„Es ist lebendig“

 

 „Er lebt“

Von Doris Swehla

Es war nicht so einfach, Pia lieb zu haben. Ich wollte ihr Bestes und betete, dass der Herr sie segnen möge, aber manchmal wünschte ich mir wirklich, sie wäre nicht in meiner Sonntagsschulklasse. Pia hatte strähniges Haar, dreckige Fingernägel und ihre Nase lief ständig. Sie hielt sich von den übrigen Kindern fern und ging umher, wie ein  Trampeltier.

Abgesehen davon saß sie nie still, sie hasste Berührungen, und sie musste immer das letzte Wort haben.

Ich war zwanzig Jahre alt und in dem Jahr leitete ich meine erste Weihnachtsvorführung in der großen alten Steinkirche im Westen Chicagos. Einige Wochen vor Weihnachten stand ich vor den versammelten Kindern und hielt die getippten Seiten des Drehbuches für das Krippenspiel in der Hand.

„Wenn ihr bei der Vorführung mitmachen möchtet, hebt bitte eure Hand“, sagte ich, und fast jede Hand ging hoch. – Nur nicht Pias. Als alle, die eine Rolle wollten, auch eine bekommen hatten, hatte ich immer noch welche übrig.

„Pia“, sagte ich. „Hättest du nicht Lust, ein paar Worte bei der Vorführung zu sagen?“

„Wer hat gesagt,  dass ich zu Ihrer  Vorführung komme?“ schnappte sie zurück, während sie die Arme vor ihrer Brust kreuzte und gefährlich auf den Hinterbeinen ihres Stuhles schaukelte. „Ich gehe wahrscheinlich auf eine Party an dem Abend“, sagte sie triumphierend.

Herr, betete ich still, bitte hilf mir, Pia zu lieben.

„Nun, ich habe noch einige Rollen zu vergeben, falls du deine Meinung ändern solltest.“

„Das werde ich nicht“, sagte Pia und tat es auch nicht.

Am Nachmittag der Kostümprobe saßen die Kinder in den vorderen Bänken der Kirche. Sie sprachen leise miteinander, während die Erwachsenen den Hirtenkostümen und den Rauschgold-Heiligenscheinen der Engel letzten Schliff gaben.

„Okay, nehmt eure Plätze ein“, rief ich vom hinteren Teil der Kirche. Der Erzähler begann: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot ausging… “ Ich bekam eine wohlige Gänsehaut. Wieder einmal war ich in diese uralte wunderbare Geschichte versunken.

„Maria benimmt sich nicht, als ob sie ein Baby bekommen würde“, murmelte eine raue Stimme hinter mir. Pia hatte vielleicht nicht den Wunsch, bei dem Programm mitzuwirken, aber die Proben wollte sie nicht verpassen!

„Schhhh!“ flüsterte ich und langte nach hinten, um Pias Hand zu drücken. Sie zog sie zurück und sagte: „Okay, okay!“

Bei der letzten Szene beleuchtete nur ein Scheinwerfer die Heilige Familie, und die Kinder summten „Stille Nacht“. Es war wunderschön, – aber was bewegte sich da vor der Krippe? Pia! Man wusste nie, was dieses Kind als nächstes ausheckte. Jetzt steckte sie ihre Hand in die Krippe, kniff den Arm der Puppe und verschwand wieder in der Dunkelheit.

„Pia!“ rief ich. „Was machst du dort oben?“

„Ich schaue nur“, sagte sie. „Übrigens, es ist kein Baby. Es ist nur eine Puppe. Ich hab’s gefühlt.“

Herr, bitte hilf mir, Pia zu lieben, betete ich.

„In Ordnung“, sagte ich zu der Gruppe. „Heute Abend seid ihr alle um 18.30 Uhr hier, damit ihr pünktlich um sieben kostümiert und spielbereit seid. Bis dann!“

Pia stapfte mit den übrigen Kindern den Gang hinaus. Hoffentlich hat sie an diesem Nachmittag genug gesehen und kommt heute Abend nicht zurück, dachte ich. Ich wusste, dass dies keine christliche Reaktion war, aber ich wollte, dass die Vorführung reibungslos verlief.

Gegen 18.45 Uhr herrschte fieberhafte Aufregung hinter der Bühne. Engel halfen sich gegenseitig, ihre Gewänder überzuziehen. Josef und die Weisen befestigten die Drähte der Bärte hinter ihren Ohren. Maria starrte in den Spiegel und übte einen der Mutter des Heilandes angemessenen Blick. Ich bewegte mich von einer Gruppe zur nächsten und half, wo ich konnte. Pia war nirgends zu sehen, und ich fing an, mich zu entspannen.

Genau eine Minute vor sieben kam Frau Schneider herein. In ihren Armen hielt sie ihr winzig kleines Baby. Ganz in Weiß eingewickelt ersetzte es jetzt die Puppe, welche wir bei den Proben benutzt hatten. „Er ist eben gefüttert worden“, sagte sie. „Er wird wahrscheinlich während der ganzen Vorführung schlafen.“

„Sobald die Lichter verlöschen, können Sie ihn in die Krippe legen“, flüsterte ich.

