franz Gruber, dem Organisten der Kirche.

In Salzburg geboren, diente Josef in seiner Jugend  als Chorknabe und wurde später Vikar an der Pfarrkirche der kleinen Stadt Oberndorf, nicht weit von der Stadt Salzburg.

Franz Gruber war der Sohn eines Leinenwebers. Sein Vater versuchte ihn dazu zu bewegen, den gleichen Beruf zu ergreifen, doch Franz war von früher Kindheit an von Musik begeistert. So schlich er sich ohne seines Vaters Wissen heimlich zum Haus seines Schulmeisters, um dort Orgel spielen zu lernen.

Als der Schulmeister einmal krank war, hätte es im Gottesdienst kein Orgelspiel gegeben, wenn nicht Franz (damals l2-jährig) sich bereit erklärt hätte einzuspringen. Er bekam die Erlaubnis, und so spielte er die Musik für den gesamten Gottesdienst aus dem Gedächtnis! Danach ließ sein Vater ihn regelmäßig Musikunterricht nehmen. Im Alter von 20 Jahren wurde Franz nach Abschluss seiner übrigen Studien Lehrer und Organist.

Am 24. Dezember 1818 hörte Josef Mohr aufmerksam zu, als sein Organist und Freund Franz Gruber ihm erzählte, dass die Kirchenorgel für die mitternächtliche Christmesse am Heiligabend nicht zur Verfügung stehen würde. Der Blasebalg war durch Mäusefraß so zerstört, dass ein Fachmann kommen musste. Wegen des tiefen Schnees würde dieser jedoch nicht früh genug eintreffen können, um die Orgel rechtzeitig zur Messe instand zu setzen.

Kaplan Mohr wusste nicht, wie er die Messe ohne die herkömmliche Orgelmusik gestalten sollte, wurde dann auch noch zu einer Bäuerin gerufen, um deren neugeborenes Kind zu segnen.

Vielleicht hatte der Anblick des neugeborenen Kindes in den Armen der Mutter den Priester an Maria mit dem Jesuskind erinnert, denn als Kaplan Mohr durch den Schnee jener sternklaren Nacht heimging, dachte er an jenes erste Christfest, als die Engel zu den erstaunten Hirten sangen.

Wieder heimgekehrt war Gruber in wachsender Verzweiflung und Enttäuschung zum Orgelboden zurückgekehrt, wo er hin und her schritt und versuchte eine Lösung für das Problem zu finden, das mit jeder verstreichenden Stunde verzwickter zu werden schien. Er überdachte die Ereignisse und fühlte sich geleitet, seine Empfindungen in Worte zu kleiden. Bald begannen die Worte ohne große  Anstrengung aus seiner Feder zu fließen. Kaum hatte er einige Zeilen zu Papier gebracht, so kamen ihm schon eine Menge neuer Wörter und Zeilen in den Sinn. Und bevor er es gewahr wurde, hatte er einige einfache Verse aufgeschrieben.

Obwohl er keine Musik für diese Verse hatte, wollte er, dass diese als Lied bei der Christmesse gesungen werden sollten. Er eilte zu seinem Freund Franz und bat ihn, eine Melodie für seine Worte zu finden. Während er seinem Freund ein Blatt mit den neuen Versen gab, sagte er: »Franz, schreibe eine Melodie für mein neues Gedicht, dann werden wir es zur Mitternachtsmesse singen – ob mit oder ohne Orgel!« Mohr schlug vor, eine Gitarrenmusik zu komponieren, doch Gruber protestierte, er sei Organist, nicht Gitarrist und ganz gewiss kein Komponist. Mohr wischte seine Bedenken beiseite, indem er erklärte: »Du kennst doch sicher drei Gitarrengriffe.« Gruber nickte, und der Pfarrer fuhr fort: »Dann halte die Melodie so einfach wie möglich, setze sie zu diesen drei Griffen, und wir werden das neue Weihnachtslied heute Abend zu deiner Begleitung singen.«

4.Advent-5Gruber machte sich daran, den Wunsch von Mohr zu erfüllen, und in etwa einer Stunde hatte er die neue Melodie geschaffen. Er brachte sie dem Pfarrer, dem sie sehr gefiel. In der Christmesse 1818 sangen die beiden Männer Tenor und Bass. Zusammen mit zwei Sägerinnen bildeten sie ein Quartett, begleitet von Kaplan Mohrs italienischer Gitarre, und schenkten so der Welt ein neues Weihnachtslied.

Schließlich hatte Orgelbauer Karl Mauracher im Zillertal den Brief Grubers mit der Bitte erhalten, die Orgel instand zu setzen. Nachdem er das Instrument repariert hatte, setzte sich Franz Gruber daran, um es auszuprobieren. Auch Kaplan Mohr war an jenem Nachmittag in der Kirche und bestand darauf, dass Gruber das neu komponierte Weihnachtslied spielen sollte. Als Mauracher es hörte, war er begeistert, verliebte sich sofort in die Melodie und erbat sich von Gruber eine Abschrift des neuen Liedes. Er bat darum, es auf dem Rückweg mit ins Zillertal nehmen zu dürfen, damit er es den Sängern und Musikanten dort lehren konnte, die immer auf der Suche nach neuen Liedern waren.

So erhielt Mauracher also eine Abschrift, die er mit in seine Heimat nahm. Die Zillertaler waren ergriffen und nannten es den »Gesang des Himmels«. Zehn Jahre später hörte Mauracher von vier Kindern mit ganz besonders guten Stimmen: Karoline, Josef, Andreas und Amalie Strasser. Er lehrte sie das Weihnachtslied und sie sangen es gern.

4.Advent-6Da ihre Eltern hervorragende Handschuhmacher waren, reisten sie alljährlich zur großen Leipziger Messe, um ihre Handschuhe zum Verkauf anzubieten. In Leipzig sangen die Kinder oft vor dem Stand ihrer Eltern oder auf der Straße, um für die Waren zu werben. Zu ihrer großen Überraschung wurden sie von Herrn Pohlenz, dem Generaldirektor des Königlich Sächsischen Konservatoriums zu einem Konzert eingeladen; als er sie eines Tages auf der Straße singen hörte.

Am Ende des planmäßigen Programms lud Herr Pohlenz sie ein, auf die Bühne zu kommen und vor dem Königspaar von Sachsen zu singen. Obwohl die jungen Strassers nervös waren, standen sie auf, kamen nach vorne in den Saal und sangen eine Auswahl ihrer Lieder, darunter auch ihr Lieblingsstück, den ,,Gesang vom Himmel”. Ihr Gesang fand sensationellen Beifall und so wurden sie am Heiligabend 1832 in den Palast eingeladen, um vor der königlichen Familie zu singen.

,,Stille Nacht” wurde 1840 erstmals in Leipzig als ,,Tiroler Weihnachtsgesang” veröffentlicht mit dem Zusatz ,,Hymne unbekannter Quelle – Verfasser und Komponist unbekannt”.

Der König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV, hörte ,,Stille Nacht” zum ersten Mal im Jahr 1854, als es vom ganzen Chor der Staatskirche in Berlin gesungen wurde. Er erklärte, dieses Lied solle bei allen Weihnachtskonzerten seines Landes Vorrang haben; außerdem wies er seine Hofmusikanten an, zu versuchen, die Namen des Verfassers und Komponisten herauszufinden.

In jenem Jahr kamen diese Männer zu den Mönchen des Salzburger Petri-Klosters, um von diesen vielleicht irgendwelche Auskünfte über den Ursprung des Liedes zu erhalten. Durch einen glücklichen Umstand hörte dort ein Chorknabe, der Sohn von Franz Gruber, von den Nachforschungen und überzeugte die Mönche bald davon, dass es seines Vaters Musik war. Jahre später wurde dann 1897 an der Schule, in der Franz Gruber gelehrt hatte, eine Ehrentafel angebracht.

Es wird angenommen, dass ,,Stille Nacht” das Weihnachtslied ist, das am weitesten verbreitet ist. Es wurde in viele verschiedene Sprachen übersetzt und wird in einigen der entferntesten und entlegensten Ländern gesungen. So hat es sich von einem kleinen österreichischen Ort über die ganze Welt in vielen Sprachen gesungen ,verbreitet.

4.Advent-3

Adeste Fidelis

Herbei, oh ihr Gläubigen!/ Nun freut euch ihr Christen!

Worte: Lateinische Hymne, anonymer Verfasser.

Die Urheberschaft des Weihnachtsliedes „Herbei, oh ihr Gläubigen“, ursprünglich in lateinischer Sprache verfasst als „Adeste Fidelis“, wurde vielen verschiedenen Dichtern zugeschrieben, blieb jedoch letztendlich im Dunkeln. Manche vermuten es sei ein altes Weihnachtslied, das mit einem Tanz um die Krippe verbunden war und vom hl. Franz von Assisi benutzt worden sei. Andere behaupten, es stamme aus dem 13. Jahrhundert und sei ein Werk des hl. Bonaventura, eines Franziskaners und Anhängers des hl. Franziskus. Andere Historiker geben an, dass „Adeste Fidelis“ ursprünglich von einem unbekannten französischen Dichter während der Herrschaft Ludwigs XIV in den Jahren 1685 bis 1690 geschrieben wurde.

Gemäß „Gotteslob“ stammt die Melodie von J.Reading (17.Jh.). Sie wurde zuerst in der Sammlung des Musikkopierers und Organisten Sam. Webbe sen. veröffentlicht. Der englische Pfarrer Fr. Oakeley war von dem veröffentlichten schönen lateinischen Weihnachtsgesang „Adeste Fidelis“ so begeistert, dass er den Text 1841 in seine englisch Muttersprache übersetzte: Ye Faithful, Approach Ye.“ Elf Jahre später machte er die Neuübersetzung „Oh come, all ye faithful.“ Mittlerweile gibt es über 40 verschiedene englische Versionen von dem in 120 Sprachen übersetzten Weihnachtslied.

4.Advent-3

Es gibt viel Interessantes, wenn man sich mit Weihnachtsliedern befasst. Die Lieder selbst können uns hilfreich sein, wenn wir sie von Herzen singen.
– Zum Abschluss noch ein Vers aus dem bekannten Lied „Macht hoch die Tür!“ Der Text stammt von Georg Weissel (1590–1635) und wurde 1623 anlässlich der Einweihung der Altroßgärter Kirche in Königsberg verfasst. Die heute mit dem Text verbundene Melodie fand sich erstmals im Freylinghausen’schen Gesangbuch (1704).[4]

Komm o mein Heiland Jesu Christ
meins Herzens Tür Dir offen ist!
Ach zieh mit Deiner Gnade ein!
Dein Freundlichkeit auch uns erschein!
Dein Heil´ger Geist uns führ und leit
des Weg zur ew´gen Seligkeit!
Dem Namen Dein o Herr
sei ewig Preis und Ehr.

* * *

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