Als die Orgel den Beginn des Gottesdienstes ankündigte, nahm ich meinen Souffleusenplatz in der ersten Bank ein. Bei den Eröffnungsklängen von „Zu Bethlehem geboren…“ fiel das Licht auf die Krippenszene und der Erzähler begann.

Aber statt der gewohnten Gänsehaut beim Hören der Weihnachtsgeschichte fühlte ich etwas gegen mein Knie schlagen. Ich bekam einen leichten Schubs. „Rutschen Sie rüber!“ murmelte eine vertraute Stimme. „Ich hab‘ mich entschlossen, nicht zur Party zu gehen.“

Ohne meine Augen von dem Schauspiel abzuwenden, das sich vorne entfaltete, machte ich Platz und tätschelte Pias Knie. Sie schleuderte meine Hand in meinen Schoß zurück.

Ich versuchte es, Herr, dachte ich.

Die Engel sangen zu den Hirten. Die Hirten gingen nach Bethlehem und nahmen ein Lamm für das Baby mit. Die Drei Weisen besuchten zuerst Herodes und gingen dann zum Stall. Und Maria saß da und „war in ihrem Herzen bewegt“. Es war reizend! Pia saß so still neben mir, dass ich sie ganz vergaß. Als ich bemerkte, dass sie weg war, war es schon zu spät.

Sie stampfte direkt auf die Krippe zu, genauso, wie sie es während der Probe getan hatte. Aber diesmal wurde sie ganz starr und ehrfurchtsvoll; dann kehrte sie um, und eilte mit vor Verwunderung weit geöffneten Augen zu mir zurück.

„Er lebt!“ flüsterte sie mir durchdringend zu.

Auf der anderen Seite des Ganges fragte jemand: „Was hat sie gesagt?“ „Sie sagte: ‚Er lebt!'“

Wie Wellen in einem Teich ging das Wort von Bank zu Bank bis ganz nach hinten. „Er lebt…lebt…lebt.“ Es lag Spannung in der Luft, als die Menschen in der Versammlung nach und nach die lebendige Gegenwart des Babys aus Bethlehem spürten.

Hier war der wahre Grund für unser aller Feier. Er lebt! Ein raues, ungehobeltes kleines Mädchen hatte uns die grandiose Weihnachtsbotschaft wieder bewusst gemacht. Jesus lebt!

Die Lichter schienen wieder hell und als wir uns erhoben, um „Freut Euch, Ihr Christen“ zu singen, bewegte der Gesang unsere große alte Kirche wie nie zuvor.

Ich legte meinen Arm um Pias kleine Schulter. „Du warst der beste Teil des Programms“, flüsterte ich in ihr Ohr und drückte sie an mich.

Diesmal stieß sie mich nicht zurück.

* * *

Lobpreis-Gebet: Danke Jesus, dass du die Hallen des Himmels verlassen hast, um auf der Erde geboren zu werden, unter uns zu leben und zu sterben und dadurch die Welt zu verändern – mein Leben und das anderer. Danke Jesus für die Tatsache, dass du lebst und nicht eine leblose Puppe oder geschnitzte Figur bist. Du lebst und möchtest leben in uns, in unserem Herzen. Dein Geist der Liebe ist auf uns ausgegossen und möchte andere durch uns lieben. Hilf uns das immer vor Augen zu haben, das ganze Jahr hindurch, dass das Wichtigste im Leben ist, dich und unsere Mitmenschen zu lieben! Was könnte es lebenswerteres geben? Danke für diese Weihnachtszeit. Segne sie und hilf mir, meine Augen offen zu haben, für die die deine Liebe noch nicht kennen. Gib mir den Mut und die Weisheit diese Menschen in dein Königreich zu lieben. Amen!

* * *

(Jesus:) Empfange das Geschenk meiner selbstlosen Liebe für andere. Wie empfängst du es? Genauso wie du jedes andere Geschenk von mir annehmen würdest. Du bittest, du akzeptierst und du glaubst daran. Wie setzt du es in die Tat um? Einen Schritt nach dem anderen und eine liebevolle Tat nach der anderen.
Empfange meine Salbung und setze sie um Tag für Tag, Schritt für Schritt, Tat für Tat, Wort für Wort, Liebe um Liebe. Während du dich bemühst zu geben, zu teilen und zu lieben, werde ich dich im Überfluss mit demselben segnen und dich mit einer noch größeren, neuen, und stärkenden Liebe erfüllen.
Deshalb hab keine Angst, nimm es einfach an. Öffne dein Herz und sag „Ja!“ Öffne dein Herz und sag „Ich möchte es haben!“ Öffne dein Herz und empfange. Es wird Früchte in deinem Leben hervorbringen sowie im Leben der Menschen um dich herum und derer, die du triffst und mit denen du in Kontakt kommst. (Aus dem Büchlein: „Von Jesus mit Liebe, für dich!“)

* * *

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